Wifo-Bilanz

Ungelöste Strukturpro­bleme trotz Steuerreform

30. September 2009, 12:07

Das Wirtschaftsforschungsinstitut will eine "energische" Entlastung der Arbeitseinkommen und dafür höhere Steuern auf Energie, Alkohol, Tabak und Vermögen

Wien - Eine kritische Bilanz über die Steuerreform 2009 hat das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Mittwoch gezogen. Zwar hat die 3,2 Mrd. Euro schwere Entlastung "einen wesentlichen Beitrag zur Krisenbekämpfung" geleistet und die Belastung der Lohnsteuerzahler durch die Inflation ("kalte Progression") ausgeglichen, urteilt Wifo-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller. Gleichzeitig kritisiert sie jedoch, dass die Reform an den grundsätzlichen Problemen des österreichischen Steuersystems - vor allem an der hohen Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialversicherung - wenig ändert.

Schwerpunkt der Steuerreform ist eine Senkung der Lohn- und Einkommenssteuer um 2,3 Mrd. Euro. Diese Summe reicht laut Schratzenstaller zwar aus, um die "kalte Progression" auszugleichen (also die inflationsbedingt steigende Steuerlast der Arbeitnehmer). An der grundsätzlichen Schieflage des Steuersystems hat sie aber nichts geändert: Nach wie vor sind Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge im internationalen Vergleich hoch, Umwelt-, Verbrauchs- und Vermögenssteuern aber niedrig. "Das ist das größte Strukturproblem, das wir im österreichischen Abgabensystem haben", so Schratzenstaller.

Energische Abgabensenkung

Schratzenstaller würde sich daher eine "energische" Senkung der Abgaben auf Arbeit (die "wachstums- und beschäftigungsschädlichsten Abgabenkategorien") wünschen. Finanziert werden könnte das durch Einsparungen ("Verwaltungsreform") sowie durch höhere Abgaben auf sogenannte "public bads" (gesellschaftlich schädliches Verhalten), was etwa Energie, Tabak und Alkohol treffen würde. Außerdem plädiert die Wifo-Budgetexpertin für eine Stärkung der vermögensbezogenen Steuern - also neben höheren Grundsteuereinnahmen auch für eine Vermögenszuwachssteuer und für die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer.

Auf ein konkretes Volumen der Senkung bei Lohnsteuer und Sozialversicherung will sich Schratzenstaller nicht festlegen: "Das hängt schlicht und einfach davon ab, wie viel man sch vornimmt und wie viel man gegenfinanzieren kann." Das Wifo hatte schon im Vorjahr eine Lohnsteuersenkung um bis zu 5,7 Mrd. Euro vorgeschlagen - also mehr als das Doppelte der von der Regierung durchgeführten Senkung. Handlungsbedarf sieht Schratzenstaller insbesondere bei einer Senkung der Sozialbeiträge für niedrige Einkommen.

Den Konjunktureffekt der auf 2009 vorgezogenen Steuerreform beurteilt Schratzenstaller allerdings positiv. "Die Steuerreform leistet einen wesentlichen Beitrag zur Krisenbekämpfung", so die Wifo-Budgetexpertin. Für das Jahr 2010 erwartet das Wifo eine Stärkung des Wirtschaftswachstums um 0,6 Prozentpunkte und eine Stärkung der Beschäftigung um 10.900 Arbeitsplätze. Die ebenfalls beschlossene Entlastung der Familien - etwa die Absetzbarkeit der Kinderbetreuung - trage zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei. (APA)

schafmeister
00
1.10.2009, 07:37
Hochsteuer

Österreich ist ein unternehmerfreuundliches und arbeitnehmerfeindliches Hochsteuerland.

santiago nasar
00
30.9.2009, 20:59
wenn das so weiter geht,

droht uns noch ein strukturbruch.

Kapitalismus Luege
00
30.9.2009, 19:36
Bla bla bla bla bla bla

bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla

und Du blechst eh wieder alles.

Tan S. Taafl
00
30.9.2009, 15:22
Ökonomisch spricht sehr viel für Vermögens-

statt Einkommensteuern, nur sind die Politiker zu feige um die wirklich inelastischen Bemessungsgrundlagen (Grund & Boden) zu besteuern. Und die public bads (ein Begriff der ohnehin schon auf ein halb-totalitätes Politikverständnis hindeutet) sind schon ziemlich hoch besteuert. Noch mehr Besteuerung wird nur zu Hinterziehung und zumindenst bei den elastischen Gütern u Konsumrückgang führen.

Black Adder
00
30.9.2009, 16:15

Das stimmt so nicht ganz, Benzinverbrauch oder Alkohol/Zigaretten sind unelastische Güter und werden auch bei steigendem Preis weiter nachgefragt.
Und wenn ich mir die Autolawinen vor meinem Fenster so ansehe, muss ich sagen, dass die Mineralölsteuer offenbar viel zu niedrig ist.

Im Grundsatz finde ich den WIFO-Ansatz sehr interessant, allerdings dürften sie recht haben, dass Politiker zu feige sind für Reformen. Dann müssten sie ihrer Klientel etwas wegnehmen.

rompitasche
00
30.9.2009, 14:39
.. erwartet .. eine Stärkung der Beschäftigung ..

da der Arbeitsmarkt der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung immer hinterherhinkt, wird's damit wohl nix werden - diese Verzögerung hat letzten Winter genützt, nächstes Jahr wird sie halt schaden

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