Wirft Berlin Großmachtpolitik durch Kriegseinsätze der Bundeswehr vor
Berlin - Die frühere RAF-Terroristin Inge Viett muss sich nach
einer Auseinandersetzung mit der Polizei am Rande eines Bundeswehr-Gelöbnisses
vor einem Berliner Amtsgericht verantworten. Die 65-Jährige schwieg zu
Prozessbeginn am Donnerstag zum Vorwurf der versuchten Gefangenenbefreiung und
des Widerstandes gegen Polizeibeamte. In einer politischen Erklärung warf Viett
aber der deutschen Regierung Großmachtpolitik durch Kriegseinsätze der
Bundeswehr vor. Junge Menschen würden zum Töten in die Welt geschickt, erklärte
die Rentnerin.
Am 20. Juli 2008 hatten etwa 200 Menschen gegen das Gelöbnis der
Bundeswehr-Rekruten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin demonstriert. Die
Staatsanwaltschaft wirft Viett vor, sie habe einen Demonstranten befreien
wollen, der wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs festgenommen worden war.
Anschließend soll sich Viett mit den Füßen in den Boden gestemmt haben, als
Polizisten sie zur Überprüfung der Personalien zu einem Einsatzfahrzeug bringen
wollten.
Viett war unter anderem an der Entführung des Berliner CDU- Politikers Peter
Lorenz im Jahr 1975 beteiligt. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Rote Armee
Fraktion (RAF) war sie ein Jahr später aus der Haft geflohen. In Paris hatte die
Terroristin 1981 einen französischen Polizisten angeschossen, der bis heute
gelähmt ist.
Später setzte sich Viett in die DDR ab, wo sie mit einer neuen Identität in
Magdeburg lebte und arbeitete. Nach der Wende wurde sie 1990 verhaftet. Wegen
versuchter Tötung erhielt Viett 1992 eine Haftstrafe von 13 Jahren. Fünf Jahre
später wurde sie auf Bewährung entlassen.
Der Prozess wird am 22. Oktober fortgesetzt. (APA)