Krimi statt Euro-Film: ORF schraubt an Quote

1. Oktober 2009, 13:56
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Gewohnheiten berücksichtigen statt "hin- und herspringen"

Seit wenigen Wochen ist Werner Taibon, der neue, alte Programmplaner des ORF, im Amt und geht schon daran, im ORF-Programm Details zu "optimieren und korrigieren". Wesentlich sei es, die Fernsehgewohnheiten der Zuschauer im Auge zu behalten und das Publikum nicht zu verunsichern, sagt er. Dies sei in der Vergangenheit immer wieder geschehen. Als Beispiel nennt er den Freitagabend, wo sich am Sendeplatz nach der "Zeit im Bild 2" europäische Krimis etabliert und bewährt hätten.

"Das Genre ist dort sehr gut gelaufen", sagt Taibon, "die Zuseher wollen Krimi, Krimi, Krimi sehen. Ja, warum sollen wir dann nicht so weitermachen." Der Sendeplatz in ORF 2 um 22.30 Uhr ist mit dem Label 'euro.film" dem europäischen Kino gewidmet, dort tummelten sich in der Vergangenheit John Malcovich als "Klimt" ebenso wie "Der Untergang", Götz Spielmann ebenso wie Xaver Schwarzenberger. "Es gab herbe Verluste durch zu starke Veränderungen, durch zu sehr Hin- und Herspringen im Genre", so der Programmplaner. Deshalb will er nun den "Freitag mit europäischem Krimi weiterziehen".

"Marktschärfe von ORF 2 ins Lot bringen"

Insgesamt gilt es nach Taibons Ansicht, die "Markenschärfe für ORF 2 ins Lot zu bringen": "Da ist viel hin- und hergesprungen worden, da kennt sich der Zuschauer dann nicht mehr aus". Einen Hupfer vom Freitag zum Montag legt ja am 5. Oktober wieder die "Millionenshow" hin - das bringt dann auch ein stärkeres "Thema" im Anschluss, erwartet sich Taibon einen glatteren "Audience Flow". Und am Freitag-Sendeplatz werde man eben mit Komödien nach Sehern fischen, bis man ein starkes eigenes Format auf die Beine gestellt habe.

ORF 1 wiederum sieht Taibon beispielsweise am Dienstag vom Profil her mit einer österreichischen Prägung versehen - derzeit ist dort in der Prime Time die "Soko Donau" im Einsatz. Ab 10. November steigt um 21.05 Uhr "Das Rennen" mit Promi-Skifahrern, weiterhin gefolgt vom "Bullen von Tölz". Insgesamt ein "komödiantischer Ablauf", der die geneigten Zuseher bei der Stange halten soll.

Die "Millionenshow" am Montag fällt Taibon auch als ein Grund dafür ein, dass ORF 2 im September 2008 doch deutlich bessere Quoten einfuhr als heuer. Außerdem verweist er auf die Nationalratswahl sowie Qualifikationsspiele für die Fußball-WM. Und im langfristigen Vergleich dürfe man eben auch den "Digitalisierungseffekt" nicht übersehen: Die digitale Fernsehwelt liefert immer mehr Menschen immer mehr Sender ins Haus. Schließlich gibt es nur mehr etwa 20.000 Haushalte, in denen ausschließlich ORF empfangen wird, verweist der ORF einmal mehr auf das verschärfte Konkurrenzumfeld. (APA)

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