Haftungsfragen machen alpine Wege unsicher

29. September 2009, 19:21
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    Die Bergwelt ruft, wie hier beim Aufstieg auf das Wiesbachhorn bei Kaprun. Die Frage, wer allerdings die Wege dort hinauf erhalten soll - Vereine oder die öffentliche Hand -, wird zunehmend zum Zankapfel zwischen Bergsteigerorganisationen und Gemeinden.

Die alpinen Vereine können die für den Tourismus wichtigen Steige nicht länger allein erhalten - Die Gemeinden sollen einspringen - Der Streit wird zum Präzedenzfall

Salzburg/Kaprun - Es ist ein schlichter Fünfzeiler: Mit Schreiben vom 28. Juli dieses Jahres teilt der Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde, Reinhard Dayer, der Pinzgauer Gemeinde Kaprun mit, dass "die Naturfreunde Hochgebirgsschule die Wegeerhaltung und Wegemarkierung zwischen Bruck-Kaprun und Kapruner Törl nicht mehr durchführen kann". Die wegerhaltenden Maßnahmen würden zudem auch für den Steig vom Stausee Mooserboden zum Kitzsteinhorn eingestellt.

Der Kapruner Bürgermeister Norbert Karlsböck (SP) reagiert auf die formlose Mitteilung der Naturfreunde sauer. Man sehe sich außerstande, "für die Wege auf Zuruf eine Haftung zu übernehmen", meint er im Standard-Gespräch. Er werde das Schreiben "nicht zur Kenntnis nehmen".

Auch wenn es im Konkreten nur um 13 Kilometer Wegstrecke geht: Karlsböck befürchtet einen "Präzedenzfall". Die Gemeinden seien bei der Aufteilung der Markierungs- und Erhaltungsarbeiten zwischen den alpinen Vereinen 1968 nicht eingebunden gewesen, also könne man die Steige auch nicht an diese "zurückgeben".

Die Naturfreunde wiederum fühlen sich laut Geschäftsführer Dayer an den 1968 erstellten Kataster nicht mehr gebunden. Er spielt den Ball weiter: Nachdem den Alpinorganisationen die finanziellen Mittel fehlten und ehrenamtliche Mitarbeiter immer weniger würden, müssten sich "Tourismus und Bürgermeister etwas überlegen". Schließlich wäre ja der Fremdenverkehr Nutznießer der Erschließung der Bergwelt.

Dayer geht davon aus, dass andere Naturfreunde-Ortsgruppen wie auch andere Vereine bald nicht mehr in der Lage sein werden, alle Steige instand zu halten und zu sichern. Derzeit wird jedenfalls unter Leitung des Deutschen Alpenvereines ein neuer Wegekataster erstellt. Vielerorts wird befürchtet, dass darin nur ein deutlich ausgedünntes Wegenetz übrig bleibt.

Brisantes Urteil

Zusätzliche Brisanz erhält der Streit um die Erhaltung der 13 Kilometer Weganlagen in Kaprun durch die jüngst erfolgte Verurteilung des Bürgermeisters von Unterach am Attersee. Laut (nicht rechtskräftigem) Urteil haftet der Bürgermeister persönlich für einen Wanderunfall im Jahr 2007, weil er den Wanderweg nicht von einem Gutachter kontrollieren ließ. Nun soll er aus eigener Tasche knapp 5000 Euro Strafe und Schmerzensgeld für den Knöchelbruch bezahlen. Wird dieses Urteil bestätigt, dürfte die Wegeerhaltung in Hinkunft um ein Vielfaches teurer und das Wegenetz drastisch eingeschränkt werden.

Was mit den nicht mehr von den Vereinen gewarteten Steiganlagen geschehen soll, weiß niemand. Für Peter Sönser, der als Jurist bei der auf Naturraumplanungen spezialisierten Ingenieursgesellschaft "i.n.n." die Gemeinde Kaprun berät, ist jedoch eines ganz sicher: "Einen Automatismus, dass die Wege an die Gemeinde gehen, gibt es sicher nicht." Einfach aufgeben könne man einen Weg auch nicht, so Sönser. Schließlich wären alte Markierungen und Seilsicherungen weiterhin vorhanden. Und die wären "eigentlich nur" mit Rückbaumaßnahmen zu entfernen, was wohl niemand wolle. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 30.09.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 83
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Alibaba200
00
16.10.2009, 17:37
"Verurteilung des Bürgermeisters von Unterach am Attersee" - völlig richtig!!!

froescherl
00
1.10.2009, 17:37
was wollen diese naturfreunde???

- zuerst verschenkenken diese seltsamen naturfreunde in wien die erfolgreiche hochalpinschule an die e-wirtschaft, natürlich ohne die mitgliedsvereine zu fragen ...


