Neue Therapien gegen diabetische Retinopathie

2. Oktober 2009, 14:49
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Lipidsenker und Blutdrucksenkende Medikamente schützen vor Diabetes bedingter Netzhauterkrankung

Diabetes mellitus kann auch die Netzhaut des Auges schädigen. Augenärzte sprechen dann von einer diabetischen Retinopathie, einer durch den Diabetes bedingten Netzhauterkrankung. Eine multifaktorielle Therapie kann das Auftreten von Netzhautkomplikationen zeitlich verzögern. Bestandteile sind eine isokalorische, fettreduzierte Ernährung, mindestens dreimal wöchentlich aktive körperliche Betätigung und Nikotinverzicht. Zudem sollte eine schrittweise Anpassung der Blutzuckerwerte, die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und das Einstellen des Bluthochdruckes an Normwerte erfolgen. Vorbeugung und Behandlung der diabetischen Retinopathie waren ein Thema auf dem 107. DOG-Kongress in Leipzig.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse zweier Studien haben im vergangenen Jahr zu einem Umdenken in Vorbeugung und Therapie des Diabetes geführt. Im Rahmen der ADVANCE- und der ACCORD-Studie haben sich Menschen mit Typ 2-Diabetes intensiv um eine fast normnahe Einstellung ihrer Blutzuckerwerte bemüht. Doch die erhoffte positive Wirkung der aggressiven HbA1c-Reduktion (6,4% beziehungsweise 6,5%) blieb aus. HbA1c ist eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist. Der Anteil von HbA1c am gesamten Hämoglobin wird zur Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus verwendet. "In den Studien konnten insbesondere kardiovaskuläre Spätkomplikationen nicht vermieden werden. In der ACCORD-Studie erhöhte die enge Blutzuckerkontrolle sogar die Sterblichkeit", berichtet Peter Wiedemann, Präsident des 107. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Universitäts-Augenklinik Leipzig. In der ADVANCE-Studie kam es zwar signifikant zu einer Reduktion des Auftretens einer Nierenbeteiligung, ein Einfluss auf die Retinopathie war aber in beiden Studien nicht erkennbar.

Lipidsenker wirkt

Dafür konnten Forscher zeigen, dass bestimmte Medikamente zur Regulierung von Blutfetten und Blutdruck vor einer diabetischen Retinopathie schützen. "Fenofibrat, das die Blutfette senkt, verlangsamt bei einer guten Stoffwechsellage zusätzlich den Verlauf einer Retinopathie so stark, dass viele Betroffene vorerst keine Laserbehandlung der Netzhaut benötigen", so Wiedemann. Eine ähnlich schützende Wirkung werde mit neuen Medikamenten erzielt, die in die hormonelle Blutdruckregulierung eingreifen. "Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Wirkstoff Candesartan beim Typ 1-Diabetes einer Retinopathie vorbeugt. Beim Typ 2-Diabetes könnte er das Fortschreiten des Augenleidens verlangsamen", erläutert Wiedemann.

Kombination Laser und Medikament

In der Therapie der Retinopathie ist die Photokoagulation, eine Laserbehandlung der Netzhaut, seit Jahrzehnten Standard. "Die Laserstrahlen veröden schlecht durchblutete Netzhautareale. Dadurch verhindern sie, dass neue Blutgefäße entstehen, die hauptsächlich für eine Erblindung verantwortlich sind", erklärt Wiedemann. Zunehmend kommen aber auch Medikamente zum Einsatz, die sich bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) bewährt haben. So verhindert der Wirkstoff Ranibizumab bei der AMD, dass sich in der Makula - dem Ort des schärfsten Sehens auf der Netzhaut - neue Blutgefäße und Flüssigkeitseinlagerungen bilden. "Die Makula ist auch bei vielen Diabetikern geschädigt. Ranibizumab könnte hier eine sinnvolle Ergänzung zur Lasertherapie sein", so Wiedemann. Der genaue Stellenwert werde derzeit in der RESTORE-Studie untersucht. (red)

Literaturhinweise zu den Studien:

DIabetic REtinopathy Candesartan Trials (DIRECT)
DIRECT-Studie 1
DIRECT-Protect 2

Fenofibrate Intervention and Event Lowering in Diabetes (FIELD) Study

Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group (ACCORD)

Action in Diabetes and Vascular Disease: Preterax and Diamicron Modified Release Controlled Evaluation (ADVANCE)

Pressekontakt für Rückfragen:

Pressestelle 107. DOG-Kongress
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
Telefax: 0711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog2009.org

 

  • Nicht nur der Blutzucker ist für ein Fortschreiten der Erkrankung entscheidend.

    Nicht nur der Blutzucker ist für ein Fortschreiten der Erkrankung entscheidend.

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