Tochter kümmerte sich nicht um alte Mutter: Zwei Jahre bedingt

2. Oktober 2009, 13:41
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Die beiden Frauen lebten umgeben von Müllbergen in Wiener Innenstadt

Wien - Ein Prozess hat die unglaublichen Lebensumstände zutage gefördert, unter denen eine 40-jährige Akademikerin und ihre betagte Mutter in einer 117 Quadratmeter-Wohnung in der Wiener Innenstadt zusammen lebten. Bis zu eineinhalb Meter hohe Müllberge türmten sich in den Räumlichkeiten, die Schlafzimmer und die Toilette waren nicht mehr benützbar. Weil sie sich zuletzt nicht mehr um die nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmte Mutter gekümmert hatte, wurde die Tochter am Freitag im Straflandesgericht zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt.

Die Frau, die Zeit ihres Lebens bei ihren Eltern gelebt hatte, dürfte irgendwann vor der offenbar dominanten Mutter kapituliert haben. Ein Gerichtspsychiater bescheinigte der 40-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung und ein von Unreife gekennzeichnetes Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der Mutter, die im Jänner 2009 im 82. Lebensjahr starb.

Im Alter hatte die Mutter eine Sammelleidenschaft und das sogenannte Messie-Syndrom entwickelt. Weil sie keinen Platz mehr zum Schlafen hatte, wich die Tochter ins Badezimmer aus, wo sie eigenen Angaben zufolge jahrelang auf einem Schemel schlief. Die Mutter nächtigte im Vorzimmer auf Sitzauflagen für Gartenmöbel.

Die Tochter wurde wegen Vernachlässigung einer hilflosen Person angeklagt. Vor Richterin Nina Steindl gab die 40-Jährige nun zu Protokoll: "Ich weiß, dass es zu weit gegangen ist und dass ich vorher etwas machen hätte sollen." Ihre Mutter habe ihr allerdings verboten, sich um medizinische Hilfe umzuschauen. Die Angeklagte nahm die Strafe an. Die Staatsanwältin behielt sich Rechtsmittel vor, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. (APA)

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