derStandard.at-Interview

"Web 2.0 erfordert radikales Umdenken"

Rebecca Sandbichler, 7. Oktober 2009, 17:00
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    Thomas Pleil

Die unbegrenzten Möglichkeiten des Social Web sind für Unternehmen eine große Chance und eine hohe Herausforderung zugleich. Online-PR-Experte Thomas Pleil über Authentizität, Krisenmanagement und Agenda Setting im Web 2.0

Social Media krempelt nicht nur die Politik und die Medienindustrie vollkommen um - besonders die Bereiche Werbung und Public Relations müssen sich auf die neuen Methoden der Online-Kommunikation einstellen: "PR-Leute hören es nicht gerne, wenn man ihnen sagt, dass sie mit ihren Pressemitteilungen nicht mehr weiter kommen", sagt Thomas Pleil. Im derStandard.at-Interview sprach der Online-PR-Experte über Sinn und Unsinn von Unternehmensauftritten im Web 2.0, wie man mit kleinen und großen Krisen im Internet umzugehen hat, warum sorgfältiges Monitoring unabdingbar ist und welche Tools sich für die interne Kommunikation am besten eignen.

derStandard.at: Wie ernst nehmen PR-Experten inzwischen Social Media?

Thomas Pleil: Die Relevanz von Social Media wird zum Teil noch recht unterschiedlich wahrgenommen. Ich denke, die meisten PR-Leute wissen inzwischen, dass die neuen Möglichkeiten der Online-Kommunikation für ihre Arbeit bedeutsam sein können. Doch nicht alle, die das erkannt haben, können dann in ihrem Unternehmen auch wirklich danach handeln.

derStandard.at: Warum nicht?

Thomas Pleil: Da gibt es mehrere Gründe: Bisher gab es eine Tradition der "one-voice-policy". Es wurde auf ein möglichst einheitliches Bild nach außen gesetzt - mit klaren, abgesprochenen Botschaften für größtmögliche Wiedererkennung. Doch Web 2.0 funktioniert anders; das rührt an den Grundfesten und fordert ein radikales Umdenken. Das Wissen um die Möglichkeiten ist oft zu gering, Vorurteile und die Angst vor Kontrollverlust meist viel größer - und die Sorge, im Social Web nicht akzeptiert zu werden.

derStandard.at: Aber kommt man als Unternehmen denn überhaupt noch an einem eigenen Blog und Profilen in sozialen Netzwerken vorbei?

Thomas Pleil: Wie bei jeder PR-Maßnahme muss man genau überlegen, wen man damit erreichen will. Daher muss sich ein Unternehmen vorher fragen: "Wer sind meine Stakeholder? Wie kommunizieren die, wo informieren sie sich?" Und dann erst: "Wie erreiche ich sie?"

derStandard.at: Das heißt, Twitter und YouTube sind nicht zwingend Pflicht?

Thomas Pleil: Pflicht ist, diese zu verstehen und Pflicht ist auch, die Relevanz der Kommunikation dort für das einzelne Unternehmen einzuschätzen und zuzuhören. Ein aktiver Einsatz muss - wie jede PR-Maßnahme - strategisch sinnvoll sein. Plötzlich alle Kanäle zu nutzen, nur um auch dabei zu sein, ist keine gute Idee. Nehmen wir mal ein sehr plakatives Beispiel: Sie sind Automobilzulieferer, der Achswellen produziert. Die wenigen Einkäufer arbeiten mit ihrem Unternehmen seit Jahren zusammen und den Endverbraucher interessiert es kaum, woher die Achswelle von seinem Auto kommt. Ein Unternehmensblog oder Twitter-Profil für die externe Kommunikation ist da vermutlich nicht nötig.

derStandard.at: Hat man sich nun aber entschieden, sich ins Social Web begeben: Wie geht man das am besten an?

