Lauter hochanständige Leute

29. September 2009, 18:56

Die SPÖ etabliert sich als die Partei der Verlierer, denen Konsequenzen fremd sind

Erich Haider ist ein hochanständiger Mensch. Sagt Werner Faymann. Einer, der Charakterstärke besitzt. Sagt Werner Faymann. Er will den Kollegen in Linz gar nichts vorschreiben, die werden schon wissen, was zu tun ist. Und er vertraut Erich Haider. Sagt Faymann.

So kann man sich irren.

Mag sein, dass Erich Haider ein hochanständiger Mensch ist. Sofern das als Politiker überhaupt möglich ist. Ein Populist, das ist er jedenfalls, aber das muss den persönlichen Anstand ja nicht ausschließen.

Aber Erich Haider macht jetzt einen Fehler. Noch einen. Er kann nicht loslassen, er kann die Niederlage nicht einsehen, er will die Konsequenzen nicht tragen. Er bleibt auf seinem Sessel picken. Und so macht auch Faymann einen Fehler, wenn er seinem Freund Haider vertraut und die Genossen in Linz gewähren lässt.

Die SPÖ mit Erich Haider an der Spitze hat ein Minus von 13,4 Prozentpunkten eingefahren. Sie hat fast ein Drittel ihrer Wähler von 2003 verloren. Sie hat mit 24,9 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis im Land eingefahren. Und Haider war angetreten, um Erster zu werden. Gibt es ein deutlicheres Signal? Was gibt es da nicht zu verstehen?

Und dennoch bleibt Haider. Wie vor ihm Michael Ritsch in Vorarlberg (minus 6,8), Reinhart Rohr in Kärnten (minus 9,7), Hannes Gschwentner in Tirol (minus 10,4) oder Hannes Swoboda im EU-Parlament (minus 9,6). Die SPÖ kann mit Niederlagen nicht umgehen.

Der Vorstand hat ihm das Vertrauen ausgesprochen, lamentierte Haider am Montagabend. Das ist so nicht einmal ganz richtig, weil es im Parteivorstand auch Gegenstimmen gab. Tatsache ist aber, dass Haider offenkundig das Vertrauen der Bevölkerung nicht genießt, da braucht er sich nur die Ergebnisse anschauen. Und nur das sollte für einen Politiker zählen. Auch wenn es schmerzlich ist. Was ein paar geschockte und ratlose Funktionäre dazu meinen, ist nicht relevant.

Haider hat viel für die Partei geleistet, das ist unbestritten, aber jetzt steht er vor den Trümmern seiner politischen Karriere. Wenn Werner Faymann wirklich ein Freund wäre und nicht nur als Dank für die erwiesene Loyalität falsche Rücksichtnahme übt, dann würde er das Haider auch in aller Deutlichkeit mitteilen.

Der kann die Partei nicht reformieren, er hat sie nach bestem Wissen und Gewissen dorthin geführt, wo sie jetzt steht: an den Abgrund. Das ist nicht allein seine Schuld, hängt aber offenkundig auch mit seiner Person zusammen.

Was sich in Oberösterreich abspielt, ist symptomatisch für die Bundespartei: Augen zu und durch. Nichts ändern, keine Konsequenzen, nicht zurückschauen. Hochanständig, das mag auch Werner Faymann sein, wenn er jetzt keinen Sündenbock sucht und kein Personalopfer auf dem politische Altar bringt. Aber ist das klug, sich als die Partei der Verlierer aufzustellen? Und offenkundige Schwachstellen gibt es in der ersten Reihe genug.

Setzt Faymann schon kein Zeichen der personellen Erneuerung, wird er sich wenigstens einer inhaltlichen Diskussion stellen müssen. Aber auch diese versucht er seit Monaten zu unterdrücken. Aus gutem Grund. Faymann kennt seine roten Pappenheimer. In der SPÖ läuft eine solche Debatte meist recht eindimensional: Das soziale Profil zu schärfen heißt nichts anderes als höhere Vermögenssteuern zu fordern, und die "wahren Probleme" anzusprechen läuft stets auf eine Verquickung der Themen Kriminalität und Integration hinaus. Sprich: Ausländer hauen.

Erich Haider und Werner Faymann, da mag der eine anständiger als der andere sein. Aber das hilft ihnen (und der Partei) im politischen Leben nicht weiter. Da kann die Realität ein ganz schön brutales Korrektiv sein. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 177
1 2 3 4 5
also dann ...
01
3.10.2009, 19:17
w e r ... hat uns verraten : S O Z I A L D E M O K R A T E N !

VOLKER PIPERS... bringts auf den punkt :
die spd (sowie die s p ö )...
machte systematisch politik GEGEN ihre eigenen wähler...
und dann wundert sie sich, wenn diese sich von ihr abwenden ?!?

anonym92
10
20.10.2009, 16:42

Schaffen sies auch einmal ein Argument zu liefern, ohne sich dabei auf einen durchschnittlichen deutschen Komiker zu beziehen?

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
00
30.9.2009, 20:21
*C*E*S* *E*S*R*

Halleluja!

Independent Living
00
30.9.2009, 19:56
Seit wann gibt der Ochs Milch?

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
10
30.9.2009, 19:45
Wer ist ein Leistungsträger?

Grün: Arbeitet viel, verdient wenig
Rot: Arbeitet wenig, verdient viel?

Der Joker
 
01
30.9.2009, 20:04
Lassen Sie solchen Unfug


Nur wenn wer "viel arbeitet" ist er noch kein Leistungsträger. Und umgekehrt auch nicht.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
00
30.9.2009, 20:10
Naja, viel arbeiten = viel Leistung

...was jetzt?

