Tag des Kaffees

Vom Nahrungsmittel zum Appetitzügler

30. September 2009, 16:19
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    reuters/yusuf ahmad

Im Verlauf der Geschichte haben sich die gesellschaftlichen Funktionen des Kaffees verändert

Kaffee ist nicht mehr, was er einmal war: Nach einer Karriere als wichtiges Grundnahrungsmittel und Luxusgut für die Elite fristet das Heißgetränk mittlerweile einen Platz als unauffälliger Alltagsbegleiter. Kaffeekränzchen als gesellschaftliches Ereignis oder die Freizeitbeschäftigung stundenlanger Kaffeehaus-Besuche gehören laut Roman Sandgruber vom Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität in Linz der Vergangenheit an. Stattdessen hat sich der Pappbecher zum Mitnehmen etabliert und die Konkurrenz durch Energydrinks nimmt zu.

Vor Jahrzehnten hat das koffeinhaltige Bohnengetränk das Leben der Menschen noch maßgeblich beeinflusst: Im 18. Jahrhundert machte Kaffee Alkohol die Stellung streitig und verdrängte diesen vom Frühstückstisch, erklärte Sandgruber. In einem Linzer Internat wurde den Zöglingen laut historischen Dokumenten beispielsweise ein Seiterl kredenzt. Als klassische Vormittagsgerichte galten bis zur Etablierung der koffeinhaltigen Brühe auch Biersuppe oder Branntwein mit Tee.

Zunächst für die Arbeiterklasse

Als Nahrungsmittel hat Kaffee seinen Siegeszug aber schon vor etlichen Jahren beendet: Erzeugnisse aus Malz galten neben Kartoffeln und Branntwein als das Hauptnahrungsmittel der Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert. "Diese Art Kaffee war ja weniger ein Genussmittel", so Sandgruber. Getrunken wurde die Brühe mit viel Milch aber auch pur und somit ohne Nährwert. "Aber das hat Hungergefühl überdeckt", erklärte der Universitätsprofessor. Ein Faktor, der Kaffee noch heute eine Funktion als Appetitzügler bei Diäten beschert.

"Eine Tasse fegt körperliche Müdigkeit weg und sorgt für einen klaren Kopf" - Dieser Leitsatz verschaffte dem Koffein-Lieferanten ein Image als "Getränk der Intellektuellen", das unter diesem Motto noch heute gerne bei Sitzungen konsumiert wird. "Kaffee hat diese Zuschreibung noch immer", so Sandgruber. "Dieser Diskurs ist heute aber nicht mehr ganz so präsent." Die anregende Wirkung sei im 17. und 18. Jahrhundert noch stärker betont worden als heute und machte Kaffee zu eine Statussymbol der StädterInnen und der gehobenen Schicht. Als belebendes Elixier würden sich nun Energydrinks mit dem Ruf, jung und dynamisch zu sein, immer mehr durchsetzen.

Frühstücksgetränk

Das gesellschaftliche Kaffee-Trinken selbst hat laut Sandgruber zwei Entwicklungsstränge: Besuche im Kaffeehaus und das Kaffee-Kränzchen zu Hause, beide erfüllten vor allem eine Kommunikations- und Repräsentationsfunktion. "Das ist heutzutage nicht mehr vorhanden", betonte Sandgruber. Im häuslichen Bereich werde Kaffee hauptsächlich zum Frühstück getrunken oder rasch zwischendurch und ohne Gesellschaft. In der Öffentlichkeit habe sich der Espresso mit dazugehöriger Kaffeebar - auch als Zeichen der Hektik der Zeit - etabliert. Stundenlange Konversationen unter den Gästen oder eine Partie Schach bei einer gemütlichen Tasse seien nur mehr die Ausnahme.

