Wiener Grüne

Grüne Verstärkung mit Kapitalismuskritik

30. September 2009, 16:09
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    foto: paul sturm

    Klaus Werner-Lobo will für die Grünen in den Gemeinderat: "Es ist falsch zu sagen, wir sind und bleiben eine 15-Prozent-Partei".

Der in NGO- und Umweltszene groß gewordene Autor Klaus Werner-Lobo will als Quereinsteiger Grünen-Gemeinderat werden

Klaus Werner-Lobo wirkt nicht wie ein abgebrühter Politiker. Und das will er auch nicht werden. "Wenn ich merke, dass ich zynisch werde, ziehe ich die Notbremse und höre auf", so der 42-jährige Journalist, Clown und Buchautor ("Schwarzbuch Markenfirmen" und andere). Werner-Lobo will als grüner Gemeinderat für die kommende Wien-Wahl kandidieren, am 15. November stellt er sich der Vorwahl für die grüne Liste. Warum er den Schritt in die Parteipolitik macht? "Ich war immer schon politisch aktiv, nur eben nicht parteipolitisch", erzählt der Mann, der meistens unter dem Etikett „Globalisierungskritiker" angekündigt wird - obwohl im "Kapitalismuskritiker" mehr zusagt.

"Politik ist ein bisschen wie Kindererziehung"

Den Ausschlag für die Kandidatur habe die kommende Wien-Wahl gegeben, erklärt er, die "grauslich werden wird". Er sei oft als Vortragender in Schulen, und "ich merke, dass ich an die Jugendlichen rankommen kann, sie zu Engagement und Respekt bewegen. Mich macht es wahnsinnig, wenn die Jugendlichen zu den Rechten überlaufen".

Sein Rezept dagegen: "Politik ist ein bisschen wie Kindererziehung: Kinder und Erwachsene brauchen Empathie und Grenzen". Ein Politiker, der den Menschen nicht zunächst mit Wohlwollen begegne, habe "seinen Job verfehlt".
Werner-Lobo geht nicht unvorbereitet in das Abenteuer Parteipolitik. "Ich hab mich vor zwei Wochen entschieden, das machen zu wollen - und gleich darauf beschlossen, mit 30 Leuten aus verschiedensten Bereichen der Grünen zu sprechen", erzählt er. Er wollte ausloten, ob seine Kandidatur ankommt. Es wurden dann 40 Gespräche, und sie seien alle "offen, ehrlich, und vor allem sehr großzügig" verlaufen, erzählt er.

Keine "feindliche Übernahme"

Ganz so selbstverständlich ist das nicht. Werner-Lobo war als Grüner Vorwähler aktiv, eine Initiative einiger Blogger, die nicht nur für positives Echo bei den Grünen sorgte. Von "Autobusdemokratie" wurde gemunkelt, einige Grüne fürchteten unlautere Absichten der VorwählerInnen, sogar von der Gefahr einer "feindlichen Übernahme" wurde gesprochen. Bei den Grünen sieht man heute in der Kandidatur Werner-Lobos aber keine konzertierte Aktion der VorwählerInnen. War man überrascht? "Es hätte uns sehr gewundert, wenn keiner von ihnen kandidiert hätte", meint Robert Korbei, Grüner Wiener Landesgeschäftsführer, gegenüber derStandard.at. Über Werner-Lobo findet er kein schlechtes Wort. Ganz ohne Seitenhieb auf die VorwählerInnen geht es aber nicht: "Was mir auffällt: Auf www.ichkandidiere.at ist bisher keine einzige Frage an die KandidatInnen gestellt worden. Da hätte ich mir mehr Engagement von ihnen erwartet".

Für den grünen Stadtrat David Ellensohn ist die Kandidatur Werner-Lobos "das Gegenteil von überraschend. Ich unterstütze ausdrücklich, dass er kandidiert", so Ellensohn. Die Grünen sollen "so offen wie möglich sein - sonst hätten wir ja eine Homepage wie www.ichkandidiere.at nicht gemacht", so Ellensohn.