AllesWieImmer
00
30.9.2009, 20:04
Schwarz

... Arbeit ist: Sich als "Member of the Board" zur Verfügung zu stellen!
Arbeit ist: Sich jemandem / einem Anliegen usw. zuzuwenden!
Arbeit ist Zuwendung, Zuwendung ist Arbeit!
Das Netzwerk ist die Arbeit!

Ich bin wirsch, gezogen und gehobelt.
 
00
30.9.2009, 17:33

Das Hauptproblem der SPÖ ist meiner Meinung nach, dass sie die, die (immer schon!) ziemlich dumpf ausländerfeindlich waren, fast schon zur Gänze an die FPÖ verloren hat. Der ÖVP nimmt die FPÖ nicht annähernd so viele Stimmen weg. Die SPÖ kann diese Wähler nur zurückgewinnen, wenn sie ihnen was bieten kann. Das kann sie aber nicht, weder hat sie Jobs noch Wohnungen zu verteilen, am ehesten noch Plätze im Pensionistenheim, Kreisky ist schon lange tot und kommt nicht wieder, ehemalige Lichtgestalten wie Cap und Aigner sind längst "integriert" und "Intellektuelle" wie Krassnitzer, Heller & Co sind dem gemeinen Wahlvolk powidl. Charismatiker wie (einst) Grasser und Strache können in der SPÖ leider nichts werden, wie's ausschaut.

wimmerl
00
1.10.2009, 00:23

Alsao den herrn Grasser als Charismatiker zu bezeichnen ist doch sehr gewagt, insbesondere nach dem sich ständig verbessernden Kenntnisstand.

Ich bin wirsch, gezogen und gehobelt.
 
00
1.10.2009, 17:04

Ich bin auch nicht begeistert davon, dass er Charisma hat, nur ist es nicht zu ändern.

Der Joker
 
85
30.9.2009, 15:00
Einer der Veränderung reinbringen wollte, war Alfred

Gusenbauer ("Solidarische Leistungsgemeinschaft"). Der hat das sture Festhalten an der Ideologie "haut die Reichen" schon zu spüren bekommen und abgedankt.

Die Erhöhung von Vermögenssteuern für "Reiche" wird nicht das gewünschte Ausmaß an Ertrag bringen und die Leistungsträger, die heute schon das Rückgrat der Steuerlast bilden, noch weiter belasten. Die Transfer-Schere zwischen den Low Performern und Key Playern wird noch weiter aufgehen.

anonym92
00
20.10.2009, 16:43

...den Low Performern und Key Playern...

Übelstes neoliberales Geschwätz - einfach ekelhaft.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
41
30.9.2009, 19:44
Sag uns JOKER!!!

Wer sind die Leistungsträger ???

Der Joker
 
02
30.9.2009, 20:02
Ach das wissen Sie nicht

Typisch keine Ahnung....

Die Leistungsträger, das sind diejenigen, die Leute im "geschützten Bereich" nur vom Hörensagen kennen und die diesen "Betrieb Staat" bezahlen...

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
10
30.9.2009, 20:12
Sie meinen d e n "Betrieb Staat", der den Banken Milliarden in

den Ars*h geschoben hat?

teiga wutz
20
30.9.2009, 19:35
so ein Blödsinn ...

systemfehler1
21
30.9.2009, 19:22
Das "Rückgrat der Steuerlast"

ist der Mittelstand.
Und zwar solange, bis ihnen das Steuersystem das Rückgrat bricht.

anonym92
00
20.10.2009, 16:45

...bis ihnen das Steuersystem das Rückgrat bricht...

Für das, dass sie hier so konsequenzlos rumjammern, gehts uns eigentlich ganz gut.

1. Wenns ihnen nicht passt im Land, wanderns doch aus in ein Land, in dem Milch und Honig fließen - dazu sinds aber wohl zu feig.
2. Der einzige Systemfehler sind wohl sie.

JobMotor
22
30.9.2009, 19:18
Vermögenssteuer ist die einzige Lösung !

Franz Stefan
00
2.10.2009, 23:26
... und Lacina war ein Debb???

Oder wie?

Dance
210
30.9.2009, 15:20

Frage:
*"Leistungsträger": Wer gehört denn da dazu, hm? Putzfrauen? Verkäuferinnen? Oder sind das "Low-Performer"? Krankenpfleger, Behindertenbetreuer?

Transferschere, aufgehende, ?
Fakt sind folgende aufgehende Scheren: Hoch-/Geringverdiener, Besteuerung Arbeit / Kapital+Vermögen.

Kurz: In ihrem Post mischt sich Propaganda-Neusprech mit Topfen.

stop-making-sense
13
30.9.2009, 17:18
Low Performer

sind zum Beispiel Eisenbahner, die es schaffen bei nur 3 1/2 Tagesarbeitszeit, trotzdem Überstunden zu schreiben.

High Performer sind in der Privatwirtschaft unselbstständig Erwerbstätige, die nicht mehr bereit sind bei diesem Hokuspokus zuzuschauen, hm.

Terence Lennox
23
30.9.2009, 16:22
key player sind leute..

..die mit ihrer arbeit wieder arbeit schaffen. low-performer sind leute, für die teile dieser arbeit abfallen. no-performer sind leute, die zu diesem system nichts beitragen wollen und sich lieber in eine grundversorgung begeben wollen (etwa ein viertel der österreicher schätze ich)..

anonym92
00
20.10.2009, 16:46

...sich lieber in eine grundversorgung begeben wollen...

Sie sollten nicht von sich auf andere schließen.

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