Thomas Pleil: Man sollte unbedingt das Geschehen eine Weile beobachten - und nicht ohne Plan hineinstolpern. Es gibt kein Erfolgsrezept, doch an einige Grundregeln kann man sich halten: Es braucht ein inhaltliches Konzept, das für die anzusprechende Zielgruppe interessant ist, denn plumpe Werbung langweilt die User. Man kann zum Beispiel Geschichten mit einem gewissen persönlichen Touch erzählen. Die meisten erfolgreichen Unternehmensblogs behandeln eher periphere und weiche Themen, die für eine klassische Pressemitteilung nicht geeignet wären. Da kann erst mal wenig "kaputtgehen".

derStandard.at: Erst vor ein paar Wochen hat sich der Sportartikelhersteller Jako mit Klagen gegen einen Blogger die Finger verbrannt. Wie sieht perfektes Online-Krisenmanagement aus?

Thomas Pleil: In diesem Fall wurde eines wieder einmal ganz deutlich: Wie verheerend der sogenannte Streisand-Effekt sein kann - wenn man im Internet etwas mit Gewalt unterbinden will, zieht es erst recht alle Aufmerksamkeit auf sich. Dieser bis dahin relativ unbekannte Blogger hatte vielleicht 300 Leser. Die negative Wirkung seiner abschätzigen Bemerkungen über Jakos neues Logo wäre eigentlich vernachlässigbar gewesen. Doch, als Jako mit Anwälten anrückte, ging ein Aufschrei durch das Social Web - der Fall kam so auch in die traditionellen Medien.

Ich würde daher raten, in so einem Fall erst mal gut durchzuatmen und sich ein Bild von der Lage zu machen. Man muss die möglichen Auswirkungen genau abwägen. Und dann - wenn überhaupt - Kommunikationsleute Kontakt aufnehmen lassen, nicht gleich die Rechtsabteilung.

derStandard.at: Manchmal sind es die eigenen Mitarbeiter, die mit unüberlegten Äußerungen im Internet einen Image-Schaden anrichten. Braucht es eine Social-Media-Anleitung für die Angestellten?

Thomas Pleil: Vorbeugend kann eine Verhaltens-Anleitung oder sogar eine Schulung der Mitarbeiter natürlich nicht schaden. Der Idealfall wäre, dass es eine Social-Media-Strategie gibt, mit der sich die Angestellten des Unternehmens identifizieren und aktiv daran teilhaben können. Einige Unternehmen gehen diesen Weg, andere tun das Gegenteil: So wird zum Beispiel oft der Zugang zu sozialen Netzwerken gesperrt, besonders in Behörden. Das löst allerdings das Problem nicht - und verschenkt nebenbei eine Menge Potenzial.

derStandard.at: Ein Grund für Unternehmen, sich mit Social Media zu beschäftigen, ist der Wunsch, Themen selbst zu setzen. Wie funktioniert Agenda Setting?

Thomas Pleil: Was generell nicht funktioniert: Wenn ein Unternehmen ein Thema in der Öffentlichkeit sehen will und das Management zu den Kommunikationsleuten sagt: "Macht da mal was." Nur, wer sich über längere Zeit eine gute Online-Reputation aufgebaut hat, kann wirklich Themen setzen. Dabei sollten alle Kommunikationskanäle ineinander greifen. Die Unternehmenswebsite ist der Ankerpunkt, für Agenda Setting sind zusätzliche Kampagnenseiten sehr sinnvoll.

derStandard.at: Woran bemisst das Unternehmen, dass die Strategie aufgeht?

