Krise hält PwC fest im Griff

1. Oktober 2009, 08:30
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Der Umsatz des Unternehmens­beraters in Deutschland sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um 7sieben Prozent auf 1,37 Milliarden Euro

Frankfurt - Die Wirtschaftskrise hat den Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater PricewaterhouseCoopers (PwC) in Deutschland fest im Griff. "Das ist das erste Mal, dass es uns so hart getroffen hat", kommentierte Vorstandssprecher Hans Wagener am Mittwoch einen Umsatzrückgang um 7 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro 2008/09. Dabei hatte sich PwC vor einem Jahr noch Zuwächse erhofft. Zuletzt war die Gesamtleistung 2003 um zwei Prozent geschrumpft.

Auch in das neue, am 1. Juli begonnene Geschäftsjahr setzt PwC geringe Hoffnungen: "Wir erwarten noch einen schwierigen Winter, die Erholung wird sich für uns erst 2010/11 auswirken", sagte der Deutschland-Chef. PwC kalkuliere mit stagnierenden Umsätzen. Die Lage der Mandanten vor allem im Mittelstand gebe keinen Anlass zu Zuversicht. "Im PwC-Netzwerk ist der politische Optimismus noch nicht angekommen", sagte Wagener. Der Gewinn, im vergangenen Geschäftsjahr bei 9,6 Millionen Euro, solle aber leicht steigen.

Sparkurs

Die Wirtschaftsprüfer und Berater in Deutschland lieferten sich einen Preiskampf, um ihre Mitarbeiter besser auszulasten. Die Tarife lägen 20 bis 30 Prozent unter dem gewohnten Niveau. "Wir glauben nicht, dass KPMG und Ernst&Young weniger betroffen sind", sagte Wagener. Deshalb werde gespart. Die Neueinstellungen von Hochschulabsolventen hat PwC um fast die Hälfte auf 950 reduziert, 2009/10 sind nur noch 600 geplant. Im Schnitt sind die 9000 PwC-Mitarbeiter in Deutschland 34 Jahre alt, zwei Drittel sind jünger als 30. Wirtschaftsprüfungsfirmen sind für viele Akademiker der Einstieg in die Karriere.

Einbußen spüren die Prüfer, Steuerberater und Berater vor allem, weil das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen lahmt. Der Umsatz mit Wirtschaftsprüfung und prüfungsnaher Beratung ging um fast zehn Prozent zurück. Viele Kunden hätten Projekte auf die lange Bank geschoben. Firmen, die Verluste schrieben, brauchten weniger Beratung zur Steueroptimierung, sagte Wagener. Beratung bei Sanierungen, die um bis zu 80 Prozent zugelegt habe, könne dies nicht ausgleichen.

Von der Politik der neuen Bundesregierung verspricht sich PwC Gewinn. "Auch die letzten fünf Steuervereinfachungen haben bei uns zu Zusatzgeschäft geführt", sagte Wagener. Zudem hoffe er, dass CDU/CSU und FDP weniger Schwellenängste hätten, externe Experten zu Rate zu ziehen. "Bei uns hat das noch nicht Einzug gehalten, dass sich auch ein Beamter professionell beraten lassen darf." Die britische Regierung habe allein 28 Millionen Pfund für ein "Bad-Bank"-Konzept ausgegeben. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war hart kritisiert worden, weil er einen Gesetzesentwurf zur Stabilsiierung angeschlagener Banken von einer Anwaltskanzlei hatte ausarbeiten lassen. (APA/Reuters)

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