Deutscher Ex-Chefarzt soll mehrere Patienten getötet haben

1. Oktober 2009, 15:46
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Schwere Körperverletzung in über 60 Fällen - 106 Zeugen geladen - Urteil nicht vor März 2010

Mönchengladbach - Im Prozess um einen der größten Klinik-Skandale in der Geschichte der Bundesrepublik ist am Donnerstag die 90-seitige Anklageschrift verlesen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft einem ehemaligen Chefarzt vor dem Landgericht Mönchengladbach den Tod von sieben Patienten und Körperverletzung in mehr als 60 Fällen vor. Neben dem 53-Jährigen sind drei weitere Ärzte und zwei Ärztinnen angeklagt. Die Verteidigung stellte nach Verlesung der Anklage Befangenheitsanträge gegen zwei Schöffen.

Der Beschuldigte hatte die Klinik im niederrheinischen Wegberg Anfang 2006 übernommen und danach laut Anklage sämtliche Abteilungen einem strikten Sparkurs unterworfen. So soll auf seine Anweisung hin bei der Gabe von Blutkonserven und teuren Medikamenten gespart worden sein. Aus Kostengründen habe er zudem statt einer teuren sterilen Lösung wiederholt frisch gepressten Zitronensaft zur Wunddesinfektion genutzt.

Der Mediziner führte laut Oberstaatsanwalt und Staatsanwalt zahlreiche Operationen durch, für die es keine medizinische Begründung gab - etwa unnötige Gallenblasen-, Nieren-, Blinddarm- und Brustfellentfernungen. Bei der Behandlung einiger Patienten soll er sich medizinische Fachkompetenz angemaßt haben, die er nicht hatte. Dadurch sei es zu schwerwiegenden Fehlentscheidungen gekommen. Ihm werden Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen und fahrlässige Tötung in vier Fällen vorgeworfen. Der 53-Jährige ist nach wie vor Geschäftsführer der Klinik.

In der Anklage schilderten die Staatsanwälte unter anderem den Fall eines Patienten, bei dem nach einer Operation im Juli 2006 dringend eine Dialyse-Behandlung notwendig gewesen sei. Diese habe der im Urlaub auf Mallorca weilende Chefarzt jedoch in einer telefonischen Anweisung verweigert, da sie zu teuer sei. Der damals 56-jährige Patient, der bei anderer Behandlung laut Anklage eine "reelle Überlebenschance" gehabt hätte, sei wenig später verstorben.

In einem anderen Fall warfen die Staatsanwälte dem Angeklagten vor, einer 80-jährigen Patientin nach einer "übereilten und zu schweren" Darm-Operation Zitronensaft mitsamt des Fruchtfleisches in die Bauchhöhle gespritzt zu haben. Dies sei "medizinisch in keiner Weise vertretbar" gewesen - der Arzt habe im Krankenblatt stattdessen auch angegeben, Ascorbinsäure benutzt zu haben. Nach einer weiteren Verabreichung von Zitronensaft nach einer neuen Operation habe es einen "explosionsartigen Infektionsanstieg" gegeben - wenige Stunden später starb die Frau.

Die Staatsanwaltschaft hat 106 Zeugen und sechs medizinische Sachverständige benannt, ein Urteil wird nicht vor März nächsten Jahres erwartet. Dem Klinikleiter drohen bis zu 15 Jahre Haft. (APA)

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