Ermittlungen gegen Ex-Präsident wegen Anschlags auf jüdisches Kulturzentrum im Jahr 1994
Buenos Aires - In Argentinien hat ein
Staatsanwalt die Festnahme von Ex-Präsident Carlos Menem beantragt. Im Zuge der
Ermittlungen zu dem Anschlag auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires
1994 forderte Alberto Nisman am Freitag (Ortszeit) vor einem Berufungsgericht,
den 79-Jährigen in Haft zu nehmen.
Menem, gegen den am Donnerstag Anklage erhoben wurde, genießt als Senator der
Provinz La Rioja allerdings Immunität, die zunächst vom Parlament aufgehoben
werden müsste. Der Staatsanwalt verlangte auch die Festnahme von mehreren
mutmaßlichen Komplizen, darunter Menems Bruder Munir und den früheren
Geheimdienstchef Hugo Anzorregui.
Gegen den früheren argentinischen Präsidenten,
dem auch Korruption und Waffenschmuggel während seiner zehnjährigen
Präsidentschaft vorgeworfen werden, war am Donnerstag wegen Anstiftung zu
mehreren Delikten Anklage erhoben worden, darunter Fälschung von Beweismitteln
und Machtmissbrauch. Menem, der von 1989 bis 1999 an der Spitze des
lateinamerikanischen Staates stand, soll Ermittlungen behindert und Beweise
vernichtet haben. Bei dem Anschlag in Buenos Aires waren 85 Menschen getötet und
300 weitere verletzt worden worden.
Die argentinische Justiz machte ehemalige
politische Führer des Iran, darunter Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani,
und die radikalislamische libanesische Hisbollah-Miliz für den Anschlag
verantwortlich. Argentiniens Ex-Präsident Nestor
Kirchner hatte 2005 zugegeben, dass sein Land Verantwortung für
Unzulänglichkeiten bei den Ermittlungen trage. Für den Anschlag wurde bis heute
niemand zur Verantwortung gezogen. (APA)