Interimspräsident Micheletti beriet sich mit Oberstem Gericht - Lage beruhigt sich
Tegucigalpa - Der honduranische Interimspräsident Roberto Micheletti hat eine Lockerung des am vergangenen Wochenende
verhängten Ausnahmezustandes in Aussicht gestellt. Im Fernsehen sagte
er am Donnerstagabend, die Regierung habe die Meinung des Obersten
Gerichts eingeholt und erwäge, einige Einschränkungen früher als
geplant zurückzunehmen. Die Regierung hatte eine Reihe von
Grundrechten, darunter die Versammlungs- und Pressefreiheit, für 45
Tage ausgesetzt, nachdem der vor drei Monaten gestürzte Präsident
Manuel Zelaya seine Anhänger zur offenen Rebellion aufgerufen hatte.
Brasilien appelliert an Zelaya
Zelaya, der seit fast zwei Wochen in der brasilianischen Botschaft
Zuflucht gefunden hat, wurde am Donnerstag von Abgeordneten aus
Brasilien besucht. Diese hätten ihn unter anderem aufgefordert, die
Bevölkerung nicht mehr zum Aufstand aufzurufen, berichteten
honduranische Zeitungen. Zelaya war am 28. Juni gestürzt und außer
Landes gebracht worden. Am 21. September kehrte er heimlich und zur
Überraschung der neuen Führung nach Honduras zurück, um das
Präsidentenamt zurückzuerobern. Die Übergangsregierung wirft ihm
Verfassungsbruch vor und will ihn vor Gericht stellen.
Unterdessen setzten Widerstandsgruppen auch am Donnerstag ihren
Protest gegen die "Putschregierung" fort. Zu Aktionen kam es an den
Botschaften Brasiliens und der USA sowie bei dem seit dem Wochenende
eingestellten Zelaya-treuen Sender Kanal 36. (APA)