Strom und Gas sind weiter zu teuer

2. Oktober 2009, 13:27
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Wettbewerb funktioniert laut E-Control-Chef Walter Boltz noch nicht: Gas könnte für Endkunden um zehn Prozent günstiger sein

Wien - Energie sollte in Österreich aus Sicht von E-Control-Chef Walter Boltz noch billiger verkauft werden. Gas könnte für die Endkunden um zirka 10 Prozent günstiger sein, bei Strom der Energieanteil um 5 Prozent, sagte Boltz am Freitag mit Hinweis auf die Großhandelspreislage und die Einkaufsmöglichkeiten der Versorger. Echten Wettbewerb gebe es noch nicht: Bisher habe erst jeder zehnte Stromkunde seinen Anbieter gewechselt, bei Gas jeder zwanzigste. Eine Belebung der Konkurrenz werde das 3. EU-Energieliberalisierungspaket bringen, das bis Anfang 2011 umgesetzt sein muss und auch mehr Informationen und Konsumentenschutz bringt. Die E-Control kann dann stärker die Kalkulationen der Energieversorger einsehen.

Weiteres Potenzial nach unten

Bei Erdgas betrage das Preissenkungspotenzial mindestens 10 Prozent, sagte Boltz in einem Pressegespräch, bei stärkeren Einkäufen eines EVU am Spotmarkt sogar noch mehr. Auch nach den avisierten Verbilligungen per Anfang Dezember hätten Wienenergie und EVN noch Potenzial nach unten, andere Versorger erst recht. Bei Strom könnte sich die Energiekomponente für Haushaltskunden um 5 Prozent verbilligen, bei den eher teureren Anbietern noch mehr, etwa 10 Prozent. Die EnergieAllianz-Unternehmen (Wienenergie, EVN, Bewag) könnten demgemäß auf im Schnitt 250 bis 270 Euro im Jahr absenken, so Boltz. Derzeit liegt die Range für den Energieanteil bei 200 bis 300 Euro im Jahr, zu denen noch zwischen 185 und 240 Euro an Netzkosten hinzukommen. Industriestrom könnte sogar um 8 bis 10 Prozent günstiger sein.

Probleme im Wettbewerb

"Wir haben noch immer Probleme im Wettbewerb in Österreich", sagte Boltz bei der Vorlage des "Marktberichts 2009" der E-Control. Bei Strom seien die Großhandelspreise wieder auf das Niveau von 2007 gesunken, und die Margen seien gestiegen. Elektrizität für das kommende Jahr könne derzeit mit 45 Euro je MWh um fast die Hälfte gekauft werden wie 2008 (85 bis 90 Euro/MWh). Die Energiebranche sei fast die einzige, der es trotz Wirtschaftskrise noch immer sehr gut gehe. Die Bruttomargen in der E-Wirtschaft seien zuletzt je nach Versorger und Zeitpunkt zwischen Null und bis zu 40 Prozent gelegen.

Für Ökostrom zu viel verrechnet

Aufgrund der Ökostrom-Mehrkosten, die die Versorger in Rechnungen ausweisen, geht Boltz davon aus, dass diese Mehrbelastung von den Versorgern entweder tatsächlich den Kunden zu hoch weiterverrechnet wurden - oder die Margen vereinzelt sogar bis zu 100 Prozent betragen haben könnten, falls Grünstrom von den EVU günstiger eingekauft wurde als angegeben. In den vergangenen Jahren dürften im Schnitt jeweils über 77 Mio. Euro zu viel verrechnet worden sein, hatte die E-Control schon im Sommer errechnet - die E-Wirtschaft hatte dies als unzutreffend zurückgewiesen. Nach der Rechnung des Regulators hätte Ökostrom die Österreicher 2008 damit 329 Mio. Euro und nicht nur das Einspeistarif-Fördervolumen von 252 Mio. Euro gekostet. Mittlerweile untersucht die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Boltz rechnet mit einer Aufklärung bereits in den kommenden Wochen.

EVUs weisen Boltz-Kritik zurück

Österreichs E-Wirtschaft weist die Einschätzung der E-Control, es gäbe keinen echten Wettbewerb auf dem heimischen Strommarkt naturgemäß zurück. "Die Spielregeln des freien Marktes funktionieren, auch wenn manche mit dem aktuellen Spielstand nicht zufrieden sind", betonte die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt.

Sie kritisierte auch "Zahlenspielereien", die den Eindruck erwecken könnten, Österreich habe EU-weit die höchsten Strompreise. Tatsächlich liege Österreich bei den Industriestrompreisen mit 9,05 Cent pro kWh und bei den Preisen für Klein- und Mittelunternehmen von 10,44 ct/kWh im EU-27-Vergleich auf dem 14. Rang. Schmidt: "Das sind die realen Zahlen und keine willkürlich gewählten Indizes."

Auch bei den Haushaltsstrompreisen liege Österreich im guten EU-Mittelfeld. Ohne Steuern würden die Haushaltskunden derzeit 12,68 Cent im Schnitt zahlen (für Energie und Netz exkl. Abgaben und Steuern) - nur knapp mehr als der EU-Durchschnitt, in dem die CEE-Länder mit ihren niedrigen Preisen enthalten sind.

Völlig unverständlich seien Spekulationen des Regulators über angeblich überhöhte Margen der E-Wirtschaft. Im Gegenteil: Die Vertriebsmargen bei Strom lägen laut einer Studie von A.T.Kearney mit weniger als 0,5 Cent pro kWh weit unter anderen EU-Ländern. Dies erkläre auch die geringe Attraktivität Österreichs für neue Anbieter. Auf Basis fiktiver Einkaufspreise für Strom im Ökostrombericht die Margen zu bewerten, sei eine "pure Spekulation", so Schmidt in einer Aussendung. (APA)

 

 

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