Teamsport erhöht Schmerztoleranz

2. Oktober 2009, 14:08
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Forscher auf der Spur der Motivations-Mechanismen - Gruppentraining führt zu Endorphinrausch

Oxford - Führen mehrere Menschen Bewegungen aktiv und völlig synchron aus, so steigert das bei ihnen die Ausschüttung der Glückshormone Endorphine. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Oxford in der Zeitschrift Biology Letters. Sie konnten nachweisen, dass synchron betriebene Sportarten die Wahrnehmung und Erträglichkeit von Schmerz steigen lassen, was als Nachweis für Endorphine gilt. "Die Hormonausschüttung bei Sport ist deutlich höher, wenn er in der Gruppe ausgeführt wird als wenn man ihn alleine betreibt", erklärt die Studienleiterin Emma Cohen. Hauptanliegen der Studie sei es gewesen, Motivationsprozesse näher zu entschlüsseln, mit denen sich Menschen aneinander binden, besonders wenn synchrones Verhalten im Spiel ist.

Schmerzgrenze steigt

Zwölf Sportler des Oxforder Ruderteams nahmen an der Studie als Versuchspersonen teil. Sie trainierten für eine gewisse Zeit auf Rudergeräten, wie sie im Fitness-Center üblich sind. Zunächst war 45 Minuten Training in Sechsergruppen angesagt, dann setzte man im zweiten durch Individualtraining ohne Anwesenheit des Teams fort. Nach jeder Einheit maßen die Forscher die Schmerzgrenze der Sportler, indem sie die Zeit stoppten, die diese eine aufgeblasene Luftmanschette am Arm ertrugen. Stets war diese Toleranzgrenze nach dem Sport höher als zuvor, was zunächst nicht überraschte. Allerdings war der Anstieg nach dem Gruppentraining deutlich größer als nach dem Einzeltraining.

Indirekter Beweis

Indirekt war das der Nachweis für die höhere Ausschüttung von Endorphinen im Team. Diese Botenstoffe sind körpereigene Opiate, die Schmerz lindern und auch in der Suchtentstehung eine Rolle spielen. "Gefühle wie Euphorie oder Wohlbefinden geht wesentlich auf sie zurück. Gleichzeitig sind sie jedoch auch natürliche Schmerzmittel, deren Fähigkeit zur Steigerung der Schmerztoleranz bereits ausreichend belegt ist", so Cohen. Die Forscherin schließt aus den Ergebnissen, dass dieses Hormon bei synchronen Teamsportarten wie Rudern auch zu Entstehung und Erhalt sozialer Bande und zum Kameradschaftsgefühls betragen könnte. "Synchrones Verhalten hat hohe Bedeutung im Sport, jedoch auch bei anderen sozialen Aktivitäten wie in Gesprächen, bei Gelächter oder beim Marschieren sowie in der interpersonellen Bindung."

Als Anthropologin liegt Cohens Interesse vor allem bei der Ritualforschung, für die die Ruderstudie auch Erkenntnisse liefern könne. "Viele religiösen Handlungen wie Rituale oder Tänze werden ebenfalls in Gruppen durchgeführt. Dabei ist meistens synchrone Koordination im Spiel, deren Vorgänge ziemlich unbeweglich festgesetzt sind", so die Studienleiterin. Es sei denkbar, dass sich diese religiösen Handlungen teilweise ebenfalls zur Herstellung sozialer Banden unter Einzelpersonen eigneten. Die psychopharmazeutischen Mechanismen, die dabei oft im Einsatz seien, würden durch synchronisierte Handlungen wie Lachen, Sprechen oder Bewegungen gesteigert. (pte)

 

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