Polizei zerschlägt "Geisterwald": Drei Österreicher verhaftet
Erstmals konnten in Österreich mutmaßliche Produzenten von kinderpornografischem Material geschnappt werden. Drei Männer sind in Haft. Sie waren Teil eines konspirativen Internet-Netzwerkes - Von Michael Simoner
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Wien - Kein Wunder, dass Harald Gremel, nach seiner persönlichen Meinung gefragt, nichts gegen höhere Strafen für Kinderporno-Produzenten hätte. Der Fahnder des Bundeskriminalamtes (BK) hat gerade erst die Chat-Protokolle der Operation "Geisterwald" gelesen. So nannte sich eine pädophile Internet-Community, deren Mitglieder nicht nur Kinderpornos tauschten, sondern auch selbst produzierten. Erstmals konnten in Österreich drei Männer geschnappt werden, die unmündige Kinder (unter 14 Jahre alt) sexuell missbraucht und davon Bilder und Videos angefertigt haben sollen.
Wiener fiel im Forum auf
In einer weltweit akkordierten Polizeiaktion wurden bisher 136 mutmaßliche Mitglieder des Kinderpornoringes ausgeforscht, 22 davon in den USA, in Kanada, in der Schweiz, in Deutschland, Spanien, Bulgarien und eben in Österreich festgenommen. Federführend war das deutsche Bundeskriminalamt, das die heimischen Kollegen vor allem auf den User "El Niño" aufmerksam gemacht hatte. "Er war gewissermaßen der Star des Forums", schildert Gremel. "Er beschrieb auf abscheuliche Weise den Missbrauch seiner zehnjährigen Stieftochter. Während des Tages kündigte er an, was er am Abend mit dem Mädchen vorhat. Am nächsten Tag stellte er dann die Aufnahmen ins Forum."
Mutter will von Missbrauch nichts mitbekommen haben
"El Niño" ließ wie die meisten anderen User seine IP-Adresse mithilfe eines Anonymisierungsprogramms verschleiern, die BK-Fahnder brauchten drei Tage, um seine Identität zu knacken: Fleischhauer aus Wien, 41 Jahre alt, Vater dreier eigener Kinder, die kleine Stieftochter brachte seine Frau mit in die Ehe. Die Mutter des Kindes will von dem Missbrauch nichts mitbekommen haben. Es sei ihr aber schon komisch vorgekommen, dass ihr Mann häufig im Kinderzimmer übernachtet und von innen versperrt habe.
Verdächtige stellen sich eher als Opfer dar
"Wenn man seine Beiträge im Forum liest, hat man ein Monster vor Augen", so Gremel. In der Realität verhalte sich der Verdächtige wortkarg, stelle sich eher als Opfer, das von anderen Usern angestiftet worden sei, dar.
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Die beiden anderen mutmaßlichen Kinderschänder sind ein 22-jähriger Kärntner, der den zwölfjährigen Sohn eines Freundes missbraucht haben soll, und ein 36-jähriger Vorarlberger, der sich an der achtjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergriffen haben soll. Zwei Steirer sollen regelmäßig am mittlerweile gesperrten Forum "Geisterwald" teilgenommen haben, sie wurden auf freiem Fuß angezeigt.
Die Community ist mit einer Pyramide vergleichbar
Die Verdächtigen seien sehr konspirativ vorgegangen, in der Community hätten sich einige Techniker befunden, die ihr Wissen über Verschlüsselung und Anonymisierung weitergegeben hätten, erklärte Ewald Ebner, der Leiter des BK-Büros für Kapital- und Sittlichkeitsdelikte. "Die Community ist mit einer Pyramide vergleichbar, die breite Basis sind die Konsumenten, die Bilder im Internet betrachten, die kleine Spitze sucht den Kontakt zu den Kindern und ist deshalb auch am gefährlichsten", so Ebner.
Schon Betrachten von Kinderpornos ist strafbar
In Österreich ist seit Juni schon das vorsätzliche Betrachten von Kinderpornos strafbar. Sind die dargestellten Opfer unmündig (unter 14), drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis, bei pornografischer Darstellungen von Minderjährigen beträgt die Höchststrafe ein Jahr Haft. Der sexuelle Missbrauch von Unmündigen wird mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug bestraft. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 1.10. 2009)