Am Freitag stimmt Irland zum zweiten Mal über den Lissabon-Vertrag ab - Die österreichische und europäische Grüne Ulrike Lunacek war im Wahlkampf-Assistenzeinsatz
Die österreichische EU-Parlamentarierin und Vorsitzende der Europäischen Grünen, Ulrike Lunacek, war am Montag in Dublin im Wahlkampfeinsatz für den Lissabon-Vertrag.
Gemeinsam mit dem Chef der irischen Grünen, John Gormley, der seit 2007 auch Umweltminister ist, mischte sich die Abgeordnete im Zentrum von Dublin zettelverteilend unters Volk.
Neuträlität und Mindestlohn
Am Abend ging es dann von Tür zu Tür - in einem Viertel, das schon bei der ersten Abstimmung mehrheitlich mit "Ja" gestimmt hatte. "Was mich erstaunt hat war, dass uns die Türen schnell aufgemacht wurden", erzählt Lunacek im Gespräch mit derStandard.at.
Die Menschen haben sich sehr für die Details des Vertrages interessiert. Ein wichtiges Thema in Irland ist die Neutralität - und die Angst vor ihrer Abschaffung mit einem EU-Beitritt. Lunacek: "Hier konnten wir einiges aufklären." Als österreichische Abgeordnete sei ihr diese Angst nicht unbekannt.
"Sündenbock"-Phänomen
Warum die Skepsis gegenüber der EU immer noch so groß ist, erklärt sich Lunacek auch mit dem "Sündenbock"-Phänomen: Obwohl Politiker aus den Nationalstaaten in den europäischen Gremien eine Entscheidung mitbeschließen, wird zuhause so getan als habe "die EU" das entschieden.
Um dagegen anzukämpfen, sei es notwendig die Entscheidungen in der EU transparenter zu machen. "Das bedeutet für die irischen Grünen in den Gemeinden vor Ort zu sein - und das gleiche gilt für Österreich", fordert Lunacek. Nur so könne das Vertrauen der Bürger in die Politik wieder hergestellt werden.
Schauergeschichten aus der Welt schaffen
Insgesamt ging es bei den Hausbesuchen oft darum, Schauergeschichten aus der Welt zu räumen. Die Gegner des Vertrages behaupten unter anderem, der Mindest-Stundenlohn würde auf 1,84 Euro heruntergesetzt und Alkohol- und Suchtgiftkranken würde ihr Haus weggenommen. Alles Behauptungen ohne jedwede faktische Grundlage.
"Viele Leute, die zuletzt mit Nein gestimmt haben, fühlen sich dieses Mal - trotz allem - besser und seriöser informiert", erzählt Lunacek. Die Wirtschaftskrise habe auch zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl in der EU beigetragen, das wiederum eine Zustimmung zum EU-Vertrag wahrscheinlicher macht.
Grüne Wende
Dabei waren die irischen Grünen nicht immer für den neuen Vertrag - zumindest nicht alle. Noch vor der ersten parteiinternen Abstimmung brachten die Befürworter die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für einen zustimmenden Parteibeschluss nicht zusammen. Damals stimmten 63 Prozent für ein Ja zum Lissabon-Vertrag - 66 Prozent wären nötig gewesen. Patricia McKenna, die bis 2004 für die irischen Grünen im EU-Parlament saß, gehört heute zu den stärksten Gegnern des EU-Vertrages. Sie hat die Grünen mittlerweile verlassen.
Obwohl laut aktuellen Umfragen am Freitag 55 Prozent der Iren mit Ja stimmen werden, bleibt es spannend. Lunacek: "Es gibt noch viele Unentschlossene." Darüber was passiert, wenn die Iren den Vertrag erneut ablehnen, will die Grüne nicht spekulieren: "Darüber reden wir dann am Sonntag." (mka, derStandard.at, 29.9.2009)