"Identifikationsfigur für die VorwählerInnen"

Wie erklärt er sich gewisse Vorbehalte in der Vergangenheit? "Natürlich war die Angst da: Wir machen die Tür auf, jeder kann reinkommen - und dann macht sich hier die FPÖ-Bezirksgruppe breit", so Ellensohn. Ob er denkt dass die grünen VorwählerInnen geschlossen für den Kandidaten aus "ihren" Reihen stimmen werden? "Sicher nicht, dazu sind zu viele unterschiedliche Ansichten da". Klaus Werner-Lobo werde aber eine "Identifikationsfigur für die VorwählerInnen sein", ist Ellensohn überzeugt.

Ein "Unbequemer" sei er, aber einer mit viel Herz, charakterisierte ein Wiener Grüner Werner-Lobo. Und das will er sich bewahren, Parteipolitik hin oder her: "Ich weiß, ich kann im Gemeinderat nicht die Welt verändern - aber die Utopie einer gerechteren, solidarischeren, liebevolleren und nachhaltigeren Welt will ich mir trotzdem bewahren". Für die Grünen sieht er ein viel größeres Wählerpotential als das derzeit erreichte. "Ich denke, man soll da durchaus auch mutiger sein und sagen, man will langfristig Mehrheitspartei werden", meint Werner-Lobo. "Es ist falsch zu sagen, wir sind und bleiben eine 15-Prozent-Partei". (Anita Zielina, derStandard.at, 30.9.2009)

Info

Voraussichtlich nächstes Jahr im Herbst wird in Wien der neue Gemeinderat und Landtag gewählt. Am 15. November 2009 können 1800 Wahlberechtigte Grüne die Wahlliste durch ihre Stimmen erstellen. Alle KandidatInnen haben die Möglichkeit, sich auf der Plattform http://ichkandidiere.at/ zu präsentieren. Bis Ende der Frist am 25. Oktober erwarten sich die Grünen bis zu 70 Bewerbungen für die 36 zu vergebenden Listenplätze. Klaus Werner-Lobo ist einer der KandidatInnen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 270
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Ja wenn das so ist - dann Prost!
 
00
6.10.2009, 12:54
Würde mir jemand das Foto dieses Herrn unter die Nase halten und mich fragen,

ob ich errate, für welche Partei er kandidiert...

...würde ich sofort sagen: "Für die Grünen".

rorschach
01
7.10.2009, 16:35
hmmm wenn sie mir ein foto

von einem neonazi in kampfmontur vor die nase halten wüßte ich sogar wen der wählt .....

Franz Rinterli
00
7.10.2009, 21:43

Ein roter Falke bleibt bei den Seinigen.

springflower
11
5.10.2009, 12:57
Es würde mich freuen,

wenn sich bei den Grünen wieder mehr Leute fänden, denen nicht nur um "Ökojobs", sondern auch wieder - wie früher - um Menschenrechte, Frauenrechte, Armutsbekämpfung, Solidarität und Umverteilung ginge!

Citizen
00
8.10.2009, 10:18

Wäre toll, aber ich glaub fast eher dass es ein Problem der Grünen ist überall mitreden zu wollen. Hab diese Kritik leider schon oft von welchen gehört die eigentlich Grün wählen würden, dann aber wegen der Grünen Immigrationspolitik o.ä. doch was anderes angekreuzerlt haben...

Takeshi Kovacs
21
3.10.2009, 08:42

und noch einer mit arbeitslosem einkommen

pater hirni
13
3.10.2009, 07:39
noch ein lobo-bobo neben der becker-popperin.

borake
20
2.10.2009, 08:57
da das wird den schwarzgrünnen aber gar nicht gefallen!

Shrike
03
2.10.2009, 02:03
Endlich wieder einmal jemand mit Ecken und Kanten bei den Grünen

Was ich nicht ganz verstehe ist, dass ihm viele hier im Forum unterstellen ein linker Dogmatiker zu sein. Die haben ihn offenbar noch nie auf einem Vortrag gehört. Was ich von ihm gehört habe war wesentlich pragmatischer und vor allem handfester als das meiste was ich in den letzten Jahren von den Grünen gehört habe. Ja, er polarisiert - aber solche Typen brauchen die Grünen endlich wieder in sichtbarer Position. Denn ein Peter Pilz wird auch nicht jünger und der ist derzeit der einzige Reibebaum der für mich bei den Grünen noch erkennbar ist.

