Lolas Suppe rennt

27. März 2003, 16:21
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Sie ist heiß, sie ist schnell, sie ist gut. Das weiß man in Städten wie London, Amsterdam oder Helsinki längst und machte die Suppe daher zum urbanen Trend-Food. Wien zieht nun nach

Suppe ist cool, Suppe ist "in", in den Städten, in denen für gewöhnlich die Post abgeht und sich der Trend settet, wird Suppe geschlürft. Nicht mehr in Sandwiches oder Burger gebissen, nicht mehr der Unterschied zwischen Focaccia und Ciabatta debattiert, nein, Glasnudeln werden inhaliert und Hühnerstückchen gekaut, Dampf weggepustet und Zungen verbrannt.

Hierzulande hielt man sich mit derlei Moden einstweilen noch nicht besonders lange auf. Diverse Designer-Asiaten, wie zum Beispiel das "Kiang Noodles" oder das "Chang" in Wien, versuchten zwar in den letzten Jahren die japanischen Erfolgssuppen "Ramen" und "Udon" zu etablieren. Aber dass man ihnen deshalb die Türen eingerannt hätte, kann man auch nicht unbedingt sagen. Suppe ist in der heimischen Gastronomie nach wie vor in erster Linie dazu da, Leberknödeln und Grießnockerln zu beherbergen, ab und zu wird mal der Spargel püriert oder der Kürbis gemixt, aber das war's dann auch schon.

Dass Martina Walli da jetzt den missionarischen Eifer besäße, diese Ignoranz ihrer Landsleute aufzubrechen, bestreitet die Chefin des "Schwarzen Kameels" in der Wiener City. Sie stellte nur einfach fest, erzählt sie, dass eigentlich alle ihre Freunde die Suppe zwar äußerst schätzen, sich aber andererseits nie die Arbeit antun würden, das frische Gemüse, das glückliche Huhn oder den frischen Fisch in heiße Flüssigkeit zu verwandeln. Noch dazu für nur zwei. Außerdem erzählte ihr eine Freundin aus London, dass dort nach Teatime gerade kein Hahn mehr krähe und stattdessen alle schwer auf Suppe seien.

Also machte sie sich auf die Suche nach einem Behältnis, in das Suppe trendgemäß sowie einer urbanen, hippen Kundschaft entsprechend einzufüllen sei, und fand den isolierten Papp-Becher mit dem speziellen Doppeldeckel: Der Dampf, erklärt Küchenchef Harald Riedl, kann so durch die Löcher entweichen und kondensiert nicht am Deckel, was zu einer unschönen Verwässerung führen würde. Ein paar Monate wurde getüftelt, seit voriger Woche wird neben Brötchen und Beinschinken auch "Soup to go" über die Theke des Schwarzen Kameel verkauft.

Wobei man es bei den Rezepturen einstweilen noch vorsichtig gibt, diverse Gemüsecremesuppen (Kürbis, Fenchel) oder die klassische Bouillon kann man auch im Teller bekommen. "Wir haben aber auch einen thailändischen Koch, und der macht mir hin und wieder so eine asiatische Hühnersuppe, weil ich die so mag", verrät Martina Walli. Was angesichts des neuen Geh-Suppenprogramms nicht ganz ohne Folgen bleiben konnte und man neben den Klassikern auch die Hühnersuppe, Glasnudel- oder Lemongrass-Suppe in den Becher bekommen kann, "der Fantasie sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt".

Und auch was man mit der Suppe im Becher dann anstellt, zu Hause bei Kerzenschein ins Porzellan gießen oder am Parkbankerl im Burggarten schlürfen, ist dann Auslegungssache.

von Florian Holzer
Soup to go, um öS 80 / EURO 5,81 im Schwarzen Kameel, Bognerg. 5, 1010 Wien, Tel: 01 / 533 89 67
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    www.suppeninstitut.de
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    www.uuhome.at
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