Ministerium brachte "gefährliche" arabische Übersetzung selbst in Umlauf - Informationschef gefeuert
Kopenhagen - Der dänische Verteidigungsminister Sören Gade
wird seiner Amtsbezeichnung derzeit voll gerecht: Er befindet sich
ziemlich in der Defensive. Am Donnerstag musste das Ministerium in
Kopenhagen zugeben, dass jene arabische Übersetzung, die als Argument
für die potenzielle Gefährlichkeit des Buches eines ehemaligen
dänischen Afghanistan-Soldaten gedient hatte, mit Hilfe eines
Übersetzungsautomaten im Ministerium verfasst und von eigenen
Mitarbeitern im Umlauf gebracht wurde.
Der verantwortliche Informationschef des Armeekommandos, Jesper
Britze, wurde gefeuert. Gade und Armeechef Tim Sloth Jörgensen wiesen
dagegen jede Schuld von sich. Der Minister räumte ein, wegen der
Affäre den Rücktritt erwogen zu haben. Die sozialdemokratische
Opposition hatte einen solchen Schritt verlangt, weil ein politischer
Berater Gades in die Verbreitung der selbstfabrizierten Übersetzung
involviert war.
"Jäger - Mit der Elite im Krieg"
Das Buch "Jäger - Mit der Elite im Krieg" des früheren
Afghanistan-Soldaten Thomas Rathsack sorgt in Dänemark seit Wochen
für Schlagzeilen. Die linksliberale Tageszeitung "Politiken" brachte
den Wortlaut des Buches vor Mitte September in einer Sonderbeilage,
nachdem das Verteidigungsministerium versucht hatte, die
Veröffentlichung wegen angeblichen Sicherheitsrisikos per
einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen.
Das Ministerium behauptete, das Buch könne als "Gebrauchsanleitung
für Terroristen" dienen, weil bei der Beschreibung des Soldatenlebens
in Afghanistan auch strategische Routinen erwähnt werden. Ungefähr
gleichzeitig tauchten in anderen Medien Hinweise über eine arabische
Übersetzung des Buches im Internet auf.
Angeblich gefährlich
Dies nahm Gade vor einer Woche als Beweis für das angeblich
gefährliche Potenzial des Buches. Es stellte sich kurz darauf heraus,
dass es bei dem auf einer Pressekonferenz von Gade demonstrativ
präsentierten Übersetzung um einen mit Hilfe eines
Internet-Übersetzungsautomaten erstellten, weitgehend unbrauchbaren
Text handelte; weiters, dass dieser auf einem Armee-Computer erstellt
worden und von dort aus verbreitet worden war. (APA)