Thomas Pleil: Es ist schwierig, das in Zahlen auszudrücken. Wer sorgfältiges Monitoring betreibt, weiß aber: "Was wird über uns geschrieben? Wird überhaupt über uns gesprochen?" Das dann in Konkurrenz zu traditionellen Werbemaßnahmen zu setzen, ist aber, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. 3000 Follower auf Twitter - das klingt nicht nach besonders viel. Doch um wie viel wertvoller ist es, wenn Menschen dem Unternehmen von sich aus interessiert folgen? Das ist schwer messbar. Einfach messbar ist jedoch zum Beispiel, wenn Social-Media-Aktivitäten den Traffic auf einer Website deutich erhöhen.

derStandard.at: Wenn es um Neue Medien und Online-PR geht, wird meist an externe Kommunikation gedacht. Welche Tools würden Sie besonders für die interne Kommunikation empfehlen?

Thomas Pleil: Für effizientes Wissensmanagement und Projektzusammenarbeit eignet sich ein Intranet auf Wiki-Basis. Auch ein Projektblog, bei dem alle Teilnehmer auf dem neuesten Stand bleiben, kann sinnvoll sein - besonders, wenn international und in verschiedenen Zeitzonen gearbeitet wird. Für allgemeines Monitoring und die Weiterbildung der Mitarbeiter in bestimmten Fachgebieten sind Social-Bookmarking und Presse- oder Themenfeeds sehr nützlich.

derStandard.at: Wie sehen sie die Zukunft der Online-PR? Eine Goldgrube für Ihre Studenten?

Thomas Pleil: Generell ist die Bedeutung der Online-PR in den letzten Jahren stark angestiegen, die Jobchancen sind gut. Das wird mit der aktuellen Entwicklung auf diesem Feld vermutlich so bleiben; vor allem, weil die traditionellen Methoden oft "ohne Online" kaum auskommen. Wir haben es mit fragmentierten Zielgruppen zu tun - die reine Massenöffentlichkeit gibt es nicht mehr.

Hinzu kommt: Die Menschen sind immer abgehärteter gegen klassische Werbung, die Bedeutung der PR insgesamt nimmt auch deshalb zu. Durch die neuen Kommunikationskanäle ist die Arbeit ungleich facettenreicher geworden. Das macht sie allerdings nicht einfacher. (Rebecca Sandbichler/derStandard.at, 30.09.2009)

Zur Person:

Dr. Thomas Pleil beschäftigt sich seit mehr als sieben Jahren praktisch und wissenschaftlich mit dem Thema Online-PR. Er ist Leiter des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, wo er maßgeblich den vertieften Schwerpunkt PR- und Öffentlichkeitsarbeit gestaltet und betreut.

Links:

Das Weblog "Textdepot" zum Thema (Online-) PR von Thomas Pleil

Das Blog "PR-Fundsachen"  in dem Online-Journalismus-Studenten der Hochschule Darmstadt Neuigkeiten aus der Welt der Online-PR analysieren und kommentieren

Website des Studiengangs Online-Journalismus mit der Vertiefung PR- und Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
mr.nice.
00
12.10.2009, 23:54
Please stop IT.

Ich kann dieses Wort nicht mehr hören, geschweige denn lesen "Web 2.0". Ehrlich, mein Magen krampft sich zusammen und ich bin dem Brechreiz nahe, wenn ich dieses Unwort of the Universe lese.

Die Marketingleute träumen von großen Umsätzen durch Technologien die so neu gar nicht sind und reden geschwollen daher von einer Revolution, sagen aber nicht, dass Youtube, Facebook, Twitter, etc. kaum Gewinne abwerfen. Gut, für Trendforschung und Analyse sind hits, clicks und hot keywords nützlich, aber es bleibt eine trübe Suppe mit schalem Geschmack.

Diese pseudo-sozialen Netzwerke haben einen hohen Abnutzungsfaktor, "bloggen" kann man seit Urzeiten mit BTX und IRC, kurze Videos und Bilder verschicke ich an Freunde seit Mitte der 90er.

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
04
7.10.2009, 22:37
sos. achswellen also.

da rollts nem maschinenbauer die zehennägel auf.

hoffentlich versteht der typ von pr mehr.

