Debatte über Gebetsräume an Schulen

1. Oktober 2009, 12:12
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Berliner Urteil: Schüler darf in Schule islamisches Gebet verrichten - Kritiker warnen vor Verlust staatlicher Neutralität

Berlin - Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts zu islamischen Gebeten an Schulen hat eine Debatte über die Ausländer-Integration und staatliche Neutralität ausgelöst. Während deutsche Bundespolitiker von Union und FDP die Erlaubnis eines täglichen Gebets außerhalb des Unterrichts begrüßten, übten die CDU und Grünen in Berlin scharfe Kritik. Auch Schwule und Lesben sowie der Zentralrat der Ex-Muslime warnten vor einem Verlust der staatlichen Neutralität. Laut Urteil darf ein 16-jähriger Berliner Schüler außerhalb der Unterrichtszeit einmal täglich in der Schule
ein islamisches Gebet verrichten.

"Recht den Glauben zu bekunden"

Für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag erklärten der bildungspolitische Sprecher Stefan Müller (CSU) und die Religionsbeauftragte Ingrid Fischbach (CDU), die Religionsfreiheit als "Recht des Einzelnen, seinen Glauben zu bekunden", gelte "selbstverständlich auch für Anhänger des Islam". Allerdings sollte es Gebetsräume an öffentlichen Schulen allein für Muslime demnach nicht geben, da diese möglicherweise "desintegrierend" wirken könnten. Gebetsräume, in die sich Schüler aller Religionen in unterrichtsfreien Momenten zurückziehen könnten, seien hingegen sinnvoll. Der Religionsbeauftragte der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, lobte das Gerichtsurteil als "praktisch gelebte Religionsfreiheit".

"Urteil schadet der Integration"

Der Berliner CDU-Integrationspolitiker Kurt Wansner wertete das Urteil vom Dienstag hingegen als "Aufkündigung der Neutralität an den Schulen". Es sei allerdings falsch, "individualistische Wege zu
ermöglichen, die bereits in der Schule zu Separierung führen". Das Urteil schade der Integration mehr als es nütze. Zudem hätten die Berliner Schulen bereits heute ein Raumproblem. Auch der Berliner Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu nannte das Urteil gegenüber dem "Deutschlandradio Kultur" "integrationspolitisch ein falsches Signal" und zudem für die Schulbehörden kaum realisierbar. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg erklärte, staatliche Schulen seien nicht der richtige Platz für die Religionsausübung. (APA/AFP)

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