Jeder für sich und alle gegen eine?

2. Oktober 2009, 16:59
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Warum Männer Frauen den Weg zu Top-Positionen verstellen und warum Frauen untereinander sich das Leben auf verschiedenen Ebenen der Hierarchie schwermachen

Es gibt zahlreiche Gründe, warum die Zahl der Frauen in Top-Führungspositionen seit Jahren stagniert - die meisten meinen wir zu kennen: Manche Frauen wollen schlichtweg keine Karriere machen oder wollen sich die Doppelbelastung mit Familie und Top-Position nicht zumuten. Der Organisation Catalyst zufolge kommen Frauen mit Führungsjob und sogenannten Haushaltspflichten auf eine durchschnittliche 70-Stunden-Arbeitswoche. Die vielzitierte Work-Life-Balance rückt damit in weite Ferne. Dazu habe sich, so Catalyst weiter, am tradierten Rollenbild noch nicht genug geändert: So haben 76 Prozent der Chief Executive Officers (CEO) weltweit nichtberufstätige Partnerinnen, aber nur 24 Prozent der weiblichen CEOs einen "Hausmann" an ihrer Seite.

Nicht zuletzt ist auch die "gläserne Decke" nach wie vor Faktum, zu der aktuell erste Auszüge einer Studie des deutschen Instituts Sinus Sociovision auf Zeit.de nachzulesen sind. Die Studie beschreibt, wie Männer im Management potenziellen Konkurrentinnen systematisch die Tür zu Top-Positionen verstellen. Über Tiefeninterviews destillierten die Forscher drei "dominierende Mentalitätsmuster" bei Männern im Management: zum einen der "konservative Typus". Hier könne man eine kulturelle und funktionale Ablehnung von Frauen einfach aufgrund ihres Geschlechts festmachen. Frauen seien im "inner circle" irritierend und im Vorstand unerwünscht, lauten Interview-Zitate. Der andere Typus habe eine emanzipierte Grundhaltung, gehe aber davon aus, dass Frauen gegen männliche Machtrituale chancenlos seien.

Wenig optimistisch

Der dritte Typus vertrete die Ansicht, dass das Geschlecht bei der Besetzung von Führungspositionen zwar keine Rolle spiele, es aber zu wenig Frauen gebe, die authentisch und flexibel genug seien, um diese Jobs auszufüllen. Alle drei Typen, so die Studienautoren, seien oft in einem Unternehmen vertreten. Erfülle also eine Frau eine der drei genannten "Kriterien", würden ihr immer noch die anderen beiden den Weg an die Spitze verstellen, so die wenig optimistisch stimmende Conclusio der Untersuchung.

Komplexe Frauenbeziehungen

Interessant ist auch eine Beobachtung von Jenny Simanowitz, Gründerin des Trainingsinstituts Happy Business. Simanowitz, die unter anderem auch Gender-Seminare zu ihrem Portfolio zählt, erkennt erheblichen Nachholbedarf im Leben hierarchischer Beziehungen unter Frauen am Arbeitsplatz. Sie haben, so die Trainerin weiter, ein sehr komplexes Konkurrenzverhalten untereinander. 

Eine von Happy Business initiierte und durchgeführte Online-Umfrage unter rund 350 Frauen ergab zunächst, dass für zwei Drittel der Befragten das Geschlecht bei der Besetzung von Führungspositionen unwichtig sei. Vom verbleibenden Drittel würden mehr als 80 Prozent einen männlichen Vorgesetzten präferieren. Warum? Das Spektrum der Antworten spannt sich von "Männer sind entscheidungsfreudiger" über "Männer sind konfliktfähiger" bis hin zu „Frauen fühlen sich in Führungspositionen oft unsicher, müssen sich deshalb übertrieben beweisen". Böse Zungen würden diese Zitate wohl eher Männern zuschreiben.

Als positive Merkmale von weiblichen Vorgesetzten wurden genannt: „Frauen können gut im Team arbeiten, gut delegieren und haben Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen" oder "Frauen als Vorgesetzte können ihre Schwächen eingestehen". Aus den Umfrageergebnissen sei klar abzuleiten, dass Frauen sich mehr von weiblichen Vorgesetzten erwarten als von männlichen, so Simanowitz. 

Und was dem Fortkommen weiblichen Führungsanspruchs ebenfalls im Weg stehe, sei das strategisch betrachtet ungeschickte Verhalten untereinander. Männer wissen sehr wohl, dass es strategisch zielführender ist, seinen Chef karrieretechnisch zu unterstützen, so Si_manowitz, „nach dem Motto 'Wenn mein Chef mehr Respekt bekommt, bekomme ich auch mehr Respekt'." Hier herrsche Pragmatismus vor. „Männern ist ihre Karriere wichtiger als ein subjektiver Kleinkrieg." Es gehe auch darum, das eigene stereotype Denken infrage zu stellen. Denn allein einen gemeinsamen "Hauptkonkurrenten Mann" zu haben bringt die Frauen einander nicht näher. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.10.2009)

  • Jenny Simanowitz, Gründerin von Happy Business
    foto: simanowitz

    Jenny Simanowitz, Gründerin von Happy Business

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