Die LGT Bank muss sich auf eine Klagewelle einstellen. Ein wegen Steuerhinterziehung verurteilter Kunde klagt auf Schadenersatz
Vaduz/Wien - Die liechtensteinische LGT Bank, im Besitz des Fürstenhauses, muss sich auf eine Klagewelle deutscher Bankkunden einstellen. Die Bank hätte die Steuersünder zu spät über den Diebstahl der Kundendaten informiert und ihnen damit die Möglichkeit einer Selbstanzeige genommen, lautet der Vorwurf.
Der deutsche Rechtsanwalt Jürgen Wagner vertritt zusammen mit Liechtensteiner Kollegen zahlreiche Anleger und stützt sich darauf, dass die LGT bereits 2002 über den Datenraub Bescheid wusste. Allerdings informierte sie die deutschen Kunden erst nach dem Publikwerden des Falles Klaus Zumwinkel - der ehemalige Chef der Deutschen Post hatte Steuern hinterzogen. Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland geht es bei den Verfahren um eine Klagssumme von "Dutzenden Mio. Euro" .
Bereits heute, Mittwoch, wird der erste Fall gegen die LGT verhandelt. Ein deutscher Unternehmer aus Bad Homburg verlangt von der Bank Schadenersatz in der Höhe von 13 Mio. Euro. Zu Prozessbeginn war der Kläger nicht persönlich anwesend. Er
begründete dies mit dem großen Medieninteresse, denn er sei keine Person des
öffentlichen Lebens, richtete sein Anwalt vor dem Landgericht aus.
Sünder-CD an den BND
Die Kunden hatten über das Liechtensteiner Geldhaus einen Teil ihres Vermögens am Fiskus vorbeigeschoben. Ein Mitarbeiter der LGT Treuhand hatte im Jahr 2002 eine CD mit Daten von knapp 1400 Bankkunden gestohlen, und soll die Liechtensteiner Bank ab 2003 damit erpresst haben. Nachdem die Daten vermeintlich zurückgegeben wurden, hat der Ex-Mitarbeiter diese 2008 an den Bundesnachrichtendienst verkauft.
Bereits Monate vor der spektakulären Hausdurchsuchung bei Zumwinkel sollen ausländische Behörden aktiv geworden sein, die LGT hätte zu diesem Zeitpunkt die deutschen Bankkunden informieren müssen, sagen die Anwälte.
Die Klagen stellen für die Bank und die Eigentümer eine heikle Situation dar. Denn derzeit ist das Fürstentum damit beschäftigt, von der grauen Liste der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gestrichen zu werden - eine Liste jener Staaten, die nicht die Steuerkriterien der OECD erfüllen.
In den vergangenen Monaten hat Liechtenstein bilaterale Abkommen, etwa mit Deutschland, Frankreich und den USA unterzeichnet, um sich den OECD-Standards anzunähern. (sulu/red, DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2009)