Callgirl nach Affäre mit Berlusconi zu RAI-Show eingeladen

1. Oktober 2009, 11:25
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Ministerpräsident protestiert: "Eine Schande!"

Der Streit zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und regierungskritischen Medien spitzt sich zu. Für einen Eklat sorgte die Entscheidung des bekannten RAI-Moderators Michele Santoro, das Callgirl Patrizia D'Addario als Gast seiner am Donnerstagabend gesendeten Talkshow "Annozero" einzuladen. D'Addario behauptet, eine bezahlte Nacht mit Berlusconi in seiner römischen Residenz verbracht zu haben. Sie hatte den Skandal um Partys mit Callgirls in Berlusconis Residenzen ins Rollen gebracht.

Berlusconi reagierte wütend: "Es ist eine Schande. Es ist inakzeptabel, dass ein Staatsfernsehen eine Prostituierte einlädt, um den Premierminister zu verleumden", wurde Berlusconi von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag zitiert. Er bezweifle, dass regierungskritische RAI-Shows wie Annozero und Ballaro, die ihn öfters offen attackiert haben, unter den Zuschauern erfolgreich seien. "Ich habe keine Zeit, fern zu sehen. Ich glaube aber nicht, dass sich die Zuschauer für diese Sendungen Interessieren", sagte Berlusconi. Er wünschte den regierungskritischen Moderatoren ein langes Leben: "Sie bringen der Mitte-Rechts-Allianz Wählerstimmen."

Demo für Medienfreiheit

Eine für Samstag in Rom geplante Demonstration für Medienfreiheit in Italien, zu der die Journalistengewerkschaft und einige Oppositionsparteien aufgerufen haben, fürchtet Berlusconi nicht: "Diese Demonstration ist eine absolute Farce und schadet dem Ansehen Italiens."

Der Premierminister ließ sich auch nicht von dem Brief einiger EU-Parlamentarier beeindrucken, in dem vor mangelndem Pluralismus in Italiens Medienlandschaft gewarnt wurde. "In Italien gibt es eine derart große Medienfreiheit, die mit keinem anderen Land verglichen werden kann", betonte Berlusconi.

Die von Berlusconi kontrollierte Tageszeitung "Il Giornale" rief die Zuschauer auf, aus Protest gegen "Annozero" die RAI-Gebühr nicht zu zahlen. Es sei inakzeptabel, dass mit den Gebühren Programme finanziert werden, deren Ziel der Sturz des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten sei. (APA)

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