Warnung vor Bedeutungs­verlust des Dollars

1. Oktober 2009, 16:27
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Ben Bernanke sieht den US-Dollar als Leitwährung langfristig be­droht, die Fed will außerdem nicht alleine die Wächterfunktion schultern

Washington - Der US-Dollar könnte nach Einschätzung von US-Zentralbankchef Ben Bernanke langfristig seine Stellung als weltweite Leitwährung verlieren. "Es gibt keine unmittelbare Bedrohung für den Dollar", sagte er am gestern vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Wenn die USA aber nicht ihr Haushaltsdefizit unter Kontrolle brächten, "gefährdet das den Dollar". Die langfristige Stabilität des Haushalts sei "der kritischste Punkt" in dieser Angelegenheit, hob er hervor.

Staaten wie China und Russland fordern seit längerem, den Dollar als einzige weltweite Leitwährung abzulösen. Sie haben große Teile ihrer Währungsreserven in Dollar angelegt. Damit sind sie von der Haushalts- und Finanzpolitik der USA stark abhängig.

Bernanke plädiert außerdem für schärfere Gesetze zum Schutz der Kunden vor betrügerischen Bankgeschäften. "Der Gesetzgeber soll sicherstellen, dass Konsumenten bei ihren Finanzgeschäften vor unfairen und betrügerischen Praktiken geschützt werden", sagte er gestern. Dies sei einer der entscheidenden Aspekte bei der anstehenden Reform des Finanzsektors nach der schweren Krise.

Nicht alleine Wächter sein

Die Fed schlägt die ihr von Präsident Barack Obama angetragene zentrale Rolle in einem Frühwarnsystem gegen künftige Finanzkrisen aus. Stattdessen will Fed-Präsident Ben Bernanke die Aufgabe auf mehrere Schultern verteilt wissen, wie aus seiner Rede vor dem Kongress hervorgeht, die Reuters am Donnerstag im Voraus vorlag.

Die Aufsicht über systemische Risiken im Finanzsektor dürfe nicht allein bei der Fed angesiedelt wissen, forderte Bernanke darin. Diese Aufgabe solle vielmehr einem breit aufgestellten Gremium aus verschiedenen Aufsichtsbehörden obliegen. Zuletzt hatte sich zunehmender Widerstand im Kongress gegen die Pläne geregt, der Fed die Schlüsselrolle in der System-Aufsicht zu geben.

Kollektive Expertise

Kritiker werfen der Notenbank unter anderem vor, die Immobilienblase am US-Häusermarkt nicht rechtzeitig erkannt zu haben, die allgemein als eine der Auslöser der Finanzkrise gilt. Bernanke räumte in seiner Rede vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses ein, dass das Beobachten und Aufspüren von Risiken im komplexen Zusammenspiel verschiedener Finanzinstitute und Märkte die Möglichkeiten einer einzelnen Aufsichtsbehörde übersteigen könnte: "Stattdessen sollten wir versuchen, die kollektive Expertise und Information aller Finanzaufsichtsbehörden zu bündeln, um die Entwicklungen, die die Stabilität des Systems als Ganzes bedrohen, zu erkennen und darauf zu antworten."

Bernanke äußerte sich damit wesentlich zurückhaltender zur Rolle der Fed in einer künftigen Aufsichtsstruktur als noch bei einem Auftritt vor dem Kongress im Juli. Damals hatte der einflussreichste Notenbanker der Welt eine Wächterfunktion der Fed über das Finanzsystem als natürliche Erweiterung ihres bisherigen Aufgabenfeldes befürwortet. Für politische Beobachter kommt der Schwenk Bernankes angesichts der politischen Widerstände gegen weitreichendere Befugnisse der Notenbank nicht überraschend: "Es hat eine Menge negativer Reaktionen gegeben, insbesondere bei den Republikanern im Repräsentantenhaus. Im Senat hat sich auch der Vorsitzende des Bankenausschusses, Christoper Dodd, kaum hinter den Regierungsvorschlag gestellt", sagte Joe Engelhard von Capital Alpha Partners in Washington.

Zu wenig Transparenz

Kritiker werfen der Fed seit langem vor, sie sei zu wenig transparent und gefährde dadurch das Geld des Steuerzahlers. Besonders scharf wurde die Fed zuletzt für ihre Rolle bei der Rettung mehrerer Finanzinstitute attackiert. Zudem steht Bernanke wegen seiner umstrittenen Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America im Kreuzfeuer. Die jahrelange extrem lockere Geldpolitik von Bernankes Vorgänger Alan Greenspan gilt zudem als einer der Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise. (APA)

 

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    Bernanke äußerte sich wesentlich zurückhaltender zur Rolle der Fed in einer künftigen Aufsichtsstruktur als noch bei einem Auftritt vor dem Kongress im Juli.

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