Ex-Terroristin Viett vor Gericht

1. Oktober 2009, 15:42
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Wirft Berlin Großmachtpolitik durch Kriegseinsätze der Bundeswehr vor

Berlin - Die frühere RAF-Terroristin Inge Viett muss sich nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei am Rande eines Bundeswehr-Gelöbnisses vor einem Berliner Amtsgericht verantworten. Die 65-Jährige schwieg zu Prozessbeginn am Donnerstag zum Vorwurf der versuchten Gefangenenbefreiung und des Widerstandes gegen Polizeibeamte. In einer politischen Erklärung warf Viett aber der deutschen Regierung Großmachtpolitik durch Kriegseinsätze der Bundeswehr vor. Junge Menschen würden zum Töten in die Welt geschickt, erklärte die Rentnerin.

Am 20. Juli 2008 hatten etwa 200 Menschen gegen das Gelöbnis der Bundeswehr-Rekruten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin demonstriert. Die Staatsanwaltschaft wirft Viett vor, sie habe einen Demonstranten befreien wollen, der wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs festgenommen worden war. Anschließend soll sich Viett mit den Füßen in den Boden gestemmt haben, als Polizisten sie zur Überprüfung der Personalien zu einem Einsatzfahrzeug bringen wollten.

Viett war unter anderem an der Entführung des Berliner CDU- Politikers Peter Lorenz im Jahr 1975 beteiligt. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF) war sie ein Jahr später aus der Haft geflohen. In Paris hatte die Terroristin 1981 einen französischen Polizisten angeschossen, der bis heute gelähmt ist.

Später setzte sich Viett in die DDR ab, wo sie mit einer neuen Identität in Magdeburg lebte und arbeitete. Nach der Wende wurde sie 1990 verhaftet. Wegen versuchter Tötung erhielt Viett 1992 eine Haftstrafe von 13 Jahren. Fünf Jahre später wurde sie auf Bewährung entlassen.

Der Prozess wird am 22. Oktober fortgesetzt. (APA)

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