Klimaschonende Kohle

4. Oktober 2009, 18:00
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Ist die großtechnische Abtrennung von Kohlendioxid aus einem bestehenden Kraftwerk möglich? Diese Frage soll anhand einer Pilotanlage in Deutschland geklärt werden

Nach allen Prognosen wird die Nutzung von Kohle als Energieträger in den nächsten Jahrzehnten besonders in Indien und China weiter steigen. Für einen effizienten Klimaschutz müssen daher Techniken entwickelt werden, die CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken deutlich senken. E.ON hat nun im Kohlekraftwerk Staudinger bei Hanau eine Pilotanlage zur Abscheidung von CO2 in Betrieb genommen, die die Basis für größere Demonstrationsanlagen bilden soll.

Neben dem Block 5 des Kraftwerks wurde ein rund 35 Meter großer Absorber errichtet, durch den ein Teilstrom des Rauchgases geleitet wird. Der Absorber enthält Siebe aus Metall und eine Waschlösung, durch die das Gas nach oben steigt. Die darin enthaltenen Aminosäuresalze sind in der Lage CO2 zu binden und zu rund 90 Prozent aus dem Rauchgas zu entfernen. In einem etwa 20 Meter hohen Desorber wird das Gas durch Erwärmen wieder aus dem Salz gelöst, das sich fast vollständig wiederverwerten lässt und für die Umwelt keine Belastung darstellt. 

Energieverlust minimieren

Das bei diesem Post-Combustion-Capture-Verfahren abgeschiedene Gas kann verdichtet, für chemische Prozesse weiterverwendet oder zu Lagerstätten transportiert werden. An der unterirdischen Speicherung von CO2 wird geforscht. Da die CO2-Abscheidung Energie verbraucht, reduziert sie den Wirkungsgrad eines Kraftwerks. Besonders die Erwärmung des Waschmittels ist energieaufwändig. Die Experten von Siemens haben es durch langjährige Optimierung im Labor geschafft, das Waschverfahren so zu verbessern, dass es nur 9,2 Prozentpunkte Wirkungsgrad kostet.

  • BU Pilotanlage zur Abtrennung von CO2 aus einem bestehenden Kohlekraftwerk.
    foto: siemens

    BU Pilotanlage zur Abtrennung von CO2 aus einem bestehenden Kohlekraftwerk.

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