Gigantische Parade zum 60. Geburtstag der Volksrepublik

1. Oktober 2009, 15:59
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Waffenschau demonstriert Stärke - Präsident Hu im Mao-Look

Peking - Mit militärischem Muskelspiel hat China am Donnerstag den 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik gefeiert. In einem einzigartigen Propagandaspektakel und der bisher umfassendsten Waffenschau präsentierte sich die drittgrößte Wirtschaftsnation auch als selbstbewusste Militärmacht. Höhepunkt der ersten Militärparade seit zehn Jahren waren nuklear bestückbare Interkontinentalraketen, die als "Trumpfkarte" gepriesen wurden. In dem mehr als zweistündigen Umzug in Peking mit 200.000 Teilnehmern wurden zudem die Erfolge von drei Jahrzehnten wirtschaftlicher Reform- und Öffnungspolitik bis hin zum ersten Weltraumspaziergang gezeigt.

Quelle: Youtube

Zur Eröffnung der Feierlichkeiten auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking feuerten Soldaten Schüsse ab und hissten die rote Nationalflagge. Chinas Staats- und Parteichef Präsident Hu Jintao wandte sich im Mao-Look in einer Ansprache an die versammelten ausgewählten Gäste: "Hier war es, wo der Vorsitzende Mao (Zedong) die Gründung der Volksrepublik feierlich verkündete. Heute steht hier, stolz und erhaben, ein sozialistisches China, das die Modernisierung, die Welt und die Zukunft in die Arme schließt." 151 Flugzeuge donnerten über die Hauptstadt, darunter chinesische J-10- und J-11-Kampfjets, ein AWACS-Flugzeug zur Luftraumaufklärung sowie Bomber und Hubschrauber. Erstmals steuerten 15 Pilotinnen die Flugzeuge am Ende.

116 Schritte pro Minute

Im perfekten Gleichschritt und mit genau 116 Schritten pro Minute marschierten 8000 Soldaten durch die chinesische Hauptstadt. Die zur Schau gestellten Panzer und Interkontinentalraketen sollten die militärische Stärke des Landes zeigen. Mit 60 aufwendigen Motto-Wagen wurden die Errungenschaften des Landes, zum Beispiel das Raumfahrtprogramm und die Olympischen Spiele, sowie die einzelnen Provinzen dargestellt. Auch 100.000 Bürger nahmen tanzend und Fahnen schwingend an der zweistündigen Parade teil. Flugzeuge kreisten über Peking und hinterließen bunte Rauchspuren am Himmel.

Als Oberkommandierender nahm Staatschef Hu Jintao die Truppen stehend in einer Limousine des Typs "Rote Fahne" ab. "Genossen, Ihr habt es nicht leicht", rief der Präsident den 8000 Soldaten zu. In einer Rede vom Tian'anmen-Tor versicherte Hu Jintao anschließend, China sei einer "friedlichen Entwicklung" verpflichtet. Als einziges Mitglied der Führung trug der 66-Jährige einen dunkelgrauen, traditionellen Mao-Anzug. Am Tian'anmen-Tor, wo am 1. Oktober 1949 der "große Steuermann" Mao die Republik ausgerufen hatte, versicherte Hu, werde "unerschütterlich" an seiner Reformpolitik festhalten. "Nur der Sozialismus kann China retten und nur Reform und Öffnung können die Entwicklung Chinas, des Sozialismus und Marxismus sicherstellen."

Einheit der Volksgruppen gefordert

China sei auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts der Souveränität und territorialen Integrität sowie der "Nicht-Einmischung" zur Zusammenarbeit mit anderen Ländern bereit, betonte Hu. Vor dem Hintergrund der Unruhen in Tibet und Xinjiang forderte er eine stärkere Einheit der Volksgruppen. Die Feierlichkeiten mündeten am Abend in eine zweistündige farbenfrohe Galashow mit 60.000 ausgesuchten Gä Kritik an den Feiern gab es nur vereinzelt im Internet. So stellte der Blogger Li Huizhi, ein kleiner Geschäftsmann in der Stadt Guangzhou, die Frage, ob die vielen Millionen, die ausgegeben worden seien, nicht besser hätten verwendet werden können. "In China gibt es heute zahllose Orte, an denen das Geld gebraucht wird."

Die Militärparade demonstriere die Entschlossenheit, "die Sicherheit und Interessen der Nation sowie den Weltfrieden zu sichern", teilten die Organisatoren mit. Auch sollte der Patriotismus der Chinesen gefördert werden. 90 Prozent der Waffensysteme seien nie zuvor gezeigt worden. Die Interkontinentalraketen "lösten begeisterte Rufe und Applaus" aus, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Raketen könnten schneller in Stellung gebracht werden, weiter fliegen und besser manövriert werden. Als "scharfe Schwerter" wurden erstmals Marschflugkörper "für Präzisionsschläge" gezeigt. An der Parade nahmen weniger Truppen als vor zehn Jahren teil, doch wurden mehr moderne Waffensysteme als je zuvor gezeigt.

Lob von Putin

Als einer der ersten Gratulanten lobte Russlands Regierungschef Wladimir Putin die Entwicklung seines Nachbarn als Erfolgsgeschichte. China habe "eine feste Position" unter den Weltmächten und genieße "hohe Autorität". Der russische Präsident Dmitri Medwedew gratulierte China und würdigte die Reformen des Landes. Das chinesische Volk habe in den vergangenen Jahrzehnten "bemerkenswerte Ergebnisse in der sozioökonomischen Entwicklung erzielt" und seine Autorität in der Welt gestärkt.

Scharfe Kritik erntete das chinesische Regime hingegen von Menschenrechtsgruppen. Sie prangerten die "tyrannische Herrschaft der Kommunistischen Partei" und "unentschuldbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit" in den 60 Jahren an. "Zig-Millionen Menschen sind durch politische Verfolgung und Machtmissbrauch ums Leben gekommen." "Das Machtspektakel kann tiefe Unsicherheit nicht verbergen", fand "Human Rights in China" (HRiC).

Kritik an den Feiern gab es in China nur vereinzelt im Internet. So stellte der Blogger Li Huizhi, ein kleiner Geschäftsmann in der Stadt Guangzhou, die Frage, ob die vielen Millionen, die ausgegeben worden seien, nicht besser hätten verwendet werden können. "In China gibt es heute zahllose Orte, an denen das Geld gebraucht wird." (APA/Reuters/AP)

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    Präsident Hu rollt unter den Augenh Maos zur Jubiläumsfeier

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