Marokkaner wegen geplanter Anschläge in Deutschland und Österreich verurteilt

2. Oktober 2009, 17:49
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Marokkaner droht in Kanada lebenslänglich - Expertenbericht nennt UNO und Euro 2008, aber auch heimische Politiker als Ziele

Montreal - Weil er Terroranschläge in Deutschland und Österreich geplant hat, ist ein gebürtiger Marokkaner am Donnerstag von einem kanadischen Gericht schuldig gesprochen worden. Ihm droht nun eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Der 36-jährige Said N. war im September 2007 verhaftet worden. Er stand in regem Kontakt mit jenem Wiener Islamisten-Paar, dessen Verurteilung wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im August vom Obersten Gerichtshof (OGH) in Wien bestätigt worden war. Das Strafmaß für den in Kanada lebenden N. steht noch nicht fest. Die Beratungen darüber sollen am 13. November beginnen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 2007 im kanadischen Quebec verhaftete Marokkaner Bombenanschläge in Wien und in Deutschland plante. Damit habe er die beiden Länder dazu zwingen wollen, ihre Beteiligung am NATO-Einsatz in Afghanistan zurückzuziehen. Wie konkret die Planungen waren, blieb am Donnerstag offen. Die deutsche Bundeswehr hat rund 3.000 Soldaten in Afghanistan stationiert, Österreich hat vier Verbindungsoffiziere entsandt.

OPEC und UNO im Visier

Laut einem ausführlichen Bericht der US-Terrorexpertin Rita Katz waren die in Wien ansässige OPEC ebenso wie der UNO-Sitz, aber auch deutsche Regierungsvertreter und prominente Politiker beider Länder im Visier des Islamisten, der in Kanada eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis hat. Auch die Fußball-EM im Vorjahr gehörte demnach dazu. Katz gründete das bekannte SITE-Institut in Washington, das im Internet nach Terroristen fahndet und über das im Vorjahr auch ein Ultimatum der Entführer im Fall der österreichischen Sahara-Geiseln an die Bundesregierung bekanntwurde.

In Montreal schloss Staatsanwalt Dominique Dudemaine nicht aus, lebenslänglich für N. zu fordern. Er sagte, die Beweise seien eindeutig. N. habe gesagt, er sei bereit gewesen, im Ausland als Märtyrer zu sterben. Dem Urteil zufolge verbreitete N. auch gewaltverherrlichende islamistische Propagandavideos im Internet und machte sich zudem der terroristischen Verschwörung schuldig. Der Anwalt des Angeklagten, Rene Duval, stellte die vorgelegten Beweise infrage. Sie belegten nicht, dass sein Mandant irgendjemand aktiv zu Terrorakten ermutigte, argumentierte er.

Die kanadische Polizei stellte dutzende Videos und anderes Propagandamaterial auf N.s Computer sicher. Er soll zahlreiche Videos selbst produziert oder weitergeleitet haben, auf denen Anleitungen zum Bombenbau, der Tod westlicher Soldaten oder Selbstmordattentate zu sehen sind. Laut Staatsanwaltschaft war er Mitglied der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF), bei der es sich um ein Propagandawerkzeug des Terrornetzwerks Al-Kaida handle.

Wegen ihrer Mitwirkung am deutschen Ableger der GIMF wurden in Wien Anfang des Jahres Mohamed M. und seine Frau Mona S. zu vier Jahren bzw. 22 Monaten Haft verurteilt. Innenministeriums-Sprecher Rudolf Gollia wollte auf APA-Anfrage das kanadische Urteil am Donnerstag nicht kommentieren. "Freilich wissen wir, dass es da einen Kontakt gegeben hat", meinte Gollia zu dem Verhältnis zwischen dem Marokkaner und dem in Wien verurteilten Islamistenpaar. (APA/AP)

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