Das Wort
00
8.10.2009, 07:35
Sind das Wellen von Angsschweiß unter den Achseln?

Oder meinen Sie Achsen?

m3k
01
7.10.2009, 18:30
naja..

unbegrenzte möglichkeiten des social web, wenn das schon höre.
ich finde es sehr positiv, dass die menschen immer abgehärteter gegen klassische werbung werden.
und ich werde mich auch gegen irgendwelche versuche von konzernen auf twitter, facebook und co abhärten.
generell stellt sich die frage, wie weit markting überhaupt zulässig sein sollte, gerade in "privaten" plattformen wie es facebook und twitter ja eigentlich ursprünglich sind. (sind sie das?)

Vochomurka
82
7.10.2009, 19:24
Interessant

Ihr Kommentar ist ein Lehrbuchbeispiel eines "late adopters" - ueber den neuen Trend motschkern, sich dagegen "wappnen", sogar mit dem Gesetz zu fuchteln ("soll denn das sein duerfen?"). Irgendwann, in 5-10 Jahren, wenn Facebook und Twitter so selbstverstaendlich sind wie das Telefon, werden Sie still und heimlich auch mitmachen, zwar immer noch skeptisch, aber doch dabei. Genauso wie vor zehn Jahren die Handyverweigerer (geh wozu brauch i denn den Bledsinn?")

Eigentlich faszinierend: Der Standard hat einen Technologieteil der sich wirklich sehen lassen kann, obwohl seine Leserschaft in dieser Hinsicht durchaus als fortschrittsfeindlich betrachtet werden kann. Kommentare wie Ihre sind im Forum zuhauf zu finden.

Dust von Dust
00
9.10.2009, 02:01

du vergisst die leute die bedeutend mehr ahnung haben und sich web 1.0, ok ich bin grosszügig web 1.1 eben nicht als web 2.0 verkaufen lassen. daran erkennt man unter anderem die ahnungslosen nachplapperer wenn sie von web 2.0 reden.

facebook und twitter verwendet der nachläufer der keinen plan hat. der hirte und die schäfchen, das vieh wird bewirtschaftet und zahlt die deppensteuer.

insbesondere technofreaks wollen den fortschritt und sind eben genau deshalb nicht bereit sich für blöd verkaufen zu lassen.

noch fragen?

Vochomurka
00
9.10.2009, 10:14
Bitte erklaer mir die Welt.

Was verwendet denn der wahre Hirte, der echte Technofreak, der sich nicht fuer dumm verkaufen laesst, wenn er ein social networking tool verwenden will?

Und was ist denn das wahre web 2.0?

Dust von Dust
00
9.10.2009, 13:38

er verwendet eben keines dieser zentralisierten sogenannten social networking tools sondern dezentrale tools wie mailinglisten, im, foren, irc usw.

wie organisierst du dann deine sozialen beziehungen wenn facebook morgen pleite ist und zusperrt oder seine nutzungsbedingungen auf inakzeptable weise verändert?

web 2 ist grid, semantik, agenten und das ganze auf offenen standards und open source. also kein browser und zentrale server sondern eigene applikationen am client die dezentral vernetzt sind.

"Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit."
Marie von Ebner-Eschenbach

Vochomurka
10
9.10.2009, 14:55
aha

Na aber einen wesentlichen Aspekt von Web 2.0 bleiben Sie uns aber schuldig - der user als content creator (youtube, blogs, comments, foren) Womit sich der Kreis zu Facebook und Twitter wieder schliesst.

Wenn Facebook zusperrt, hoffe ich doch schwer, dass sie ihren Usern Datenportabilitaet ermoeglichen. Aber Sie haben schon recht, dass ich mich nicht exklusiv auf Facebook verlasse - meine Kontakte habe ich in Google Mail contacts und exportiere sie regelmaessig. Was machen Sie wenn eines ihrer mailingforen oder ihr IM provider zusperrt?

