IFO trotz starkem Euro verbessert

2. Oktober 2009, 13:54
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Bank von Hans Engel

Auch in Europa reduzieren die Konsumenten tendenziell ihre Konsumausgaben. Die am Donnertag veröffentlichten Zahlen für Deutschland zeigen, dass der private Konsum im Jahresvergleich um 2,6% zurückgegangen ist. Zuletzt gab es aus Deutschland auch die erfreuliche Nachricht, dass die Arbeitslosenrate im Vergleich zum Vormonat auf nun 8,2% (zuvor 8,3%) leicht gesunken ist. Damit wurden die negativen Erwartungen vieler Ökonomen zumindest derzeit nicht bestätigt.

Am Dienstag wurden für Deutschland die aktuellen Werte wichtiger Stimmungsindikatoren gemeldet. Der IFO-Geschäftsklimaindex hinsichtlich der aktuellen Lage hat sich weiter deutlich verbessert (-39,1 nach zuvor -42 im August). Die zweite Komponente des IFO-Index, nämlich die Einschätzung der zukünftigen Lage, zeigt ebenso aufwärts (-19,9 nach zuvor -21,9). Die IFO-Komponente betreffend künftiger Exporte ist ebenfalls im Ansteigen und sogar bereits im positiven Bereich! Wenn jetzt der Euro nach seiner monatelangen Stärke wieder etwas gegenüber anderen Währungen verlieren würde, würde das den wieder zuversichtlicheren Trend in der deutschen Exportwirtschaft verstärken und die Wirtschaft kräftig unterstützen. Insgesamt zeigt sich hier also ein verhalten optimistisches Bild.

Während also der Exportsektor wieder optimistischer in die Zukunft blickt, bleibt die Lage im konsumnahen Bereich, wie beispielsweise im Einzelhandel oder bei zyklischen Konsumgütern, angespannt. Unternehmen wie Arcandor oder Escada kämpfen mit hohen Schulden um ihr Überleben. Escada, ein Modeproduzent mit Sitz in München, verschob zuletzt noch die Veröffentlichung des Quartalsberichts und sucht jetzt Investoren, um den Konzern, der mehr
als 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, zu retten.

ABB, der schweizerische Industriekonzern mit Schwerpunkt bei der Automatisierungstechnik und Energieübertragung, hat trotz des überdurchschnittlich erfolgreichen Abschneidens der heimischen Volkswirtschaft im internationalen Vergleich bekanntgegeben, dass man derzeit noch keine Erhöhung der Nachfrage erkennen könne. In der Zwischenzeit zieht der Konzern sein Kostenreduktionsprogramm durch, mit dessen Hilfe CHF 3 Mrd. eingespart werden sollen.

Novartis mit Fortschritten

Aus dem uns aktuell attraktiv erscheinenden Pharmabereich kommen ebenfalls wichtige Nachrichten: Novartis hat mit dem Medikament "FTY720" offenbar deutliche Fortschritte bei der Behandlung von multipler Sklerose erzielen können. Laut einer Studie des Unternehmens wird durch diese Substanz die Häufigkeit von Rückschlägen und das Ausmaß der Krankheit signifikant reduziert. Dies scheint ein wichtiger Durchbruch bei multipler Sklerose zu sein und zeigt, dass Novartis weiter Stärke bei Innovationen beweist.

Eine weitere Erfolgsgeschichte liefert die eher kleine britische Ölfirma Tullow Oil, die überdurchschnittlich erfolgreich beim Auffinden von neuen Öl- und Gasvorkommen ist. Zuletzt wurden in Uganda wieder größere Ressourcen gefunden. Tullow Oil ist übrigens jenes britische Unternehmen mit den meisten Bohrlizenzen in Afrika. Die Aktie scheint unter längerfristigen Gesichtspunkten sehr vielversprechend und bei kleineren Rückschlägen kaufenswert.

Weniger aussichtsreich scheint die Zukunft des italienischen Finanzkonzerns Intesa Sanpaolo, der zur Kapitalbeschaffung nun die Abspaltung seiner Versicherungssparte bzw. seiner Banca  Fideuram, der zu Beginn des Jahres 2007 erworbenen Asset Management-Sparte, plant. Der
positive Aspekt ist jedoch, das Intesa damit eine glaubwürdige Restrukturierung einleitet und
sich offenbar auf das Kerngeschäft konzentriert.

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