Schiemer: "Jetzt gibt es nur noch ein Ziel"

2. Oktober 2009, 12:42
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Taktik von Stevens ging auf - Janko: "Zum Schluss haben Spanier nicht gewusst, was sie machen sollen" - Spanische Presse kaum beeindruckt

Salzburg - Minutenlange Standing Ovations des ansonsten eher zurückhaltenden Salzburger Publikums zeugten von einem denkwürdigen Fußball-Abend in Wals-Siezenheim. Nach Siegen gegen Lazio Rom und Villarreal dürfen die beim Punktmaximum von sechs Zählern haltenden Mozartstädter nun bereits leise vom Aufstieg ins Achtelfinale der Europa League träumen. Vorausgesetzt, man leistet sich in den anstehenden Duellen mit Schlusslicht Lewski Sofia (22. Oktober/heim, 5. November) keine Ausrutscher. "Das ist ein echter Hammer. Es kann ruhig so weitergehen, wenn man diese zwei Mannschaften schlägt, dann gibt es jetzt nur noch ein Ziel", meinte Franz Schiemer, der seine Aufgabe gegen Europameister Santi Cazorla blendend erledigte, unmissverständlich.

Das von Fans und Medien nicht immer kritiklos beachtete Rezept von Trainer Huub Stevens scheint in der Europa League Früchte zu tragen. Anstatt wie unter Ex-Coach Co Adriaanse den offenen Schlagabtausch zu suchen, standen die Salzburger kompakt in der Defensive und warteten auf ihre Chancen im Konter. Zwar gab es bereits nach wenigen Sekunden bei einer Chance von Rossi eine Schrecksekunde zu überstehen, nach dem 1:0 durch den agilen Janko (21.) lief Stevens' Masterplan aber nach Wunsch.

"Die haben nicht mehr gewusst, was sie machen sollen"

Die in spanischen Medien im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Spanier rannten sich bis zur Erschöpfung in der Salzburger Defensive fest. Somen Tchoyi, der auffälligste Mann auf dem Platz, besorgte schließlich die Entscheidung (84.). "Wir sind vom Trainer taktisch sehr gut eingestellt worden. Zum Schluss haben die Spanier nicht mehr gewusst, was sie machen sollen", meinte Torschütze Janko und Christoph Leitgeb erklärte mit Blick auf die unterschiedlichen Trainer-Philosophien: "Unter Adriaanse haben wir Harakiri gespielt, jetzt sind wir defensiv und taktisch sehr gut eingestellt."

Spaniens Presse zeigte sich vom taktischen Konzept der Hausherren hingegen wenig beeindruckt und hob eher die Formschwäche von Villarreal hervor. "Das österreichische Team setzte auf einen Plan, der nicht besonders gefinkelt war. Sie greifen meist direkt auf ihre physische Stärke zurück und suchen auf direktem Weg Janko, den bronzenen Schuh des Vorjahres", urteilte "El Pais" und "Marca" resümierte: "Salzburg schlug brutal zu und brauste über ein 'submarino' hinweg, das nie etwas mit dem Ball anzufangen wusste."

"Wir haben immer noch Schritte in die richtige Richtung zu machen"

Stevens entsprach auch in der Stunde seines bisher größten Erfolgs mit den Salzburgern seinem Naturell als beinharter Arbeiter. "Wir haben immer noch Schritte in die richtige Richtung zu machen. Deshalb bleibe ich immer am Boden und das werden auch die Spieler", meinte der Niederländer, der zum vierten Mal in Folge der gleichen Startformation vertraut hatte. "Um alle Spieler wirklich gut zu kennen, muss man alles durchmachen, auch den Misserfolg. Jetzt ist alles gut, aber wie wird es sein, wenn schwierige Zeiten kommen. Gerade da zeigt es sich, ob eine Mannschaft funktioniert."

Verbesserungspotenzial ortete Stevens bei all seinen Schützlingen. Der gegen Villarreal überragende Tchoyi könne sich "in allen Belangen noch verbessern", auch Janko sei noch nicht am Zenit seines Könnens. "Er konnte am Anfang nicht das umsetzen, was ich von ihm erwartet habe. Es wird immer besser", meinte Stevens über seinen Torjäger, der seinem Trainer recht gab: "Wir sind eindeutig auf dem Weg nach oben."

Mit dem Heimerfolg gegen den zweiten Gruppenfavoriten lieferte Österreichs Bundesliga-Spitzenreiter jedenfalls den Beweis dafür, dass der auch international registrierte Auftaktsieg gegen Lazio Rom (2:1) keine Eintagsfliege gewesen war. Dass die Römer in Sofia mit einem 4:0 vom Platz gingen, wurde auch in Salzburg positiv registriert. Dass mit einem Erfolg gegen die Bulgaren die Tür zum Achtelfinale bereits weit aufgestoßen wäre, beschäftigte zumindest Janko aber (noch) nicht: "Im Rechnen war ich ganz schlecht. Hätte, wenn und wäre gibt es im Fußball nicht." (APA)

 

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    Die Bullen lassen sich feiern.

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