Jeffrey Donovan spielt einen US-Spion ohne institutionelles Zuhause, der in seine Geheimnisse einweiht
Der Einstieg in eine neue Serie ist wie die erste Seite eines Buches: Man will verführt werden. "Burn Notice", eine neue US-Serie Montagnacht auf Vox, geht immerhin schnell in medias res. Jeffrey Donovan spielt einen US-Spion ohne institutionelles Zuhause, der uns über Voice-over in seine professionellen Geheimnisse einweiht. Der Clou dabei ist, dass diese ziemlich anders sind, als wir es über einschlägige Filme und Bücher zu wissen glaubten.
Burn Notice bedient sich vor allem des Mittels der Ironie, wenn die kosmopolitische Souveränität des Agentendaseins mit profaneren Problemen kontrastiert wird. Das fängt beim Status von Michael Westen an: Er wird von anonymer Seite geschasst - nichts anderes meint der Serientitel, der auf dieses Verfahren verweist. Von allen Datenbanken gelöscht und als vertrauensunwürdig eingestuft, muss der Spion jetzt selbst schauen, wo er bleibt.
Westen wacht in Miami aus der Bewusstlosigkeit auf - in jenem US-Bundesstaat, der aufgrund seiner Karibiknähe und dementsprechend knapper Körperbedeckung in Serien immer sehr beliebt ist. Auch in Burn Notice beginnen Szenen gerne mit einer Einstellung auf ein Popscherl, um sich hernach auf das Dilemma des einzigen Anzugträgers zu konzentrieren, der sich unter dauerpartyfeierndem Jungvolk versteckt hält.
Seine Fähigkeiten setzt er einstweilen für kleine Nebenerwerbe ein. Dabei bringt er, ein Hobbybastler wie der hiesige Selfman, dem Zuschauer bei Musikberieselung seine Gimmicks näher: Fake-Bomben, Überrumpelungsstrategien, Fingerabdrucksaneigung etc. Einziges Gegengift gegen diese selbstverliebte Emsigkeit: Bruce Campbell als Faulpelz, der sich von reichen Frauen aushalten lässt. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD; Printausgabe, 30.9.2009)