"Es ist schwer abzuschätzen, was als neue Konkurrenz noch auftauchen wird", so Sandgruber über eine mögliche Zukunftsrolle für das Traditions-Getränk. "Wer hat vor 20 Jahren gedacht, dass es Energydrinks geben wird?" Hoffnungsschimmer für den Kaffee: Österreich gilt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 8 Kilo oder 160 Liter nach wie vor als Land der KaffeeliebhaberInnen. Nur SkandinavierInnen trinken in Europa mehr. (APA)

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13 Postings
papa_ratzi
01
3.10.2009, 18:18

"Im 18. Jahrhundert machte Kaffee Alkohol die Stellung streitig und verdrängte diesen vom Frühstückstisch, erklärte Sandgruber. In einem Linzer Internat wurde den Zöglingen laut historischen Dokumenten beispielsweise ein Seiterl kredenzt. Als klassische Vormittagsgerichte galten bis zur Etablierung der koffeinhaltigen Brühe auch Biersuppe oder Branntwein mit Tee."

könnten heutige alkis also behaupten, sie halten nur ein altes österreichisches kulturgut am leben?!

soledad juntos
 
01
1.10.2009, 16:39
"[...] Branntwein mit Tee [...]"

Kannte ich bisher nur von Alkbottle ("I laa nua mehr die Höfte Tee in mein Rum")

Sitten woan des... und was bitteschön haben die damals gegen den Kater getrunken???

boris2
00
1.10.2009, 13:28
Da kann mal an die Erzeuger denken

und statt Eduscho Tschibo und andere Hausmarken einen FAIRTRADE Kaffee kaufen. Zwar nicht gut für das Börserl aber gut für die Nase und Gaumen.
Versuch's mal!
Auch große Firmen können das mal bedenken

natoll
00
1.10.2009, 13:45

will dich ja ned zu sehr bremsen, aber eduscho und fair-trade ist eigentlich jahre alt:
http://www.fairergenuss.at/

Sidlo
00
1.10.2009, 12:49
Gerne halte ich mich stundenlang im Kaffeehaus

bei einem großen Schwarzen mit 6 Gläsern Wasser und vielen Zeitungen auf und ich weiß auch von vielen Anderen die soetwas oft machen. So ganz kann ich also das Sterben der Kaffeehauskultur nicht bestätigen. Außerdem macht es mir auch gar nichts wenn ich um 10 Uhr abend noch einen Kaffee trinke, denn schlafen kann ich danach trotzdem sehr gut.

J'adoube
00
1.10.2009, 15:05

Oder bei einem Verlängerten und einer 6-Stunden-Schach-Turnierpartie!

clever s
00
30.9.2009, 22:20
ich vertag es nicht so wircklich...

Kaffee macht mich nervös und ich werd total unentspannt, dazu werd ich auch noch müde davon.

dr toolittle
00
1.10.2009, 15:09
nervöse müdigkeit? interessant!

Truthlobby
01
30.9.2009, 19:46
pervers

finde ich die "burn energy shots" (50ml) von coca cola, als nächstes gibts wohl adrenalinspritzen im gschäft zu kaufen..

Lethawae
00
4.10.2009, 11:49

Die Spritzen muß man wenigstens nicht schmecken!

Dagobert Drache
05
30.9.2009, 19:33
Kaffee ist was feines.

Ich find's aber schad, dass die unsrige Kaffeehauskultur bei viele Gleichaltigen (+/- 30) gar nicht mehr gekannt oder gewollt wird. Viel zu viele kennen nur Café Latte oder Latte Macchiatto oder ähnliches Gschloderwasser. Kein Wunder, das so ein Häferl Milch mit Kaffeegarnierung im Kaffeehaus "Kaffee verkehrt" heißt.

Einspänner, Melange, Großer Brauner, Kapuziner und Franziskaner existieren. Auch ich beginne jetzt erst all das schätzen zu lernen. Es ist eine wunderbare Welt des Genusses. Sie wartet darauf, erforscht zu werden.

Der Wählerwille
 
00
30.9.2009, 23:45
eine wunderbare

eine breite kultur

Club-der-dichten-Toten
00
30.9.2009, 22:49

Da gibt's noch viel mehr ;-)

Auf http://www.cafe-wien.at/cafe-wien... evielfalt/ gibt's eine Übersicht für die, die das nicht kennen...

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