Wie europäische und amerikanische Medien über den Krieg berichten

7. April 2003, 11:27
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Schwerpunkte der Medien in den USA, Großbritannien, Mexiko, Türkei, Frankreich, Belgien und Serbien im Überblick

Der Krieg im Irak steht im Mittelpunkt der Berichterstattung europäischer und amerikanischer Medien. Dabei werden die Schwerpunkte durchaus unterschiedlich gesetzt.

USA

  • Die "New York Times" gibt täglich unter dem Stichwort "Nation At War" (Die Nation im Krieg) einen Sonderteil von 16 oder mehr Seiten heraus.
  • Der Nachrichtensender CNN berichtet rund um die Uhr fast ausschließlich über Aspekte des Krieges.
  • Der Fernsehsender ABC kürzt seine Primetime-Programme seit Dienstag um je zweieinhalb Minuten pro Stunde, um das Neueste von der Front zu berichten.
  • Sender wie FoxNews, die besonders begeistert hinter dem Krieg stehen, beginnen ihre Werbepause mit Bildern von Männern und Frauen in Uniform, unterlegt mit Musik. "Euer Mut", "Eure Ehre", "Eure Entschlossenheit" steht jeweils unter einem Bild und als Schlusspunkt: "Wir ziehen den Hut vor Euch". Auch ABC blendet immer wieder Bilder von Soldaten ein mit der Botschaft: "Wir beten um Eure sichere Heimkehr."

Großbritannien

  • Die Zeitungen bringen zahlreiche Sonderseiten, die Nachrichtensender BBC 24 News und Sky News haben kein anderes Thema als den Krieg. Der Grundtenor der Fernsehberichterstattung ist positiv.
  • Die Zeitung "Independent" bemängelt unter anderem den häufig verwendeten Begriff "coalition forces", da die "Koalition" einzig aus den USA, Großbritannien und 2000 Australiern bestehe.
  • Eine heftige Debatte wird darüber geführt, ob die Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung der Nachrichtensender den Krieg trivialisiere. Er werde dadurch zur reinen Fernsehunterhaltung, meinen Kritiker.

Mexiko

  • Die meisten Zeitungen reservieren dem Thema neben der Titelseite mehrere Innenseiten. Der Tenor ist negativ: Die Mexikaner erinnern sich daran, dass das Land 1846 das erste Opfer eines US-Angriffskrieges war.
  • Die Zeitung "Milenio" stellt die Berichterstattung unter den Titel "Der unilaterale Krieg". Besonderes Interesse findet in allen Blättern der in Mexiko geborene US-Soldat Jose Angel Garibay, der in den ersten Kriegstagen fiel.

Türkei

  • Das Medieninteresse am Krieg im Nachbarland ist nach wie vor groß. Die Massenblätter "Hürriyet", "Sabah", "Milliyet", aber auch das Intellektuellen-Blatt "Radikal" füllen immer noch fünf bis sechs Seiten damit. Teils sind die Sonderseiten neutral mit "Irak-Krieg" oder "Krieg im Irak" überschrieben, "Milliyet" bevorzugt "USA schlagen zu".
  • Eine ausgesprochen kritische Haltung zum Krieg nimmt das älteste türkische Blatt "Cumhuriyet" ein. Die Schlagzeilen lauten etwa: "Wie ein Gemetzel" (Bombardierung Bagdads) oder "'Intelligente' Raketen treffen Zivilisten".
  • Die TV-Nachrichtenkanäle NTV und CNN-Türk bestreiten tagsüber nahezu ihr gesamtes Programm mit der Irak-Berichterstattung.

Frankreich

  • Das Interesse der Medien ist ungebrochen riesig. Alle Blätter titeln weiterhin mit dem Krieg, auch die Magazine. Am Donnerstag räumten die Pariser Zeitungen dem Krieg zwischen 4 und 16 Seiten ein.
  • Die französischen Fernsehnachrichten, sonst häufig sehr regional, machen fast jede Sendung zu einer Irak-Sondersendung. Sondersendungen gibt es daneben weiterhin.
  • Kein Medium befürwortet den Krieg, sie bemühen sich aber um sachliche Darstellung und rücken das Leiden der Zivilbevölkerung ins Zentrum.

Belgien

  • Die belgische Presse berichtet weiter auf Sonderseiten. Doch auch die Lage in Nigeria und Tschetschenien, der EU-Konvent und die Ermittlungen gegen die frühere EU-Kommissarin Edith Cresson finden breiten Niederschlag, ebenso wie innenpolitische Themen angesichts des näher rückenden Wahltermins am 18. Mai.
  • Der Ton in den Berichten zum Irak ist durchaus US-kritisch: So verglich die Boulevardzeitung "Het Laatste Nieuws" die geschätzten Kriegskosten von 70 Milliarden Euro unter anderem mit den belgischen Verteidigungsausgaben (2,6 Milliarden Euro), dem Budget für das flämische Schulwesen (7,2 Milliarden Euro) und dem Jahresetat von UNICEF (eine Milliarde Euro).

Serbien

  • Alle Medien berichten weiter ausführlich über den Irak-Krieg. Die Titelseiten teilen sich Meldungen über die landesweite Fahndung nach den Djindjic-Mördern und dem Irak-Krieg.
  • Der Grundton der Berichterstattung ist kritisch, mit dem Schwerpunkt auf den zivilen Opfern und Verwüstungen durch die alliierten Bomben. Den Serben ist noch in Erinnerung, wie ihr Land vor vier Jahren wegen der Kosovo-Krise von der NATO heftig bombardiert wurde.
  • Die Zeitungen widmeten am Donnerstag mindestens zwei Seiten dem Krieg, die TV-Sender schalten sich live in die internationalen Netze (Sky, BBC, CNN und andere) ein. Es gibt analytische Sondersendungen, viel wird über die weltweiten Proteste berichtet.

 (APA/dpa)

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    Kein anderes Thema als den Krieg: BBC 24 News

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