"client-applikationen, die dezentral vernetzt sind." Haben Sie bemerkt, dass seit gut 2-3 Jahren cloud computing auf dem Vormarsch ist und Software as a Service waechst? Auf welchem planeten leben Sie?

Beiddenker
01
16.10.2009, 13:20
Seien Sie mir nicht böse, aber "Software als Service" wünschen ...

... sich hauptsächlich die Unternehmen, um stetig Kohle von den Anwender zu holen.

Und ich habe meine Mail-Contacts natürlich hauptsächlich lokal, wo ich sie auch sichern kann und bei bedarf in jedes andere System wieder einspeisen kann. Ganz ohne irgendwelche Trittbrettfahrer-Unternehmen, die für so etwas noch extra Kohle wollen.

Vochomurka
10
16.10.2009, 13:45
kein Ersatz

SaaS ist ein Ersatz fuer desktop-basierte applikationen und kosten meistens einen Bruchteil, sie holen also stetig WENIGER Kohle von den Anwendern. Think Google Docs vs Microsoft Office, Salesforce.com vs SAP.

Lokale Kontakte: Wunderbar, mach ich auch. Aber wie erfahren sie, dass jemand in ihrem erweiterten Bekanntenkreis nach einem Webdesigner sucht und sie kennen einen guten? Wie erfahren Sie scheinbar irrelevante informationen von jemand entferntem, der nach Timbuktu faehrt, Sie waren dort vor einem Jahr und empfehlen ihm ein tolles Restaurant.

Ich plaediere ja nicht dafuer, lokales komplett zu ERSETZEN. Ich sage nur, dass tools wie FB und TW ungemein praktische ZUSAETZLICHE tools sind, die das Leben bereichern.

Beiddenker
11
17.10.2009, 16:38
Hmm, also in meinem Bekanntenkreis wird noch ...

... "altmodisch" telefoniert bzw. per Mail geschrieben, wenn mal jemand einen Job braucht bzw. etwas anbietet.

Und ich erfahre 100 Prozent, wenn einer meiner Bekannten nach Timbuktu fährt.

Aber ich befürchte, Sie meinen mit "Bekannten", irgendwelche Leute aus dem Internet, die eigentlich einem nicht bekannt sind. Die sind mir ehrlich gesagt wurscht.

Vochomurka
11
17.10.2009, 17:24
Dann sehen Sie ihren Bekanntenkreis zu eng

Der besondere Vorteil von Facebook etc. ist der Erhalt von Kontakten zu "weak links" (ich empfehle die Lektuere von Malcolm Gladwell's "Tipping Point"), also Menschen, die wir nur ganz peripher kennen, aber im Prinzip schaetzen, nur halt keine Zeit haben, mit ihnen in regelmaessigem Kontakt zu bleiben. Der Zirkel enger Freunde, bei denen Sie zu 100% wissen, dass sie nach Timbuktu fahren, ist normalerweise so um die 20-30 Personen.
Kleines Beispiel: Jemand, von dem Sie zwei Jahre lang nichts gehoert haben, schreibt auf Facebook "kennt jemand eine wirklich gute Reinigungskraft?". Sie wissen, dass die ihre nach zusaetzlichen Kunden sucht und vermitteln Sie. Riesenvorteil! Er hat niemanden zugespammt, einfach nur ein status update geschrieben

Beiddenker
01
18.10.2009, 02:14
Geh bitte, verkaufen Sie doch jetzt nicht ...

... diese Smalltalk-Tools als Jobvermittlungsmaschinen. Und engeren Kontakt mit 15-20 Personen halten ist für jeden Menschen ausreichend. Mehr Energie und vor allem Ernsthaftigkeit können Sie darüber hinaus eh nicht machen.

Was Sie meinen, sind Pseudo-Kontakte, die zwar im Internet auftauchen, aber im realen Leben keine Bedeutung haben.

Nehmen Sie uns einfach gleich hier als Beispiel.

