Knausrig im Geschäft, großzügig zur EU

1. Oktober 2009, 18:22
4 Postings

Ryan-Air-Boss Michael O’Leary nimmt Geld für die EU in die Hand

Der 48-jährige Manager und Mitbesitzer der Billigfluglinie Ryanair gehört schon beinahe zur Folklore in Irland. Michael O'Leary ist das Enfant terrible, das einem doch gelegent-lich ein komplizenhaftes Schmunzeln entlockt. Immer direkt, oft unflätig - aber erfolgreich.

Die Befürworter des EU-Reformvertrags von Lissabon, über den heute, Freitag, in Irland abgestimmt wird, müssen schlaflose Nächte gehabt haben, als O'Leary ihr Bundesgenosse in der Kampagne wurde. Doch der Mann, der sich ernsthaft überlegt, Stehplätze in seinen Flugzeugen einzuführen, und dem nachgesagt wird, er wolle sogar für die Eiswürfel in der Cola noch einen Aufpreis verlangen, knauserte diesmal nicht. "Knapp eine halbe Million Euro" habe die Firma in die Lissabon-Kampagne gesteckt, verriet O'Leary diese Woche.

Ryanairs ganzseitige Inserate in irischen Zeitungen attackierten die Referendumsgegner in bewährter O'Leary-Manier frontal: Sie seien allesamt "Verlierer" . Er selbst, gibt O'Leary gern zum Besten, sei eben kein Politiker, sondern Arbeitgeber. "Ich würde in diesem Land ja nicht einmal für den Posten eines Rattenfängers gewählt" , verkündete er wahrheitsgetreu, aber auch kokett.

Einer der wenigen Höhepunkte dieser zähen EU-Kampagne ergab sich im irischen Fernsehkanal RTE. O'Leary im Duell mit Declan Ganley, dem Geschäftsmann, der sich erneut in die gegnerische Kampagne eingemischt hatte. O'Leary, der zum Zeitvertreib Angus-Rinder in seinem Landgut in Mullingar züchtet, wiederholte immer dasselbe: Wer einen irischen EU-Kommissar und irische Steuerhoheit wolle, müsse mit Ja stimmen. Lustvoll attackierte er Ganley, der ein Mandat im Europäischen Parlament verfehlt hatte, als "weiteren gescheiterten Politiker" und verglich ihn unvorteilhaft mit Dana, der einstigen Song-Contest-Siegerin, der es gelungen sei, in jenem Wahlkreis gewählt zu werden.

Ganley vergalt dies mit dem Vorwurf, O'Leary wolle sich in Brüssel bloß einschmeicheln, damit er die einst staatliche irische Fluglinie Aer Lingus doch noch schlucken dürfe. Vollends surreal wurde die Debatte mit der Frage, ob der Vertrag die Rechte von Arbeitnehmern beeinträchtige. O'Leary, der als Leuteschinder und Gewerkschaftsfeind notorisch ist, berief sich scheinheilig auf den irischen Gewerkschaftsbund, um den Vorwurf abzuwehren. Und Ganley, der kaum jemanden beschäftigt, bemerkte bloß etwas angewidert, er beschäftige sich nicht mit diesem Thema. Möglicherweise lernten die Zuschauer dabei, ihre Politiker wieder zu lieben. (Martin Alioth, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2009)

 

Share if you care.