derStandard.at-Interview

"Auf Privates sollte man weitgehend verzichten"

12. Oktober 2009, 17:05
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    foto: klaus eck

    PR-Blogger Klaus Eck

Ist der Ruf erst runiert, muss man sich beim Googeln genieren: PR-Blogger Klaus Eck erklärt, wie man einen gelungenen Auftritt im Internet hinlegt

Wer mit wem wie lange eine "Romanze" unterhält, wie viel Promille es Samstagabend wurden (inklusive scharf gestochener Fotos von erweiterten Pupillen und roten Nasen) und detaillierte Abhandlungen über die Inkompetenz des Chefs. Diese Freizügigkeit in Sachen Privatsphäre, wie es oft auf Social Networks passiert, kann jedoch schaden - der 'Datenmüll' bleibt im Netz hängen. PR-Blogger Klaus Eck spricht schon von der "Karrierefalle Internet". Mit derStandard.at spricht er über die grundlegenden Spielregeln, um nicht negativ aufzufallen und der Errichtung eines digitalen Schutzwalls.

derStandard.at: Immer mehr Internetnutzern scheint es egal zu sein, welche Daten sie auf Social Networks freigeben. Sie sprechen in einem Buch schon von der "Karrierefalle Internet".

Klaus Eck: Immer noch scheint vielen Menschen nicht bewusst zu sein, dass sie sich automatisch in der Öffentlichkeit bewegen, sobald sie im Internet etwas veröffentlichen. Das gilt sogar, wenn es sich um ein vermeintlich privates Profil in einem Social Network handelt. Daher gelten im Internet im Grunde dieselben Verhaltensregeln, die auch ansonsten gelten, sobald wir uns irgendwo öffentlich bewegen.

Selbstverständlich hat die Art und Weise wie wir uns online präsentieren einen Einfluss auf unser Berufsleben. Jeder dritte Personalverantwortliche googelt inzwischen relevante Bewerber. Der erste Eindruck, den Bewerber online hinterlassen, entscheidet heute mit über die Karriere des Einzelnen. Wer mit einer Schimpftirade über seinen alten Arbeitgeber oder auf Hunderten von Partyfotos im Vollrausch gefunden wird, schneidet natürlich schlechter ab, als derjenige, der mit fachlich interessanten Blogartikeln und gut gepflegten Onlineprofilen auffällt. Durch eine gezielte Pflege der eigenen Online-Reputation stützt man seine Karriere.

derStandard.at: Ist es schon gängige Praxis, dass Arbeitgeber Onlinerecherche betreiben?

Eck: Das gehört inzwischen für gute Personalverantwortliche einfach dazu. Es gibt eine aktuelle Studie des Netzwerkes Xing, nach der bereits 70.000 HR-Manager das Social Network zu beruflichen Zwecken nutzen. 39 Prozent davon suchen sogar aktiv nach möglichen Kandidaten, während der Rest dort zumindest Jobs ausschreibt und Bewerber prüft.

Diverse andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass, je nach Studie, zwischen 25 und 60 Prozent der Personaler neue Bewerber einem generellen Online-Check unterziehen. Vermutlich liegt die Wahrheit aktuell um die 40 Prozent, wobei es zunehmend normaler wird, einen Bewerbernamen kurz zu googlen und sich dessen Profile auf Facebook, Xing & Co. anzusehen.

derStandard.at: Verweigern scheint nicht unbedingt zu helfen, da auch andere Leute über uns schreiben oder Fotos online stellen. Wie kann man die eigene Präsenz im Internet noch steuern?

Eck: Wer selbst genug gute Inhalte erstellt, errichtet in der Regel einen effektiven digitalen Schutzwall auf, an dem Dritte nicht so leicht vorbeikommen. Mehr als die ersten 10 bis 30 Suchergebnisse werden selten angeschaut. Daher können unliebsame Inhalte recht gut nach hinten - und damit in die Irrelevanz - verdrängt werden.

Besonders gut gelingt dies mit gut verlinkten und aktuellen Inhalten, da Google und Co. diese in besonders positiv bewerten. Das bedeutet zum Beispiel ein Blog zu eröffnen und aktiv zu betreiben. Zudem werden öffentliche Online-Profile auf Seiten wie Xing, myOnID oder Twitter sehr gut von Google gefunden und können daher ebenfalls helfen, die eigene Reputation zu steuern. Wichtig ist, dass Sie alle Inhalte, von denen Sie wollen, dass sie gefunden werden, auf vielen Ihrer Online-Präsenzen einbinden. Dazu sollten Sie etwa auf Facebook das eigene Blog und das Xing-Profil verlinken usw. Ein letzter, etwas technischer, Tipp: Vor einiger Zeit wurde im HTML-Code das Attribut rel="me" eingeführt, das sie einem Link hinzufügen können, um Suchmaschinen zu sagen, dass es sich beim Ziel um einen ihrer eigenen Inhalte handelt. So können Suchmaschinen bei einer Namenssuche eigene Inhalte bevorzugt anzeigen.

derStandard.at: Wie sieht eine gelungene Selbstdarstellung im Internet aus? Welche Punkte sollte man da unbedingt beachten?

