Pröll muss aufpassen

1. Oktober 2009, 19:01
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Es kann schnell vorbei sein mit dem Darling-Image, wenn es gilt, einen Sparkurs zu verkünden

Den mitleidvollen Blick, den Vizekanzler Josef Pröll seinem Koalitionspartner und Kanzler Werner Faymann diese Woche in der Pressekonferenz nach dem Ministerrat zugeworfen hat, muss Faymann wie einen Keulenschlag im Genick gespürt haben. Das hat der rote Parteiführer gerade noch gebraucht: neben den Zores mit seiner Partei und den grottenschlechten Umfragen jetzt auch noch die Häme des schwarzen Juniorpartners in der Regierung.

So schnell kann es gehen. Vor einem Jahr hing die ÖVP schlapp in den Seilen, ehe sie Pröll mithilfe der Parteigranden, die sich diszipliniert hinter ihn gestellt hatten, und dank des treuen und handsamen Regierungspartners Werner Faymann wieder aufrichtete. Und jetzt kann er dem SPÖ-Chef das Leben wieder schwermachen. Prölls ÖVP ist nach den jüngsten Wahlsiegen auf Hochtouren. Natürlich ist die Versuchung groß, die SPÖ jetzt an die Wand fahren zu lassen, alle ihre Begehrlichkeiten in alter Manier abzuschmettern und sie als Loser-Partie, die nichts durchbringt, stehenzulassen - in der Hoffnung, dass die Bundesspitze dann von den Landeshauptleuten ausgehebelt wird und Chaos bei den Roten ausbricht. Und dann vielleicht Neuwahlen?

Aber Pröll wird wissen: Das Blatt kann sich rasch wenden. Es kann schnell vorbei sein mit dem Darling-Image, wenn es gilt, einen Sparkurs zu verkünden. Und eine waidwunde SPÖ war noch nie zu unterschätzen. Nicht nur Faymann, auch Pröll muss höllisch aufpassen, dass er die Situation unter Kontrolle und seine Partei bei der Stange hält. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2009)

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