- und nun, mit einer himmelschreienden überheblichkeit und einer schwachen ausrede, werden die herrlichen wanderwege in einer der schönsten landschaften österreich demontiert ...


- wird dieser verein in kürze auch aufgelöst?


infos zu bergsteigerschule:

... nachzulesen unter: - http://www.hochgebirgsschule.org

teifl eini
02
1.10.2009, 09:49
haftung am berg?!?


ich frage mich schon, welcher hirni auf die idee kommt, jemanden zu klagen, nur weil er/sie sich in der freien natur den knöchel bricht! ich kenne keinen einzigen (gut betreuten) hochalpinen weg, der nicht dann und wann über schotter- oder blockhalden, lockeres material oder schnee führt.

wenn das durchgeht, bleiben nur mehr drei alternativen:

- alle wege zuasphaltieren, d.h. stöckelschuh-sicher machen und schnee abschmelzen
- alle 100m eine tafel aufstellen: "haftung auf eigene gefahr"
- wege verfallen lassen.

diese einklagerei ist schon ein echter skandal und einfach nur unverschämt! schon in der stadt nerven mich diese sinnlosen dachlawinen-stangen!

Yudhistira
03
30.9.2009, 17:28
Ich plane meine Bergtouren ohnehin nur mehr mit Rechtsanwalt.

Und erst das Schmerzensgeld, das ich letztlich bekam, als ich von der Brücke sprang (keine Verbotstafel!!!).
Aber gut, ich lebe ja davon.....

Yudhistira
00
30.9.2009, 17:11
Da die weisungsgebundene Justiz

in der Wirtschaftskrimminalität keine Aufträge mehr annimmt, sucht man sich ein neues Betätigungsfeld.

Ain't got no how watchamacallit
00
30.9.2009, 14:33

grundsätzlich muss man sich fragen was denn günstiger sein wird: die wege zu markieren und zu sichern oder die auf den dann unmarkierten und ungesicherten wegen verirrten, verletzten oder gar verunglückten "alpinisten" zu retten/zu bergen.
in der schweiz zb ist es absolut unüblich die wege zu markieren, da braucht man karte und kompass oder bussole und führer (buch oder mensch), im vergleich zu ö weitaus anspruchsvolleren gelände…

fokyoo
00
30.9.2009, 14:31
mann ist das ein herrliche aussicht auf dem bild da..

unglaublich..


kann man da auch als normaler mensch ohne bergsteigerausrüstung rauflatschen ?

jeffk
00
30.9.2009, 18:21

sicher, flipflops an und aufi;-)

Tobo
01
30.9.2009, 17:47
als normaler Tiroler gings

War einer meiner schönsten aber auch anstrengendsten Bergtour (Wir waren damals aber auch zu geizig für den Lift und sind vom Tal aus losgegangen).

Hier ein Link zur Tourenbeschreibung:

http://www.alpintouren.com/de/touren... 18711.html

Wir hatten Steigeisen dabei, sie aber nicht benötigt, da der Schnee sehr weich war. Trittfest und schwindelfrei sollte man aber schon sein.

teifl eini
01
30.9.2009, 17:38
a geile tour, aber ...


so weit rauf wie am foto gehts für unerfahrene sicher nicht; aber bis zum schwaiger-haus kann man mit festen bergschuhen und guter kondition schon hinaufsteigen. dort sitzt man wie im adlerhorst über dem stausee moserboden bzw. quasi am gletscherbruch. von der mauer bis zur hütte sinds je nach fitness 2 bis 4 stunden

auch die anreise mit schrägwandaufzug und bus bis zur staumauer ist für sich schon eine reise wert.

ganz zu schweigen natürlich von der haubentauglichen küche der naturfreunde in der alpinschule (liegt am gupf zwischen den beiden oberen staumauern)!

Ich poste, also bin ich
00
1.10.2009, 01:08
Die Hochalpinschule

ist Dank Verbund-Naturfreunde-Doppelfunktionäre zugunsten des Aktienkurses aufgegeben.....

teifl eini
00
1.10.2009, 09:41
wie bitte?


wirklich? na das finde ich ja superschade! ich kann mir ein paar gründe denken, welche waren es wirklich?

Rumo von Zamonien
00
30.9.2009, 17:31
Äh, wie "ohne Bergsteigerausrüstung"!?

Sie meinen Eisen&Pickel , oder?
Nimmt man da besser auch mit.
:-)

http://www.alpintouren.com/de/touren... 19546.html

Krawutzikapuzi
01
30.9.2009, 14:10
würden sie von allen

badeschlapfen-louis-trenker und ruderleiberlalpinisten und familien, die kleinkinder raufjagen je 50 euro kassieren, hätten sie genug geld...

aber so....
dumpfbacke mit alko spiegel aus der berghütte stürzt mit badeschlapfen ab und verklagt hinterher den wegerhalter...

demnächst.