Eck: Ähnlich wie bei einer Bewerbung, sollten Sie auch im Netz ein gutes Foto wählen. Dabei muss es natürlich nicht so förmlich zugehen, wie bei der Bewerbung, aber zu leichte Bekleidung oder zweideutige Posen sind ein absolutes No-go. Weiterhin sollten die Daten in Ihren Profilen - zumindest in den wichtigsten fünf - stets aktuell und vollständig sein. Für alle Inhalte, von denen Sie nicht wollen, dass Ihr Vorgesetzter oder ein Arbeitgeber darauf stößt, nutzen Sie die Privatsphäreeinstellungen, die die meisten Social Networks bieten. Oder veröffentlichen Sie derlei Content von vornherein gar nicht. Soweit die Basics, um nicht negativ aufzufallen.

Wer dann auch noch positiv aus der Masse herausragen will, der sollte selbst dazu übergehen, gute und interessante Inhalte zu erstellen, also zum Beispiel ein Blog, Twitter-Account oder einen Youtube-Videokanal zum eigenen Fachgebiet gründen. Wichtig ist allerdings bei alledem, nicht zu dick und zu selbstreferentiell aufzutragen. Mit heißer Luft überzeugen Sie niemanden. Stattdessen kommt es auf Ihre Softskills genauso an wie auch auf Ihre persönliche Kompetenzen. Auf wirklich Privates sollte man beim Online Reputation Management weitgehend verzichten. (jus, derStandard.at, Oktober 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
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Carlos Clementin
00
20.10.2009, 09:31

Ich habe einen namenszwilling, der im FB ein Bier vorm gesicht hält, der andere ist Ironmankandidat. Beide sind aber nicht zu so erkennen das eine verwechslung auszuschliessen ist.
je nachdem welches Foto ein Personaler zuerst findet ... bin ich Säufer oder Top-Sportler ... und das ohne zutun.

Roman Bichler
 
00
17.10.2009, 21:27
ahhhhhh, wenn ich schon SOCIAL MEDIA EXPERTE HÖRE .... ARRRGGGHHHHHHH

alles wichtigtuer und sonst gar nix.

alles was ich im internet geschrieben, gepostet und hochgeladen bzw. downgeloadet hab, dazu steh ich auch ...

ein personalentscheider der social media content für eine bewerbung heranzieht ist der dumme... und nicht umgekehrt

denn dann hat er facebook & co einen stellenwert eingeräumt, der absolut nicht entspricht.

fb & Co = bullshit & zeitvertreib ... mehr aber schon nicht.
ALLE die diesen seiten MEHR zusprechen und das sind meist diese social media "experten", sollten mal ins reale leben RAUS gehen und nicht den ganzen tag am pc hocken.

someones
00
14.10.2009, 15:10
social networking und privatsphäre

ich nehme mal an, dass sehr wenige die privacy policy je gelesen haben.

mein tipp: macht das!

auch wenn steht, was alles geschützt wird usw, steht dann doch meistens irgendwo, dass die Daten in die USA zur aufbewahrung geschickt werden.
klar, die server stehen auch in der Regel in der USA.
Ok und wer weiss, wie es mit datenschutzrechten in der USA ausschaut?

zur info:
in den USA gibt es im prinzip keine Datenschutzgesetze - spätestens mit dem 11.sept sind diese quasi nicht mehr vorhanden.
Dass die datenbank (sämtliche user, fotos, nachrichten, klickprofile, ...) verkauft werden kann ist zb NICHT verboten noch ausgeschlossen.

Franz Weger
00
13.10.2009, 23:18
Keiner denkt mehr nach

Nach Myspace ist jetzt auch StudiVZ und Youtube dran. Im Endeffekt werden die Leute in 3-5 Jahren alle zu Reputationsverteidiger.de und andere Services rennen. Oder Sie wundern sich warum Sie nirgends mehr eingestellt werden.

zeamount
01
14.10.2009, 12:05

oder die personalchefs erkennen, dass es eher die regel, denn die ausnahme ist, dass die menschen ein privatleben haben, dass nicht zwangsläufig mit deren verhalten am arbeitsplatz übereinstimmt und dass es im grunde keinen wirklichen einfluss auf die produktivität hat. bzw dass einfach ohnehin die meisten dann auch solch "kompromittierendes" zeug online haben.

