Senioren ohne Berührungsangst vor Hightech

1. Oktober 2009, 09:30
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Entwicklungsarbeit mit Anwendern sichert Tauglichkeit und Akzeptanz

Wissenschafter halten eine möglichst frühe Einbindung von Senioren in die Entwicklung von Assistenztechnologien zur Steigerung der Lebensqualität im Alter für unverzichtbar. Entgegen einschlägiger Vorurteile, wonach 'Enduser Involvement' nur zeitaufwendig und kostenintensiv sei, vertritt das Ambient Assisted Living (AAL) Forum 2009 in Wien die Auffassung, dass die Bedienbarkeit und Akzeptanz von elektronischen Heimhilfen nur im Zusammenspiel mit dem Endanwender sichergestellt werden kann. Wie Experten für "Assistive Technologies" betonen, ist eine möglichst frühe Involvierung von Betroffenen auch in ökonomischer Hinsicht sinnvoll.

Geheimnis des Erfolges

Am Beispiel der niederländischen Kommunikationsplattform 50plusnet für ältere Menschen wird deutlich, dass über 50jährige nicht von vornherein Berührungsängste gegenüber moderner Technologie hegen. "Die Entwicklungsarbeit mit Testusern aus der Zielgruppe ist das Geheimnis des Erfolges dieser Plattform im Web", sagt Beppie Spruit, Koordinator E-Health vom Nederlands Institute for Health Promotion. 25.000 registrierte Mitglieder sorgen für 4.000 Zugriffe, 8.000 E-Mails und 1.200 Chats pro Woche. Permanent sind einige hundert User online, um sich kennenzulernen, Profile anzulegen und die Vorzüge eines sozialen Netzwerks zu nutzen. Dabei ist durch den Einsatz von ehrenamtlichen Helfern, die sich um die Webseite kümmern, ein jährliches Budget von nur 80.000 Euro für den Betrieb nötig.

Einbindung

Auch das vom Central European Institute of Technology (CEIT) federführend vorangetriebene Projekt Living Lab Schwechat legt großen Wert auf die Einbindung von Endanwendern. "Wir setzen auf einen im IT-Bereich üblichen iterativen Produktentwicklungsprozess. Dabei arbeiten wir von Beginn an mit Fokusgruppen, um die Praxistauglichkeit unserer Prototypen zu diskutieren", berichtet Walter Hlauschek, Managing Director von CEIT RALTEC. Entwicklungen wie etwa 'Interactive Picture' - ein touchscreen-basiertes Video- und Sprachkommunikationstool - werden in einer realen Umgebung im Eigenheim von Pensionisten getestet. Die Forscher haben zu Demozwecken auch ein AAL-Appartement in einem Schwechater Seniorenheim eingerichtet. Dort wird Smart Home Technologie seit Mai 2009 zur Schau gestellt.

Bessere Alternative

"Die Einbindung von Endusern muss nicht immer effektiv sein, stellt aber die bessere Alternative dar, als die Meinung von älteren Anwendern zu spät oder gar nicht zu berücksichtigen", sagt Luc de Witte, Professor Technology in Care von der Zuyd University Heerlen. Im Rahmen des EU-Programms USEM seien bereits Prinzipien zur Stärkung von gesundheitlich eingeschränkten Endusern höheren Alters bei Standardisierungsaktivitäten erarbeitet worden. "Zunächst müssen Testuser ihre Zielgruppe repräsentieren, weshalb wir stets den Kontakt mit Pflegeorganisationen oder Betroffenengruppen suchen. Auch ist nicht einzusehen, warum so eingebundene Senioren für ihre Dienste nicht entlohnt werden sollten", so de Witte. Transparenz und möglichst frühe Involvierung von Testpersonen führen jedenfalls zu einer höheren Akzeptanz und breiteren Anwendung der Technologie. (pte)

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50plusnet

  • Artikelbild
    fotodienst / anna rauchenberger
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