Sturm hofft auf offenes Rennen

2. Oktober 2009, 13:23
10 Postings

Grazer halten nach Remis in Istanbul bei erst einem Punkt, doch Trainer Foda weiß, dass "alles möglich" ist, wenn man an die Grenzen geht

Istanbul - Für den steirischen Fußball-Bundesligisten Sturm Graz ist Istanbul ein guter Boden. Wie schon 2000 in der Champions League (2:2) endete auch am Donnerstagabend das zweite Gastspiel der Grazer im Ali-Sami-Yen-Stadion mit einem Remis. Die von Coach Franco Foda hervorragend eingestellte Elf liebäugelt nach dem 1:1, bei dem Daniel Beichler nach Zuspiel von Jakob Jantscher zum dritten Mal in der heurigen Europacupsaison ein "goldenes" Tor erzielte, nun mit weiteren Überraschungen in der Europa League.

Pauschallob

Foda hatte vor der Partie angekündigt mit einer gut organisierten Spielweise, einer gesicherten Defensivleistung, aber auch dem nötigen Mut für Aktionen nach vorne, zumindest einen Punkt holen zu können. Und seine Mannschaft setzte die Vorgaben des 43-jährigen Deutschen sehr gut in die Tat um. "Wir haben verdient Unentschieden gespielt, was sehr schön ist. Ich bin stolz auf die Mannschaft, die 90 Minuten toll gespielt hat", sprach Foda seiner Truppe ein Pauschallob aus.

Vor allem vor der Pause war die taktische Ordnung des österreichischen Tabellendritten hervorragend, die zum Teil etwas überheblich wirkenden Gastgeber kamen kaum zur Geltung und erhöhten ihre Schlagzahl erst nach dem Seitenwechsel. "Nach dem 1:1 war es ein offener Schlagabtausch, beide Mannschaften hatten großartige Tormöglichkeiten", analysierte der Sturm-Coach. Dem vergebenen Sieg, der in der Schlussphase genauso allerdings wie eine Niederlage möglich gewesen wäre, trauerte man im Lager der "Blackies" nicht nach. "Wir können jetzt nicht unverschämt sein", sagte Beichler, der seine Mannschaft in der Nachspielzeit der ersten Hälfte in Führung geschossen hatte.

Tadellose Ersatzkräfte

Besonders hoch einzuschätzen ist die Leistung der Grazer, da mit Mittelfeldspieler Andreas Hölzl und Innenverteidiger Ferdinand Feldhofer zwei Mannschaftsstützen kurz vor der Partie jeweils wegen einer Knöchelverletzung neben den langzeitverletzten Kienzl, Haas und Lamotte passen mussten. Der im Vorjahr noch in der Ersten Liga bei Gratkorn kickende Martin Ehrenreich rechts in der Viererkette und Nachwuchs-Teamspieler Haris Bukva im Mittelfeld machten ihre Sache aber ganz gut. "In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass einige Spieler zuletzt angeschlagen waren. Haris hat das erste Mal wieder von Anfang an gespielt, Martin hat vor drei Monaten noch in der ADEG-Liga gespielt, aber trotzdem haben alle bis am Schluss alles gegeben", war Foda zufrieden.

Für den Chefcoach der Grazer ist der Punkt auch höher einzuschätzen als jener am 7. November 2000, mit dem sich Sturm als Gruppensieger den Aufstieg in die damalige Zwischenrunde der Champions League gesichert und einen Meilenstein im österreichischen Fußball gesetzt hatte. "Ich glaube, dass es höher zu bewerten ist als damals, denn damals hatten wir eine erfahrene, routinierte Mannschaft. Diesmal haben die jungen Spieler in dieser Höhle ein Zeichen gesetzt", sagte ein stolzer Foda.

Den einzigen groben Schnitzer leisteten sich die Steirer in der 63. Minute. Zuerst verlor Weber den Ball im Mittelfeld, dann kam Goalie Gratzei nicht aus dem Tor und Milan Baros, der die Partie im Alleingang hätte entscheiden können, sorgte für den schlussendlich leistungsgerechten Ausgleich für den türkischen Rekordmeister. "Es war zuerst ein Foulspiel in der Mitte, dann war es beim Zuspiel auf Baros ziemlich knapp ob abseits oder nicht, dann hat er den Ball mit viel Können unter die Latte geschossen", schilderte der ÖFB-Teamgoalie den Gegentreffer aus seiner Sicht.

Ärger über verlorene Punkte gegen Dinamo

Während die Schwarz-Weißen mit dem Unentschieden im Ali-Sami-Yen-Stadion, in dem nach der Eröffnung der neuen, mehr als doppelt so großen Türk-Telekom-Arena im nächsten Jahr keine Spiele mehr ausgetragen werden, gut leben konnten, ärgern die verlorenen Punkte zum Auftakt gegen Dinamo Bukarest vor eigenem Publikum (0:1) nach wie vor. "Im internationalen Fußball wirst du für jeden Fehler sofort bestraft, das ist bitter", meinte Jantscher.

Die Grazer liegen nach dem 1:0-Auswärtssieg von Panathinaikos im Parallelspiel nach der zweiten Runde in der Gruppe F mit einem Punkt hinter Galatasaray (4), Panathinaikos und Bukarest (je 3) am Tabellenende, doch das soll nur eine Momentaufnahme sein. "Galatasaray wird, denke ich, sicher den ersten Platz belegen, dahinter ist alles offen", hofft Foda auf ein offenes Rennen. "Wir müssen international in jedem Spiel an die Grenzen gehen, dann ist alles möglich. Aber wichtiger ist trotzdem die Meisterschaft", blickte der Coach bereits in Richtung Steirer-Derby zu Hause gegen den KSV am Sonntag. "Es ist noch nichts entschieden, wir dürfen nicht auf die anderen Spiele, sondern müssen auf uns selbst schauen", fügte Gratzei hinzu.

Auf europäischer Ebene geht es nach der länderspielbedingten Meisterschaftspause für Samir Muratovic und Co. am 22. Oktober mit dem schweren Auswärtsspiel in Athen weiter. Nach der tollen Vorstellung in Istanbul sehen die Spieler dem Auftritt im Olympiastadion gelassen entgegen. "Die Gruppe ist sehr offen, wenn wir in Athen drei Punkte machen, wird es sehr interessant", sagte Daumendrücker Mario Haas, der in Athen vielleicht schon sein Comeback geben könnte. Das Mitzittern war für den Sturm-Routinier keine einfache Sache. "Es ist schwer, zuschauen zu müssen. Die Mannschaft hat gekämpft, gerackert, sich Chancen herausgearbeitet. Es war eine super Leistung, wir haben uns den Punkt verdient", sagte der Stürmer. (APA)

  • Herzen mit Daniel Beichler (re)
    foto: epa/tolga bozoglu

    Herzen mit Daniel Beichler (re)

Share if you care.