Kritik an Baubranche nach Schlammlawinen

6. Oktober 2009, 19:35
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Zahl der Toten gestiegen - Berlusconi versprach Obdachlosen neue Wohnungen

Rom - Heftige Kritik an der Baubranche nach den Schlammlawinen auf Sizilien, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen: In Italien werde "überall und ohne Rücksicht auf europäische Standards" gebaut, klagten italienische Umweltschutzverbände. Nach Angaben des Zivilschutzes sind 70 Prozent der italienischen Gemeinden wegen nicht genehmigter Bauten und abgeholzter Wälder von Überschwemmungen bedroht.

Nach den verheerenden Schlammlawinen auf Sizilien ist die Zahl der Toten auf 25 gestiegen. Dies teilte der Chef des italienischen Zivilschutz, Guido Bertolaso, am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit. "Damit liegt die Bilanz des Unglücks voraussichtlich bei 35 Toten", so Bertolaso. Für die zehn Vermissten bestehe "keine Hoffnung mehr, sie lebend zu bergen".

Heftige Regenfälle hatten Bergrutsche ausgelöst. In der Nacht auf Freitag waren mehrere Vororte der Hafenstadt Messina von Schlamm begraben worden. Über die genauen Ursachen der Katastrophe herrscht weiter Unklarheit. Experten machten zunächst "Pfusch und wildes Bauen" verantwortlich. Risiken für die Bewohner des geologisch gefährdeten Gebietes seien den Behörden schon seit Jahren bekanntgewesen, berichten italienische Medien. Die Opfer sollen am Samstag in Messina beerdigt werden.

Mehr als 560 Menschen sind nach der Umweltkatastrophe obdachlos, sie wurden vorläufig in Schulen und Hotels untergebracht. Regierungschef Silvio Berlusconi versprach, dass sie in maximal vier Monaten wieder Wohnungen haben werden. An den zerstörten Orten könne aus Sicherheitsgründen nicht wieder gebaut werden, neue Gebäude sollen in nicht gefährdeten Gebieten errichtet werden.

Berlusconi sagte den Betroffenen zu, sie von Steuern und der Rückzahlung von Krediten zu befreien. Staatschef Giorgio Napolitano forderte einen "ernsthaften Sicherheitsplan" für italienische Häuser, anstatt in Großprojekte zu investieren. (APA)

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    Luftaufnahme des betroffenen Stadtteils.

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