Erstmals gilt 40-Prozent-Frauenquote an Unis

1. Oktober 2009, 14:19
18 Postings

"Das Personal ist nicht auswechselbar, sondern muss langfristig aufgebaut werden

Erstmals gilt bei den Senatswahlen 2010 auch die 40-Prozent-Frauenquote für alle Listen der wahlwerbenden Gruppen. Sie stellt laut Helmut Fuchs manche Unis vor Probleme: "Das Personal ist nicht auswechselbar, sondern muss langfristig aufgebaut werden." In vielen Bereichen würden Frauen, insbesondere auf Professorenebene, fehlen. An der Uni Wien sei aber bereits bei der vergangenen Wahl auf der Ebene der Professoren und des Mittelbaus die Quote auf den Wahllisten erfüllt worden. Unter den 18 derzeitigen Senatsmitgliedern sind acht Frauen. "Das ist für eine große Uni auch leichter, weil hier die Auswahl größer ist."

An der Uni Innsbruck sind etwa nur drei Frauen unter den 24 Mitgliedern - eine ist Mitglied der insgesamt 13 Professoren-Vertreter. Doch vor allem auch die Senate der technischen und medizinischen Unis lassen Frauen vermissen: An der TU Wien gibt es drei Frauen unter den 24 Mitgliedern, an der Montan-Uni Leoben eine unter 23 - an beiden Unis umfasst das Professorengremium keine Frau. Einen "Appell an die Nominierenden" zur Einhaltung der Frauenquote auf den Wahllisten wird die Medizin-Uni Graz - derzeit acht Frauen unter den 19 Mitgliedern, davon drei Professorinnen und sieben Professoren - laut Franz Fazekas schon bei der kommenden Wahl ausgeben. Allerdings gebe es bei den Professorinnen grundsätzlich einen "prozentuellen Nachholbedarf". Man tue den Kolleginnen auch "nichts Gutes", so Fazekas, wenn man die wenigen verfügbaren nur in die Gremien hole und ihnen damit u.a. auch Forschungszeit nehme.

Gilt für alle Uni-Gremien

Die Frauenförderung in Form der 40-Prozent-Quote gilt bereits ab 1. Oktober für alle anderen sich neu konstituierenden Uni-Gremien, also die Uni-Räte, Rektorate, Berufungs- u. Habilitations-Kommissionen. Bei den Universitätsräten (Funktionsperiode: 2008-2013) ist die Anzahl der Frauen bereits jetzt relativ hoch: Im Jahr 2008 konnte das "Halbe-Halbe" dadurch erreicht werden, dass die von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) erstellte Liste der von der Regierung zu bestellenden Räte 45 Frauen und 13 Männer enthielt, zusammen mit den von den Senaten bestellten Mitgliedern ergab das sogar eine leichte Überzahl der Frauen (60 zu 56 Männern).

Keine österreichische Uni wird von einer Frau geleitet wird, bei den Vizerektoren fällt die Präsenz von Frauen sehr unterschiedlich aus. An der TU Graz gibt es etwa keine Frau im Rektorat, an der TU Wien eine Vizerektorin und drei Vizerektoren. An der Uni Graz stehen hingegen drei Vizerektorinnen einem Vizerektor gegenüber.

Dem an jeder Uni eingerichteten Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen kommt mit den neuen Bestimmungen auch ein neues Aufgabenprofil zu: Sie überwachen die 40-Prozent-Frauenquote und können Einspruch gegen die Zusammensetzung eines Gremiums erheben, aber auch Ausnahmen von der Quote zulassen. Zur Einführungsveranstaltung über die neuen Kompetenzen hat das Wissenschaftsministerium gestern, Dienstag, in Wien geladen. (APA)

Share if you care.