Neue Phase bei der Restitution

2. Oktober 2009, 16:58
posten

Nationalbibliothek übergibt dem Nationalfonds 8363 Bücher zur Verwertung

Wien - Die Restitution von NS-Raubgut ist in eine neue Phase eingetreten: Erstmals werden, wie im Rückgabegesetz aus dem Jahr 1998 vorgesehen, herrenlose Objekte an den Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus zur Verwertung übergeben. Konkret handelt es sich um 8363 Bücher aus der Nationalbibliothek (160 Meter Druckschriften mit einem Gesamtgewicht von mehr als vier Tonnen).

1938 hatte die Nationalbibliothek abertausende entzogene Bücher zugewiesen bekommen. Jene, die man aufhob, wurden mit der Sigle "P 38" (P steht für Polizei) versehen. Im Zuge der Provenienzforschung stieß Margot Werner auf insgesamt 8363 Druckschriften, die keinen einzigen Hinweis auf die Vorbesitzer haben.

Eine Feststellung der Geschädigten sei, so der Befund der Kommission für Provenienzforschung, "selbst bei einer weiteren Erschließung und Vernetzung des relevanten Archivmaterials auch in Zukunft ausgeschlossen". Der Rückgabebeirat schloss sich dieser Meinung an - und befürwortete die Übergabe an den Nationalfonds.

Die physische Übergabe soll so bald wie möglich erfolgen, sagte Generaldirektorin Johanna Rachinger zum Standard. Sie würde die Bücher in der Folge gerne für die ÖNB erwerben. Laut Schätzungen sei ein Betrag von 125.000 Euro fair. Abgesehen von diesem P-38-Bestand befinden sich in der ÖNB weitere 7595 herrenlose Objekte (Druckschriften, Inkunabeln, Fotos, Musiknoten). Eine Entscheidung, wie mit diesem Bestand vorgegangen werden soll, steht noch aus. Die ÖNB restituierte in den letzten Jahren 35.231 Objekte. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 03./04.10.2009)

Share if you care.