Ich wünsche Lobo jedenfalls viel Glück und eine dicke Haut. Solch engagierte Menchen braucht die Politik.

anonym92
01
1.10.2009, 17:25

Tja, der erste, der durch die Initative Grüne VorwählerInnen ein potentielles Sprungbrett in den Gemeinderat für sich gebastelt hat.

Wella
11
1.10.2009, 18:37
Warum die Unterstellung "für sich"?

Werner-Lobo traue ich seiner Literatur nach durchaus zu, dass er auch für ETWAS, für Andere und sozial Schwächere kämpft.

anonym92
01
2.10.2009, 14:09

Jedenfalls hat er die Grünen Vorwähler von Anfang an unterstützt, meine er wolle selbst kein Mandat anstreben, hat sich in der Community gut vernetzt und jetzt plötzlich will er in den Gemeinderat ... also hat er die VorwählerInnen für sich als Sprungbrett genutzt, ziemlich klug.

adjua
01
5.10.2009, 11:49
und vor allem ziemlich "glaubwürdig"

wer braucht diesen pseudolinken Opportunisten?

pretty1
45
1.10.2009, 15:20
...und wie kommt dieser basislinke Typ zu Vorträgen in Schulen ??? Frau Minister, bitte um Antwort !!

Citizen
00
8.10.2009, 10:22
So ist's richtig, einer der kritisch denkt ist gleich ein Basislinker (bitte um nähere Def. was daran schlecht ist) mit negativer Konnotation...


Warum dürfen erzkonservative, stereotype (etc) wie Sie eigentlich im Standard posten? Herr Standard, bitte um Antwort!

rorschach
01
7.10.2009, 13:37
was kapieren sie nicht mein freund?

das ein vortrag über das Verhältniss 1te Welt zur 3ten Welt in Schulen durchaus sinn macht ... die Relativierung von Wehrmachtsverbrechen oder rassistische Hetze wie sie ein "basisrechter" absondert halt eben nicht ....

Wir sind die Guten!
00
6.10.2009, 16:50
woher soll Frau Verkehrsministerin Bures das wissen?

glauben Sie etwa die kümmert sich darum wie etwa Sie irgendwohin kommen?

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
14
2.10.2009, 11:07
je nach dem, - aber meistens mit dem fahrrad,

manchmal auch mit öffis .....

kopersky
03
1.10.2009, 14:29
Werner-Lobos Kanditatur finde ich gut!

http://ichkandidiere.at/person/ka... rner.lobo/

Mit sehenswerten Videos und Diskussionen!

Ben Vassy
48
1.10.2009, 14:24

... und am Anfang groß erzählen, daß die Unterstützer dieser Vorwählerei ganz sicher nicht aus egoistischen Motiven handelt oder am Ende gar selber Kandidieren werden.

Verlogenes Pack, allesamt.

spoiled ballot
02
2.10.2009, 01:37
zeigt die schwäche der vorwahlinitiative auf

Takeshi Kovacs
10
3.10.2009, 12:52
zeigt auch die charakterschwäche von politikern

und allen, die politiker werden wollen

dölerich hirnfidler
44
1.10.2009, 13:35

"erwachsene brauchen empathie und grenzen". die obmänner der kleingartenvereine werden begeistert sein. bei den grünen ist das letzte fünkchen liberalismus auf dem weg, sich zu vertschüssen. und sie merkens nicht mal.

biathlet
 
01
1.10.2009, 17:40

ich würde sagen sie beschreiben anarchismus, nicht liberalismus (für anarchismus ist die zeit (leider) noch lange nicht reif genug)

bluebeard's 8th wife.
00
1.10.2009, 16:33

ichkann ihnen nicht folgen - und vor allem: was verstehen sie unter liberalismus?

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