"Sonst gehen alle drei Vorstände unter"

1. Oktober 2009, 17:36
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Hinter verschlossenen Türen wird diskutiert, was nun mit Skylink weiter geschieht

Wien - Heute Freitag um 14 Uhr begann am Flughafen eine Klausur des Aufsichtsrates, die nur ein Thema hat: Wie geht es mit dem Terminal Skylink weiter. Der neue Flughafen-Vorstandsdirektor Ernest Gabmann hat ja vor dem Sommer einen Baustopp verfügt und will mit Neuverhandlungen bei den Professionisten bessere Konditionen herausschinden. Doch glaubt man Insidern, so geht am Airport derzeit gar nichts mehr, weil der Vorstand nicht miteinander könne. Es gibt aber auch andere Stimmen, die meinen, der Dreiervorstand ziehe an einem Strang, weil sie wüssten, wenn noch was schiefgeht, "gehen sie alle drei unter".

Es ist offenbar ein Match der beiden "Roten" Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid gegen den niederösterreichischen Ex-ÖVP-Landesrat Gabmann. Bis dato gibt es noch keinen Beschluss, wie es mit dem kostenseitig massiv aus den Ruder gelaufenen Terminalbau weitergehen soll. Kaufmann und Schmid, so heißt es, kritisieren, dass man ihnen nichts zum Beschließen vorgelegt habe. Gabmann fühlt sich offenbar im Stich gelassen. Uneinig ist man sich auch darüber, zumindest einen Teil der Professionisten (vor allem der Haus- und Elektrotechnik) weiter zu beschäftigen. Wenn das aber nicht geschehe, komme es zu massiven Verzögerungen und zu einer weiteren Kostenexplosion. Schließlich würde kein neuer Auftragnehmer die Haftung für bereits geleistete Arbeiten übernehmen. Das wird nicht von allen so gesehen, denn das Airport-Management glaubt, mit Schadenersatzforderungen die Schuld am Desaster zum Teil abschieben zu können.

Endlich weiterarbeiten

Statt die Gewerke mit Prozessen einzudecken, sollte man besser auf Kontinuität setzen und endlich weiterarbeiten, sagen Experten. Zudem sei es längst fällig, einen General- oder Totalunternehmer zu beauftragen, der genau dieses Koordinierungsrisiko bei den Professionisten abdeckt. Das sei die einzige Chance, den Fertigstellungstermin und die Kosten in den Griff zu bekommen oder zu begrenzen, argumentieren Experten. Wie berichtet wird das Terminal nach derzeitiger Planung mit 830 Mio. Euro doppelt so teuer wie geplant und die Fertigstellung um Jahre verzögert.

Der seit gestern offiziell in Pension befindliche Ex-Vorstand Christian Domany (57) reagierte am Donnerstag auf einen Bericht im Wirtschaftsblatt: Seine Firmenpension von monatlich 7825 Euro bekomme er erst in drei Jahren, wenn er 60 Jahre alt sei. Domany war bis zu seinem Ausscheiden im Februar Hauptverantwortlicher für Skylink im Flughafenvorstand.

Der Vorstand wollte im Frühjahr mittels eines Gutachtens von Waldemar Jud die Organverantwortung im Vorstand klären. Doch mittlerweile hätte Jud die Arbeiten eingestellt. Ob die von der Mitarbeiterstiftung beantragte Sonderprüfung angesichts der kommenden Rechnungshofprüfung dennoch erfolgt, ist noch offen, weil noch Einspruchsfristen von der Hauptversammlung abzuwarten sind.(Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2009)

 

  • Am Flughafen Wien suchen nicht nur die Hunde nach Drogen im Gepäck, sondern auch der Vorstand einen Auswag aus dem Skylink-Debakel.
    foto: standard/urban

    Am Flughafen Wien suchen nicht nur die Hunde nach Drogen im Gepäck, sondern auch der Vorstand einen Auswag aus dem Skylink-Debakel.

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