Lissabon-Vertrag

Grüne rennen in Irland für ein "Ja"

29. September 2009, 15:44
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    Ulrike Lunacek mit den irischen Grünen im Wahlkampfeinsatz.

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    Einsatz im Grünen.

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    Für den Vertag im Straßenwahlkampf.

Am Freitag stimmt Irland zum zweiten Mal über den Lissabon-Vertrag ab - Die österreichische und europäische Grüne Ulrike Lunacek war im Wahlkampf-Assistenzeinsatz

Die österreichische EU-Parlamentarierin und Vorsitzende der Europäischen Grünen, Ulrike Lunacek, war am Montag in Dublin im Wahlkampfeinsatz für den Lissabon-Vertrag.

Gemeinsam mit dem Chef der irischen Grünen, John Gormley, der seit 2007 auch Umweltminister ist, mischte sich die Abgeordnete im Zentrum von Dublin zettelverteilend unters Volk.

Neuträlität und Mindestlohn

Am Abend ging es dann von Tür zu Tür - in einem Viertel, das schon bei der ersten Abstimmung mehrheitlich mit "Ja" gestimmt hatte. "Was mich erstaunt hat war, dass uns die Türen schnell aufgemacht wurden", erzählt Lunacek im Gespräch mit derStandard.at.

Die Menschen haben sich sehr für die Details des Vertrages interessiert. Ein wichtiges Thema in Irland ist die Neutralität - und die Angst vor ihrer Abschaffung mit einem EU-Beitritt. Lunacek: "Hier konnten wir einiges aufklären." Als österreichische Abgeordnete sei ihr diese Angst nicht unbekannt.

"Sündenbock"-Phänomen

Warum die Skepsis gegenüber der EU immer noch so groß ist, erklärt sich Lunacek auch mit dem "Sündenbock"-Phänomen: Obwohl Politiker aus den Nationalstaaten in den europäischen Gremien eine Entscheidung mitbeschließen, wird zuhause so getan als habe "die EU" das entschieden. 

Um dagegen anzukämpfen, sei es notwendig die Entscheidungen in der EU transparenter zu machen. "Das bedeutet für die irischen Grünen in den Gemeinden vor Ort zu sein - und das gleiche gilt für Österreich", fordert Lunacek. Nur so könne das Vertrauen der Bürger in die Politik wieder hergestellt werden.

Schauergeschichten aus der Welt schaffen

Insgesamt ging es bei den Hausbesuchen oft darum, Schauergeschichten aus der Welt zu räumen. Die Gegner des Vertrages behaupten unter anderem, der Mindest-Stundenlohn würde auf 1,84 Euro heruntergesetzt und Alkohol- und Suchtgiftkranken würde ihr Haus weggenommen. Alles Behauptungen ohne jedwede faktische Grundlage.

"Viele Leute, die zuletzt mit Nein gestimmt haben, fühlen sich dieses Mal - trotz allem - besser und seriöser informiert", erzählt Lunacek. Die Wirtschaftskrise habe auch zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl in der EU beigetragen, das wiederum eine Zustimmung zum EU-Vertrag wahrscheinlicher macht.

Grüne Wende

Dabei waren die irischen Grünen nicht immer für den neuen Vertrag - zumindest nicht alle. Noch vor der ersten parteiinternen Abstimmung brachten die Befürworter die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für einen zustimmenden Parteibeschluss nicht zusammen. Damals stimmten 63 Prozent für ein Ja zum Lissabon-Vertrag - 66 Prozent wären nötig gewesen. Patricia McKenna, die bis 2004 für die irischen Grünen im EU-Parlament saß, gehört heute zu den stärksten Gegnern des EU-Vertrages. Sie hat die Grünen mittlerweile verlassen. 

