Stimmungsindikatoren enttäuschen

2. Oktober 2009, 13:52
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Bank von Hans Engel

Der ISM-Manufacturing Index, ein wichtiger und vielbeachteter Stimmungsindikator, hat am Donnerstag mit einer etwas überraschenden Abschwächung die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen. Viele Investoren hätten sich wohl eine weitere Steigerung erwartet, aber eine Verringerung auf einen Stand von 52,6 Punkten hat dann den Aktienmarkt doch etwas verunsichert. Immerhin bleibt dieser Indikator noch klar im neutralen Bereich, aber in der aktuell
etwas weniger stabilen Marktphase führt schon eine kleine Abschwächung einer volkswirtschaftlichen Kennzahl zu Verunsicherung vieler Anleger. Der Chicago-Purchasing Manager Index wurde nach einem Stand von 50 (neutraler Bereich) mit nur 46,1 Punkten am Mittwoch publiziert, was schlichtweg eine negative Überraschung im Vergleich zu den davor noch optimistischen Prognosen darstellt.

Ebenso stieg zuletzt die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (551.000) weiter an. Auch hier wurde der Vormonatswert (530.000) klar übertroffen, die Erwartungen vieler Ökonomen ebenso. Wie stark der private Konsum - trotz rückläufiger Tendenz - zuletzt von
staatlichen Unterstützungen getragen wurde, zeigt ein Blick auf die im letzten Monat dramatisch gesunkenen Verkaufszahlen von Automobilen. Während noch im August durch das "cash for clunkers"-Programm 14,09 Mio. Autos verkauft wurden, sank diese Zahl im September auf 9,2 Mio. Auch hierbei wurden wiederum die Erwartungen vieler Ökonomen deutlich enttäuscht. Offenbar sind viele Volkswirte unter Druck etwas allzu optimistische Erwartungen zu publizieren, was grundsätzlich nicht verwerflich ist, weil auch diese Erwartungen den tatsächlichen Pfad der Volkswirtschaft beeinflussen. Allerdings reduziert sich dieser positive Effekt langfristig, wenn sich die Prognosen dauerhaft zu weit von der Realität entfernen.

Cisco Aktie weiter kaufenswert

Weniger schwierig als die Prognosen der Entwicklung einer Volkswirtschaft sind jene bei bestimmten Unternehmen, insbesondere dann, wenn es sich dabei um gut geführte und überdurchschnittlich erfolgreiche handelt. So zum Beispiel im Fall von Cisco Systems, dem global führenden Hersteller von Netzwerktechnik, der in dieser Woche die geplante Übernahme der norwegischen Firma Tandberg, einem ebenfalls erfolgreichen Mitbewerber für knapp USD 3 Mrd. bekanntgab. Hier ist der Forecast einfach: Cisco Systems wird, wie schon hunderte Mal in seiner Geschichte, vermutlich auch diese Akquisition erfolgreich abwickeln, zumal weder der zu bezahlende Preis zu hoch, noch das Geschäftsfeld von Tandberg zu weit weg von den Kernkompetenzen von Cisco sind. Die Aktie von Cisco bleibt langfristig attraktiv, bei kleineren Rückschlägen kommen wir zur Einschätzung "kaufenswert".

Es gibt in diesen Zeiten der starken Konsumrückhaltung trotzdem noch Unternehmen, die nicht bloß schrumpfen. Kohls Corp, ein großer Einzelhandelskonzern mit 28.000 Mitarbeitern hat neulich die Eröffnung weiterer 37 Filialen und die Einstellung zusätzlicher 5.000 Arbeitskräfte in sechs US-Bundesstaaten bekanntgegeben. Die Aktie des Unternehmens ist aktuell mit einem
KGV von knapp 20 ziemlich hoch bewertet, das erwartete Gewinnwachstum sehr moderat, aber im Fall eines kräftigeren zwischenzeitigen Kursrückgangs bietet sich mittelfristig ausgerichteten Anlegern bei Kohls Corp. bestimmt gelegentlich eine attraktive Einstiegsmöglichkeit.

Der Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Gannett Co., dessen wohl bekanntestes Produkt "USA Today" darstellt, konnte im vergangenen Quartal seine enorm hohen Verbindlichkeiten (aktuell USD 5,9 Mrd.) deutlich abbauen und mittels Preiserhöhungen und Umstrukturierungen sein operatives Ergebnis klar steigern. Das Unternehmen bleibt nach wie vor in der Liga der angeschlagenen Konzerne, die den Verlauf einer erfolgreichen, nachhaltigen Umgestaltung erst erbringen müssen. Der eingeschlagene Weg beginnt vielversprechend, wird aber noch einige Jahre dauern. Die Gannett -Aktie ist sehr volatil und nur für sehr spekulativ eingestellte Anleger geeignet. In der abgelaufenen Woche war das Papier sogar jenes mit der besten Performance im S&P 500 Index.

Ebenfalls einige mühsame Quartale stehen offenkundig den US-Sach- und Schadensversicherern bevor. Das gesamte Prämienvolumen ging zuletzt um knapp 5% zurück, weil aufgrund erhöhter Arbeitslosigkeit und geringerer Werte der Immobilien einfach weniger Nachfrage nach Versicherungsdienstleistungen festzustellen war. Die Kunden sparen und streichen offenkundig nicht mehr für nötig empfundene Ausgabenpositionen.

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