Vochomurka
11
18.10.2009, 09:35
Von Ernsthaftigkeit habe ich auch nicht besprochen

Aber gerade die Moeglichkeit, mit den "weak links", ohne Hingabe und "Ernstaftigkeit", einfach nur gelegentlichen Kontakt halten zu koennen, kann sehr bereichernd sein. Sich auf seine 15-20 besten Freunde zu konzentrieren, ohne weitere Bekanntenkreise zu ziehen, ist so wie wenn man nur in seinem Dorf lebt und jedes Jahr an derselben Stelle in Lignano urlaub macht. Und ich spreche nicht von Bekanntschaften im Internet. Ich spreche zB von interessanten Leuten, die man auf parties oder konferenzen kennenlernt und danach mit ihnen weiterhin in Kontakt bleiben will. Das nennt sich "networking". Sie erkennen eben nicht die Macht des Networking an, das ist ihr gutes Recht. Wie auch immer, alles Gute - beenden wir dieses Gespraech.

Beiddenker
00
21.10.2009, 11:29
Ich betreibe seit Jahren beruflich erfolgreiches Networking ...

... nutze dazu auch XING. Aber aus meiner bescheidenen Erfahrung ergeben sich tatsächliche Geschäfte nur über die 10-15 engen Kontakte, die man auch immer wieder persönlich trifft.

Das reine Sammeln von Visitkarten auf Konferenzen bzw. Sammeln von Kontakten in den diversesten Twitter-/Facebook/VZ oder wie auch immer die gerade heißen mögen ist IMHO verlorene Zeit.

Dust von Dust
00
16.10.2009, 16:54

dazu müsste man es erst einmal verwenden, das machen zurecht die wenigsten. also ist es nicht brauchbar...

Dust von Dust
00
9.10.2009, 19:54
auf dem planeten derjenigen die sich nicht für blöd verkaufen lassen!

das ist web 1.0 technik, videoportale gab es früher schon und damals brauchte man dieses flash klumpert nicht und hat sie sich einfach mit seinem player angesehen. user content war eigentlich der anfang. erst später ist die industrie aufgesprungen, als sie merkte, dass sie den anschluss verpasst.

ich wechsle zu einem anderen isp. ist kein problem weil ich sowieso alle daten bei mir gespeichert habe und nicht von jemand anderen abhängig bin. das ist ja der vorteil von dezentraler technologie bei der du nicht von einem anbieter abhängig bist. im übrigen sind mailingliste und forum 2 paar schuhe.

cloud ist ein noch grösserer rückschritt, hin zur alten mainframe zeit mit dummen terminals und bedeutet noch mehr abhängigkeit.

Vochomurka
01
11.10.2009, 16:33
ich muss es mit einem wahren Genie zu tun haben, das smarter ist als die gesamte Belegschaft von Google und allen anderen wesentlichen web-firmen, die alle auf den cloud computing-zug aufgesprungen sind.

Weil Sie offenbar den Sinn und Zweck von Social Networks nicht verstanden haben: Ein Forum oder eine Mailingliste koennen Sie zwar zum Managen ihrer Beziehungen verwenden, aber Netzwerken ist das nicht. Netzwerken ist, wenn ich sehe, dass einer meiner entfernten Bekannten einen guten Webdesigner sucht (erfahre ich aus seiner Status-message), ich einen kenne und vermittle. Wie soll das auf ihrem Forum klappen, wo keiner ihrer Freunde hingeht?
Ich baue mir (u.a. damit) einen Experten-Ruf auf, indem ich regelm. ueber meine Themen twittere und meine followers an meinen Gedanken teilhaben lasse.
Sie werden nun sagen, all das brauchen Sie nicht zum Netzwerken und Ruf-Aufbauen. Klar, glaub ich ihnen. Es geht auch ohne. Aber MIT isses einfacher

Dust von Dust
00
14.10.2009, 00:45
wer sollte dir folgen?

nachdem was du hier von dir gibst ist twitter ein gutes tool um leute wie dich zu meiden.

http://www.heise.de/newsticke... 21328.html
Sidekick-Datenverlust wirft Schatten auf die "Cloud"

und von datenschutz, privatsphäre, überwachung usw. haben wir noch nicht einmal angefangen zu reden...

