Chef der Bank of America nimmt den Hut

1. Oktober 2009, 08:07
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Fast zehn Jahre lang führte Ken Lewis die Bank of America, zuletzt wurde er heftig kritisiert - das Finanzhaus stand im Visier der US-Börsenaufsicht

New York - Der Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, tritt zum Jahreswechsel zurück. Er werde sich auch aus dem Verwaltungsrat zurückziehen, teilte die Bank am Mittwoch nach US- Börsenschluss mit. Ein Nachfolger müsse noch bestimmt werden. Der 62-jährige Lewis hatte die Bank fast ein Jahrzehnt lang geführt. Durch mehrere Übernahmen baute er das Geldhaus zu einem führenden Institut der Branche aus.

Er sehe einen guten Zeitpunkt gekommen, um die Machtübergabe an die nächste Führungs-Generation einzuleiten, wurde Lewis zitiert. Die Bank of America sei inzwischen in der Lage, die Staatshilfen zurückzuzahlen, und die Integration von Merrill Lynch und des Immobilienfinanzierers Countrywide verlaufe planmäßig.

Lewis stand zuletzt stark unter Druck, unter anderem weil der Finanzkonzern im Zuge der Merrill-Lynch-Übernahme mitten in der Finanzkrise ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC und der New Yorker Staatsanwaltschaft geraten ist. Er hatte zuvor bereits angekündigt, in den Ruhestand zu gehen, sobald die Bank die Hilfen in Höhe von 45 Milliarden Dollar zurückgezahlt oder er die Altersgrenze für Führungskräfte des Unternehmens von 65 Jahren erreicht habe.

Vorwürfe

Die SEC ist der Ansicht, dass die Bank of America ihre Aktionäre über die 5,8 Milliarden Dollar schweren Bonuszahlungen für Manager von Merrill Lynch nicht ordnungsgemäß informiert hatte. Im Rahmen eines Vergleichs sollten die Vorwürfe gegen eine Zahlung von 33 Millionen Dollar fallengelassen werden. Vor zwei Wochen wies jedoch der zuständige Richter den Vergleich ab.

Die Bank wehrt sich weiter gegen die Vorwürfe und forderte das Gericht auf, die Klage gegen sie abzuweisen. Auch der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo führt Ermittlungen im Zusammenhang mit der Merrill-Lynch-Übernahme.

Lewis hatte den Deal Mitte September 2008 mit Merrill-Lynch-Chef John Thain eingefädelt und damit auch das Ende der Investmentbank Lehman Brothers besiegelt: Die Bank of America war als wahrscheinlichster Lehman-Retter gehandelt worden. Die damals als Coup gefeierte Merrill-Lynch-Übernahme geriet jedoch schnell zum Desaster. Bei der Investmentbank tat sich zum Jahresende unerwartet ein Riesenverlust von mehr als 20 Milliarden Dollar auf, Thain musste gehen.

Inzwischen arbeitet sich die Bank of America - später als viele andere großen US-Kreditinstitute - wieder aus dem staatlichen Rettungsschirm heraus. Vor wenigen Tagen verließ sie eine Garantievereinbarung, die die Bank vor Verlusten bei Wertpapieren im Volumen von 118 Milliarden US-Dollar schützen sollte. Die Garantieleistungen kosten sie allein 425 Millionen Dollar. (APA/Reuters/AFP)

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    Kenneth Lewis beugt sich dem Druck, den aufgebrachte Aktionäre wegen umstrittener Bonuszahlungen für Manager der Anfang des Jahres übernommenen Investmentbank Merrill Lynch auf ihn ausübten.

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