Ai Weiwei sagt Frankfurter Buchmesse ab

7. Oktober 2009, 11:57
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Künstler und Regimekritiker nennt "gesundheitliche Gründe" - aber auch Desinteresse an "leeren und sinnlosen politische Debatten"

München / Frankfurt/Main / Wien - Der berühmte chinesische Künstler, Architekt und Regimekritiker Ai Weiwei (52) hat seinen Besuch bei der Frankfurter Buchmesse abgesagt - aus gesundheitlichen Gründen, wie er schreibt. In einer Kurzmitteilung an die "Süddeutsche Zeitung" vom Dienstag teilte er mit: "Nach der Operation (einer Gehirnblutung, Anm.) muss ich mich noch erholen. Die OP-Narben verheilen relativ langsam. Das ist der Hauptgrund. Des weiteren habe ich nicht wirklich Lust auf leere und sinnlose politische Debatten." Ob Ai Weiwei von offizieller chinesischer Seite zu seiner Absage gedrängt wurde, war zunächst unklar.

Ai Weiwei war im August in der Erdbebenprovinz Sichuan von Sicherheitskräften verprügelt worden. Einige Wochen nach dem Vorfall, während eines Besuchs in München zur Vorbereitung einer Ausstellung im Haus der Kunst, wurde ein Blutgerinnsel diagnostiziert und operiert.

 Der Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien widmet   Ai Weiwei 30.000 Euro. Wie der Fonds am Donnerstag  in einer Aussendung bekanntgab, wird der Künstler und Regimekritiker damit für seine erfolgreiche Ausstattung von zwei Zemlinsky-Einaktern ausgezeichnet, die am  Sonntag, den 4. Oktober, in Bremen Premiere feierten. Für "Eine florentinische Tragödie" und "Der Zwerg" gestaltete Ai Weiwei erstmals ein Bühnenbild. Von Kritik und Publikum sei die Inszenierng sehr gut angenommen worden. Der rekonvaleszente Künstler  war bei der Premiere anwesend.

Am Donnerstag nächster Woche sollte Ai Weiwei, der beispielsweise das Olympiastadion in Peking ("Vogelnest") mitentworfen hat, auf der Buchmesse zu Gast sein. China ist in diesem Jahr das Gastland der Messe. Bereits vor deren Eröffnung kam es zu Spannungen darüber, inwieweit Dissidenten und kritische Autoren in das Begleitprogramm miteinbezogen werden. (APA)

 

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    Ai Weiwei

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