Weltwirtschaft wächst 2010 um 3,1 Prozent

1. Oktober 2009, 17:21
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Die globale Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Der folgende Aufschwung wird schwach ausfallen

Istanbul/Washington - Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) schneller als ursprünglich erwartet die tiefste Rezession seit Jahrzehnten überwinden. In seiner neuen Prognose äußerte sich der Fonds für die überwiegende Zahl der Länder und insbesondere die starken Wirtschaftsnationen großteils erheblich zuversichtlicher als noch zur Mitte des Jahres.

"Die globale Wirtschaft scheint wieder zu wachsen" , hieß es in der IWF-Studie. Die Rezession laufe aus. Allerdings werde der folgende Aufschwung schwach ausfallen und von vielen Risiken begleitet sein.

Für die Weltwirtschaft sagt der IWF inzwischen im laufenden Jahr nur noch eine Schrumpfung ihrer Leistung von 1,1 Prozent voraus. Diese sollte im nächsten Jahr von einem kräftigen Wachstum von 3,1 Prozent abgelöst werden. Diese Zahlen fallen mit 0,3 Prozentpunkten in diesem Jahr und 0,6 Prozentpunkten im nächsten Jahr deutlich positiver aus als noch im Juli.

Die Wirtschaftsleistung der USA, lange die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft, wird um 2,7 Prozent in diesem Jahr einbrechen, im nächsten Jahr aber mit 1,5 Prozent wieder auf Wachstumskurs liegen. In der Eurozone sollte der Einbruch 4,2 Prozent im laufenden Jahr erreichen. Doch auch hier wird 2010 ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent zu verzeichnen sein. Der größte Wachstumsimpuls für die globale Wirtschaft dürfte dem Fonds zufolge im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von 8,5 Prozent und im nächsten Jahr mit einem Plus von neun Prozent erneut aus China kommen, auch die indische Wirtschaft springt wieder an. Der Währungsfonds spricht im Bericht überhaupt von einer "bemerkenswerten" Wende: Die exportorientierten Volkswirtschaften in Asien seien zunächst voll getroffen worden, die Erholung habe aber ebenso rasch eingesetzt. Dafür verantwortlich sei der im Grunde gesunde Bankensektor gewesen, aber auch die umfassende, zum Teil "aggressive" , staatliche Fiskalpolitik, die massiv Geld in die Wirtschaft pumpte.

Risiken bleiben

Trotz der optimistischeren Nachrichten bleiben die Risiken. Es besteht vor allem die Gefahr, dass die private Nachfrage in vielen Industrieländern weiterhin schwach bleibt. Und: In Staaten, die bisher schon besonders hart von der Krise getroffen wurden, bleibt das Wachstum auch 2010 aus. Das trifft vor allem Zentral- und Osteuropa. Die baltischen Staaten schrumpfen im kommenden Jahr ebenso wie Ungarn und Bulgarien. Eine ebenfalls am Donnerstag von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) vorgestellte Analyse sprach hingegen von einem Ende der Talfahrt im Osten. Die für die RZB wichtige Region werde im kommenden Jahr den Anschluss an die Weltwirtschaft wiederfinden.

Der Währungsfonds selbst präsentierte seinen neuesten Ausblick eigentlich im Rahmen seiner Jahrestagung in Istanbul, und genau die war am Donnerstag von schweren Zwischenfällen überschattet. Ein Schuhwerfer hat den IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn attackiert.

Strauss-Kahn hatte am Vormittag in der Bilgi-Universität gesprochen, als der Schuh aus dem Publikum geworfen wurde. Das Geschoß landete vor den Füßen des IWF-Direktors. Vor der Universität kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten, die sich Zutritt verschaffen wollten. Die Polizei nahm 17 Personen fest, darunter zwei Frauen. (szi, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2009)

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