Inflationsgespenst im Nacken

1. Oktober 2009, 14:00
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Die Krise hat das Vertrauen der Kunden erheblich erschüttert. Nun steigt die Angst, dass die Teuerung das Ersparte auffrisst

Wien - Zwar sind Notenbanker, Bankmanager, Politiker und Wirtschaftsforscher bisher überzeugt, nach der Finanzkrise das Inflationsgespenst im Schrank halten zu können. Bei den Kunden der Banken steigt trotzdem die Angst, dass die Teuerung in den nächsten Jahren ihr Erspartes mindert.

Eine IMAS-Umfrage vor dem heurigen Weltspartag, die Erste Bank und Sparkassen in Auftrag gaben, zeigt, wie sehr die Krise die Risikoscheu der Österreicher hat wachsen lassen und von welchen Ängsten Anleger derzeit gebeutelt werden: 62 Prozent und damit fast zwei Drittel der Befragten geben an, sich vor Geldabwertung und Inflation zu sorgen. In vergleichbaren Umfragen vor Ausbruch der Krise vor drei Jahren waren es 46 Prozent gewesen.

Viermal stärker als 2006 sind heute offenbar die Kopfschmerzen, Geld an der Börse zu verlieren. Immerhin 58 Prozent fürchten Verluste bei Fonds und Aktienkursen, ein signifikanter Anstieg um 42 Prozentpunkte. Jeder Dritte fürchtet, sich das Sparen nicht mehr leisten zu können.

Vertrauen erschüttert

"Die Krise hat das Vertrauen in das Finanzsystem stark erschüttert", sagte Erste-Bank-Chefin Elisabeth Bleyleben-Koren am Donnerstag vor Journalisten. "Hier haben wir harte Aufbauarbeit vor uns".

Die Umfrage belegt, dass die Inflationssorge die größte Sorge der Kunden sei. Bleyleben-Koren glaubt aber an keinen starken Anstieg der Teuerung. In Zukunft werde es zwar "tendenziell" weitere Anlageprodukte mit Inflationsschutz geben, die Erste-Chefin sieht sie aber weiter nicht als den großen Renner. Es werde eher in Kapitalsparbücher gehen. Zum Weltspartag gibt es für Erste/Sparkassenkunden wieder einen Jubiläumsbonus.

Treten Befürchtungen der heimischen Wirtschaftsforscher auf bis zu 400.000 Arbeitslose im neuen Jahr ein, dann wird das wohl dazu führen, dass Menschen ihre Sparguthaben anknabbern müssen, meinte die Erste-Chefin. Dennoch glaubt sie, dass die Spareinlagen 2010 weiter steigen werden, wenn auch auf flacherem Niveau.

Obwohl es derzeit vergleichsweise geringe Zinsen auf Sparbücher gibt, ist das wegen der geringen Inflation mehr als vor einem Jahr. Von "Angstsparen" will Bleyleben-Koren nicht sprechen. Auch wenn der "Notgroschen" als Sparmotiv immer stärkeres Gewicht bekommt. Dass man sich in unsicheren Zeiten mehr auf die Seite lege, sei nur natürlich.

Menschen sparen mehr

Für die jüngste Umfrage zum Sparverhalten der Österreicher hat IMAS im Juli und August 900 Österreicher interviewt. Die Menschen sparen mehr als vor der Krise. Das heißt, die Österreicher warten mit Geld am Sparbuch auf ein Ende der Krise, würden sogar noch mehr sparen, wenn sie könnten. Gaben die Befragten 2006 an, im Monat im Schnitt 132 Euro auf die hohe Kante zu legen, waren es heuer im Sommer 155 Euro. Mit 12 Prozent erreicht demnach die Sparquote heuer ein neues Hoch. 8 von 10 Österreichern haben ein Sparbuch (78 Prozent). Mit 58 Prozent ist der Bausparvertrag die zweitliebste Sparform der Österreicher, gefolgt vom Versicherungssparen (41 Prozent). 17 Prozent gaben auch Fonds als ihr Anlageprodukt an.

Der "Notgroschen", die finanzielle Absicherung, ist für 84 Prozent der Österreicher Spar-Hauptmotiv, ein Anstieg um 8 Prozentpunkte seit 2006. Für Altersvorsorge (früher in Pension, Pflege) legen in Zeiten von Personalabbau und Kostenkürzungen 56 Prozent (plus 12 Prozentpunkte gegenüber 2006) Geld zur Seite. 42 bzw. 36 Prozent sparen auf größere Anschaffungen (Haus, Wohnung und Auto bzw. Renovierungen der eigenen vier Wände), ebenfalls deutlich mehr als vor drei Jahren. Eindeutig weniger angespart wird für Urlaubsreisen. Dieses Sparziel hat in der Krise nur für 22 Prozent (minus 8 Prozentpunkte) Relevanz. (APA)

 

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    Die Menschen sparen mehr als vor der Krise: Die Angst vor der Inflation steigt ebenfalls.

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