Loonquawl
00
13.10.2009, 16:00
Jegliche profile auf social networking platformen...

...nur Freunden zugänglich machen - Problem gelöst

Rautha
00
13.10.2009, 14:04
Online Reputation Management

aaahahahahahahaha

Yes I can!
00
13.10.2009, 12:27
kommt drauf an, welche privaten dinge drin stehen

"wow, bin heit blunzenfett vom saufen gestern" ist halt nicht so toll. es wird da eher drauf geschaut, ob was blödes gemacht wird, was die eigene arbeitsleistung reduzieren könnte. wenn man solche dinge halt für sich behält, dann hat man nichts zu fürchten.

Schlafsackerl
25
13.10.2009, 11:19
Also..

so ein Foto würde ich von mir auch nicht im Netz veröffentlichen, Herr PR Experte :)

nerd__
10
13.10.2009, 13:28

stimt

ComeUpJones
00
13.10.2009, 10:14

für die die zu "privates" veröffentlichen, wird die große karriere sowieso nachrangig sein. alle anderen bestraft das leben.

Name d. Red. bekannt
01
13.10.2009, 09:59

"Mit heißer Luft überzeugen Sie niemanden. "

Animal Spirits
06
13.10.2009, 09:47
Diverse andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass, je nach Studie, zwischen 0 und 100 Prozent der Personaler neue Bewerber einem generellen Online-Check unterziehen.

sylver
02
13.10.2009, 09:22
PR-Blogger Klaus Eck spricht schon von der "Karrierefalle Internet"

aha. und die letzten zehn jahre? publizistik studiert?

Preßspanplatte
01
13.10.2009, 09:12

Man sieht alleine schon bei SchülerVZ und StudiVZ daß die Jungen nicht wirklich wissen was sie tun.

Es ist enorm wichtig Bewußtsein für sensible Informationen zu schaffen. Wir haben ja früher auch gelernt wie man sich fremden gegenüber verhält, was man ihnen erzählt, wie man ihnen gegenüber auftritt. Selbiges gilt für Niedergeschriebenes im Internet. Dessen sind sich viele noch nicht bewußt.

monella laputa
02
13.10.2009, 09:04
also ich habe eher den umgekehrten eindruck

, dass es immer noch zu viele Personalleiter gibt, die das Internetz gar nicht nutzen, bzw. immer noch der Meinung sind "diese Spielerei geht bald vorüber".

one single voice
33
13.10.2009, 03:06

letztens wurde ich schon nachdenklich. da präsentierte uns eine junge vertreterin ihr produkt hochprofessionell und in korrektem business-outfit. während sie das tat, hat jemand von uns auf seinem laptop nach ihr gegoogelt und lustige bikini-fotos gefunden.

sonic
00
14.10.2009, 19:32

na und?
wenn ihre präsentation professionell und gut war, ist das der beste beweis dafür, dass ein "lebendiges" privatleben die leistung im job nicht beeinflusst.

one single voice
01
13.10.2009, 13:19

an die lieben rotstrichler:
bitte meine aussage ist als statement zu verstehen und nicht wertend in irgendeine richtung gemeint.

händeringend geschriebenes posting
01
13.10.2009, 09:00
hoffentlich auf...

...www.wickedweasel.com

Hamad Leomic
00
13.10.2009, 20:08
WW is super

allerdings sind einige der "Kundinnen" Fotos schon starker Tobak... Da hilft nicht mal mehr ein heftig geschnittener Bikini!

Martin Major
 
14
13.10.2009, 08:40

ja und? hat das irgend etwas mit ihrer kompetenz zu tun?

Loonquawl
00
13.10.2009, 15:57
es zeigt mir eines:

die zeit der konservativen anzugträger hat hoffentlich bald ein ein ende, denn es sagt absolut NICHTS über kompetenz aus!

Martin Major
 
01
13.10.2009, 16:00

ich hatte noch nie einen anzug an. ich war der erste maturant an unserer hak, der in pullover und jeans zur matura antrat, zum ball ging (allerdings als klavierspieler), und zur zeugnisverleihung. zu bewerbungsgesprächen gehe ich genauso. mit leuten, die von einem anzug auf die person schließen, arbeite ich schon aus prinzip nicht zusammen.

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