Naturstoffe gegen Tumorzellen

4. Oktober 2009, 15:39
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Innsbrucker Forschungsprojekt sucht Inhibitoren gegen Zelltod-Hemmer

Innsbruck - Mit Hilfe natürlicher Heilpflanzen und Naturstoffe wollen Wissenschafter der Medizinischen Universität Innsbruck und der Leopold Franzens Universität in Innsbruck dem Krebs den Kampf ansagen und das Potenzial der Naturstoffe in Zukunft für die "personalisierte Krebsmedizin" nutzen. Die Substanzen sollen helfen, Krebszellen bereits gegen niedrige Dosen von Chemotherapeutika empfindlich zu machen, teilte der Verbund "oncotyrol" am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Hintergrund

Tumorzellen wenden nach Angaben der Wissenschafter raffinierte Tricks an, um dem Zelltod durch Chemotherapeutika zu entgehen. Einer davon ist beispielsweise die Produktion des Zelltod-Hemmers "XIAP" in großen Mengen. Viele Tumore weisen diesen Hemmer im Übermaß auf, so dass sie auf Chemotherapeutika weniger empfindlich reagieren. Krebs-Patienten müssen deshalb mit hohen Dosen der belastenden Medikamente behandelt werden. Gesucht werden nun Substanzen, die die erhöhte "XIAP"-Aktivität in Tumorzellen auf ein Normalmaß herunterfahren.

Computermodell

Geforscht wird mit Hilfe einer Daten- und Biobank von 140.000 Naturstoffen - neben pflanzlichen Inhaltstoffen auch Substanzen aus Pilzen, Bakterien und anderen biogenen Quellen - sowie eines speziell dafür entwickelten Computermodells, um passende chemische Inhibitoren für "XIAP" zu finden. Zusätzlich wird ein Testsystem entwickelt, das prüfen wird, ob die im Computer gefundenen Substanzen tatsächlich an "XIAP" binden.

Testsystem

Die Wissenschafter konnten bereits erste Fortschritte melden: Es sei ihnen gelungen, die Bindungsstelle von "XIAP" in löslicher, und somit handhabbarer Form, herzustellen. Diese Bindungsstelle ist eine Hauptkomponente des Testsystems: Die im Computer gefundene Testsubstanz wird auf die "XIAP"-Bindungsstelle gegeben. Auch eine fluoreszenzmarkierte Prüfsubstanz wird hinzugefügt, von der bekannt ist, dass sie an "XIAP" bindet. Ist die Bindungsstelle aber bereits von der Testsubstanz blockiert, kann die fluoreszenzmarkierte Prüfsubstanz nicht mehr andocken – und diese Tatsache lässt sich anhand der Wellenlänge des Fluoreszenzlichts erkennen. Wenn sich die Testsubstanz als "echter" Treffer bewährt, wird an kultivierten Tumorzellen sowie im Tiermodell weitergearbeitet. (APA/red)

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