Hafner
20
30.9.2009, 13:42
Das sind nur die ersten Anzeigen ...

... der Internationalisierung unserer Gesellschaft.
Was haben die Gutmenschen denn geglaubt, was geschieht, wenn wir unseren Nationalismus aufgeben?
Dass die Welt unser Rechtssystem übernehmen wird?
Nein - die USA wird unsere Gesellschaftsform bestimmen. Unser Land wird in die Hände von Anwälten und Kapitalgesellschaften fallen (ist eh schon so).
Dieweilen werden alle noch fleißig: Nationalismus böse brüllen und damit deren Geschäft erledigen.

natoll
05
30.9.2009, 13:30

der gesetzgeber könnte, sofern er denn wollte, diesem klagswildwuchs rasch ein ende setzen. aber er will offensichtlich nicht.

hat aber nur am rande mit der wegbetreuung mangels kapital und personal zu tun.

ulenspygel
01
30.9.2009, 13:22
ich glaube es war der Architekt Friedrich Achleitner...

der mal so treffend sagte: Wann's in Venedig alle bautechnischen Bestimmungen einhalten müssten, hättens dort überall nur mehr Geländer.

Und ich sah auch deutsche Flachlandtouristen, die mitten im Sommer auf der Tauplitzalm mit Sandalen herumschlapften. Tags drauf gabs ein Gewitter, das sich gewaschen hatte: innerhalb einer Viertelstunde lagen auf der Terrasse des Schutzhauses am Lawinenstein rund fünf Zentimeter Hagel&Graupelkörner. Mit Sandalen war da wirklich nix mehr. Und man war froh über die den ganzen Tag mitgeschleppte bergtaugliche Ausrüstung.

Da gibts so ein Wort das mit "E" beginnt...

Eigenverantwortung?

Nix da Smoothies! Obst trinkt man gebrannt.
02
30.9.2009, 13:09
Und an jede Wand

muss alle halben Meter ein Schild

"Anrennen auf eigene Gefahr".

Flip-per
00
30.9.2009, 14:45

Das erinnert mich an ein Schild in China, in einem Park neben dem See:
"Do not fall into the water"
:)

natoll
00
30.9.2009, 13:27

und nichtmal das würde rechtlich genügen ....

defibrilator
04
30.9.2009, 13:00
wenn einer auf den berg will, dann braucht er keinen weg

wenn er einen braucht, dann ist er für alpines gelände nicht geeignet ;-)

Gegen Dreck am Stecken hilft ein Kondom
07
30.9.2009, 12:57
Traurig

wie die Juristerei immer mehr in unsere Leben eingreift und alles kaputt macht, indem alle möglichen Leute kriminalisiert werden.

Gorilla Quondam Gorillaque Futurus
00
30.9.2009, 12:18
naja, wenns ein weg ist, und in der gemeinde liegt, jedenfalls auf öffentlichem grund, wird ja wohl die gemeinde haften. no na.

was der fall aufzeigt ist die hilflosigkeit der kleinen gemeinden gegenüber den doch recht hohen kompetenzen und verantwortlichkeiten, die sie tragen sollen.

eine struktur von, zb in der stmk, 500+ gemeinden für knapp über eine mio. einwohnerInnen ist schlicht und einfach in keiner weise zukunftsfähig.

wir sollten ehestens unsere unterste regierungsebene in bezirke ähnlich den deutschen landkreisen umwandeln, und diesen die infrastruktur- und planungsagenden wie strassen, baubehörde, wegeerhaltung und müll übertragen. die spatzen auf den dächern sind schon ganz narrisch, weil sie dieses lied seit jahrzehnten schon pfeifen. die politikverdrossenheit wird nicht abnehmen, bevor es ein paar politikerInnen gibt, die das nennen, wie's ist.

Zunni
07
30.9.2009, 12:32

es geht darum, dass jemand der 130kg wiegt und auch sonst nix in der wildnis (denn genau das sind die berge grossteils) verloren hat, einen bürgermeister (nicht die gemeinde!) mehrere tausend euro kostet.

wanderwege sind grundsätzlich für durchschnittsmenschen ausgelegt, nicht für hannibals elefanten. ausserdem kann man nicht nach jedem grösseren regenschauer in die berge ausschwärmen um wege zu überprüfen, diese werden von freiwilligen (!) gratis (!) instandgehalten.

davon abgesehen ist natur kein disneyland, sondern eben weitgehend wildnis. wer das risiko eingeht, sich in einer solchen umgebung zu bewegen sollte dafür zu 100% selbst haften.

allerdings: weniger wege hat - für jene die die alten wege kennen - auch seinen charme ...

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