US-Finanzminister und Kollegen reden Dollar stark

2. Oktober 2009, 14:50
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Allein in diesem Jahr dürfte sich das Defizit der USA auf rund 1,8 Billionen Dollar belaufen

Frankfurt - Dank einer ganzen Reihe von Bekenntnissen zu einem starken Dollar hat sich die US-Währung zum Wochenschluss auf stabilem Niveau behauptet. Der Euro pendelte in einer engen Spanne von 1,4505 bis 1,4565 Dollar und damit in etwa auf dem Vortagesniveau. "Dabei dürften die weltweit nachgebenden Aktiennotierungen den Dollar ebenfalls unterstützt haben, da dieser noch immer die weltweit günstigste Finanzierungswährung ist", erklärte die Commerzbank am Freitag.

Im Vorfeld des G7-Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs in Istanbul am Wochenende sprachen sich nach US-Finanzminister Timothy Geithner auch die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und der niederländische Finanzminister Wouter Bos für einen starken Dollar aus.

Kritik in Folge der Krise

Sie folgten damit Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der sich Anfang der Woche für den Dollar stark gemacht hatte. Geithner sagte in Washington kurz vor seinem Abflug nach Istanbul: "Ein starker Dollar ist für dieses Land sehr wichtig, und ich meine das so, und es ist sehr wichtig, dass man das auch erkennt." Mit der Finanzkrise ist die Rolle des Dollar als Weltleitwährung in die Kritik geraten. Viele fürchten, dass letztlich die ganze Welt die Zeche für die über ihre Verhältnisse lebenden Amerikaner zahlen muss.

Allein in diesem Jahr dürfte sich das Defizit der USA auf rund 1,8 Billionen Dollar belaufen. Laut Haushaltsbüro des Kongresses wird im Fiskaljahr 2010 die Verschuldung schätzungsweise noch 1,4 Billionen Dollar betragen. Geithner ging auf die Kritik ein und beteuerte, die USA würden künftig sparsamer sein. Die USA hätten eine besondere Verantwortung, und es sei wichtig, dass nicht nur Amerikaner, sondern die Welt verstehe, dass "wir künftig wieder im Rahmen unserer Verhältnisse leben werden".

Lagarde begrüßte die Äußerungen Geithners. "Ich bin froh, dass er für einen starken Dollar ist. Ich hoffe, er wird gehört werden", erklärte die Ministerin. "Wir werden über den Dollar ein wenig reden können, ich hoffe zum Beispiel in Istanbul in den nächsten paar Tagen", fügte sie hinzu. Auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia begrüßte die Aussagen Geithners. "Wir kennen die Haltung der US-Verantwortlichen zum Dollar - wir mögen es sehr gerne, wenn sie diese Meinung ausdrücken." Eine starke Landeswährung verschlechtert in der Regel die Ausfuhrchancen der Industrie. In der Euro-Zone klagen die Exporteure regelmäßig über den wechselkursbedingte Nachteile.

US-Arbeitsmarktdaten im Fokus

Im Fokus der Devisenmärkte standen daneben die US-Arbeitsmarktdaten für September, die am Nachmittag veröffentlicht werden. Sollten sie schlechter als erwartet ausfallen, könnte dies die Anleger risikoscheuer machen und damit den Dollar als derzeitige Weltleitwährung wieder stärken. Aussagen von Fed-Gouverneur Jeffrey Lacker, wonach die US-Notenbank Federal Reserve ihre Zinsen bereits vor einer Erholung am Arbeitsmarkt erhöhen könnte, stützten zusätzlich. Der Chef der regionalen Fed von Richmond, hat in diesem Jahr Stimmrecht im Offenmarktausschuss der Fed, der über den Leitzins und die geldpolitische Strategie entscheidet. Auch in der Euro-Zone wird allerdings über ein Ende der lockeren Geldpolitik spekuliert. Am Rentenmarkt stützten die Zweifel an einer raschen und nachhaltigen Konjunkturerholung die Kurse der Staatsanleihen. Der Bund-Future stieg bis zum Mittag um bis zu 38 Ticks auf 122,70 Punkte.(APA)

 

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