Vochomurka
00
14.10.2009, 10:28
natuerlich - wenn einem die Argumente ausgehen

wird man persoenlich.

Viel Spass in der Mailingliste, ganz tief unten im Kaninchenfell.

Dust von Dust
00
15.10.2009, 13:10
Cloud computing, Vendor Lock-In and the Future

http://blog.runtux.com/2009/08/04/106/
da erspare ich mir die tipperei da es eine gute zusammenfassung ist über die probleme mit den ganzen plattformen wie facebook und twitter und wie eine viel bessere lösung aussehen kann.

wenn du auf der persönlichen ebene beginnst habe ich kein problem dir auf dieser zu antworten...

ulenspygel
04
8.10.2009, 11:06
Die Strassenränder des Fortschritts sind gesäumt von bleichenden Gebeinen

Erinnert sich noch wer an das MUPID und BTX? An den Pager? An Firstclass? An Datendownloads via TV-Austastlücke? An das Platzen der Dot-Com-Blase anno 2000? Es gab zahllose Entwicklungen, die in der Sackgasse mündeten oder abgedreht wurden, weil sie sich nicht rechneten. Und Paradigmenwechsel gibt es alle drei bis vier Jahre.
Wer zu den early adopters gehören will, läuft Gefahr, unnötig viel Geld in den Sand zu setzen. Skeptizismus ist immer angebracht, wenn wieder mal eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird.

Apropos: gibts eigentlich Second Life noch?
];-)

Vochomurka
10
8.10.2009, 13:57
was will ihr Kommentar beweisen?

Natuerlich ist der Weg des Fortschritts gesaeumt von vergeblichen Versuchen. No pain, no gain.

Es gibt verschieden Arten von Menschen: Die, die betonen, dass es zahllose Entwicklungen gab, die in der Sackgasse muendeten. Und die, die jeden neuen Trend gerne ausprobieren, ihn versuchen zu verstehen in eine gesamtgesellschaftliche Perspektive zu setzen. Die Welt braucht beide Typen. Die late adopters verwenden bereits etablierte Technologien zur graduellen Steigerung ihrer Produktivitaet. Die early adopters sind in Summe wohl weniger produktiv, aber dafuer sind sie unerlaesslich dafuer, neuen Trends zum Durchbruch zu verhelfen, die dann massive Produktivitaetsspruenge ermoeglichen.

ulenspygel
01
8.10.2009, 21:52
Im Gegenteil: early adopters sind hochproduktiv - solange sie nicht bankrott gehen bzw. sich das als Hobby leisten können.

Das ist das Problem. Das Internet entwickelte sich auf Basis militärischer Anforderungen. Da stimmte die Kassa. In den Neunzigern kam die Kommerzialisierung. Das Blaue vom Himmel. Bis zum Jahr 2000.
Ansonsten...
1. ausprobieren
2. versuchen zu verstehen
3. gesamtges. Perspektive
ad 1: immer gut, im kleinen Kreis geht da was voran (z.B. Fidonet) - wenn man die Zeit dafür aufbrachte
ad 2: Medial? naja - siehe Neil Postman
Ökonomisch? fragwürdig und risokobehaftet.
ad 3: Da gibt es Institute für Technikfolgenabschätzung, die tun sich auch heute - wo fast jeder, Mobilgurke ans Ohr gepresst durch die Welt taumelnd - noch schwer, die Dinge richtig zu interpretieren.
Und ich mag jetzt nicht altklug Nestroy zitieren...

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