Willensstärke von emotionaler und geistiger Anstrengung abhängig

3. Oktober 2009, 18:08
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Reserven um gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen schrumpfen mit zunehmendem Stress

Hamilton - Zu wie viel Sport man sich abends noch aufraffen kann, hängt in hohem Maß davon ab, wie stark der Arbeitstag Emotionen und Geist forderte. Das behaupten kanadische Wissenschaftler in der Zeitschrift Psychology and Health. Ihnen zufolge besitzt der Mensch bloß ein bestimmtes tägliches Ausmaß von Willensstärke. Werden diese Reserven schon während des Tages verbraucht, schafft man es abends viel schlechter, den Verlockungen der gemütlichen Couch zu widerstehen.

"Unsere Willenskraft ist begrenzt und schrumpft mit Stress. Geistige Herausforderungen und auch emotionelle Aufgaben wie etwa Gefühlskontrolle können die selbstregulierende Fähigkeit, Sport zu betreiben, aufbrauchen", so die Studienautorin Kathleen Martin Ginis von der McMaster University.

Farbtest

Um die These zu überprüfen, entwarfen die Forscher einen Test, der besonders viel Selbstkontrolle erfordert. Freiwillige Versuchspersonen bekamen am Monitor Wörter zu sehen, die bestimmte Farben bezeichneten, gleichzeitig jedoch aus Buchstaben in einer anderen Farbe bestanden. Das Wort "Rot" erschien etwa in blauer Farbe. Die Probanden sollten nun die Druckfarbe der Wörter nennen, ohne auf den Wortinhalt Rücksicht zu nehmen.

Nach der Aufgabe standen Trainingseinheiten am Programm. "Je konzentrierter die Teilnehmer beim Test mitmachten, desto weniger waren sie am Abend dieses Tages zum Sport motivierbar", berichtet Martin Ginis. Die geistige Herausforderung habe die Selbstkontrolle vermindert. Die Mitglieder einer Kontrollgruppe, denen man keine derartigen Aufgaben gestellt hatte, bewegten sich abends viel mehr.

Selbstkontrolle ist trainierbar

Die Ergebnisse sollten jedoch niemanden von der regelmäßigen Bewegung abhalten, geben die Forscher zu bedenken. Denn die Selbstkontrolle sei trainierbar. "Willenskraft ist wie ein Muskel. Sie muss trainiert werden, um sich aufzubauen", so die Forscherin. Wer sich ständig die Herausforderung stelle, einem Stück Schokoladekuchen zu widerstehen oder abends eine zusätzliche halbe Stunde zu studieren, könne dadurch seine Selbstkontrolle erhöhen.

Für den Sport empfiehlt Martin Ginis spezielle Strategien zur Überwindung der Faulheit. "Hilfreich sind etwa Musikhören vor dem Training, fixe Pläne wie das tägliche Spazierengehen oder auch Vereinbarungen mit Freunden, gemeinsam Sport zu betreiben." (red/pte)

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