Obwohl laut aktuellen Umfragen am Freitag 55 Prozent der Iren mit Ja stimmen werden, bleibt es spannend. Lunacek: "Es gibt noch viele Unentschlossene." Darüber was passiert, wenn die Iren den Vertrag erneut ablehnen, will die Grüne nicht spekulieren: "Darüber reden wir dann am Sonntag." (mka, derStandard.at, 29.9.2009)

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sepp schilehrer
11
1.10.2009, 12:56

Hoffentlich gehts gut aus und der Vertrag kann endlich in Kraft treten. Würds mir auch für einige lustige Prager Präsidenten, Leserbriefschreiber aus Strasshof und Großgmain und einige lustige ja-Austritts-Poster hier wünschen....

Dennoch wird über kurz oder lang ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" nicht zu verhindern sein.....

Glod
00
1.10.2009, 15:14
Es gibt schon lange nicht nur ein Europa der zwei Geschwindigkeiten,

sondern ein "Europa a la carte".

Die Briten sind in der EU, haben aber weder Schengen noch Euro.
Die Schweizer sind nicht bei der EU, dafür aber bei Schengen.
Die Iren haben den Euro, aber kein Schengen und die Dänen haben Schengen, aber keinen Euro.
(Liste lässt sich fortsetzen)

Bei den Grundsätzen der jeweiligen Einzelteile (wie eben Lissabon für die EU) muss man sich halt einig werden, sonst funktioniert das nicht.

Und wenn man den Lissabon-Vertrag ordentlich durchgezogen hätte, hätte man sich dieses ganze Drama gespart.
Wenn sich die Regierungen der EU-Länder zB die Mühe gemacht hätten den Vertrag gründlich zu erklären, wäre die Geschichte schon lange erledigt.
(In dem Vertrag steht mMn nichts was einen nicht-EU-Gegner sehr stört)

sepp schilehrer
01
1.10.2009, 16:55

stimmt schon, das Ur-Übel ist, dass unsere heimischen Politiker die Leute mit ihren Fragen und Ängsten alleine lassen.

Die sind widerspruchslos der Hetze von Brunnenvergifter Pandi und seinem greisen Herrn und Meister ausgesetzt.

Und das wird auch in anderen Ländern so sein.

Ggg14
00
1.10.2009, 21:01

Genauso ist es und, wie Sie richtig vermuten, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa.
So gesehen, gibt es die gemeinsame europäische Gesellschaft ja schon.

Rainer Sarkasmus
11
1.10.2009, 08:40
das paradoxe ist ja

dass die meisten über etwas abstimmen, was sie nicht gelesen haben. hier müsste die eu mal richtige informationsveranstaltungen (und die für jeden bürger verfplichtend) organisieren - die marketing-kampagne ist für die fisch

Ggg14
00
1.10.2009, 21:18

Es ist wirklich paradox. Nämlich, dass die Menschen mit der Begründung, die Abgeordneten hätten den Vertrag nicht gelesen, ein Referendum fordern, wo dann Menschen im Endeffekt abstimmen, die den Vertrag ebenfalls nicht gelesen haben.

Wobei ich jetzt einmal postuliere, das der Abgeordnete, der ihn nicht gelesen hat, noch immer mehr Ahnung davon hat als der Krone-Leser, der die Abstimmung fordert.

Glod
00
1.10.2009, 09:58
Verpflichtend würd' ich es nicht machen.

Und Veranstaltungen können sie sich eigentlich auch schenken. Eine oder mehrere (ausgiebig vorangekündigte) Sondersendungen nach dem Motto "Was ändert der Lissabon-Vertrag eigentlich?" in oder um die Hauptsendezeit herum wären völlig ausreichend.

Das ist ja das was mich an der Debatte am meisten aufregt. Es wird mit allen Mitteln für oder gegen den Vertrag gekämpft, mit Ausnahme des Inhalts...

Und mit Inhalt meine ich was tatsächlich drin steht, nicht die vielen frei erfundenen Horrorgeschichten die unter EU-Gegnern kursieren.

Österreich neu gründen
23
30.9.2009, 13:27
Einen großen Staat - oder einen Staatenbund - kann man nicht demokratisch regieren z.B.: China ; das Problem in der EU ist, das kein Politiker den Mut hat, das den Leuten zu sagen.

Eíne Handvoll Leute geben die Richtung vor, die anderen haben zu marschieren.
Das war auch in dem kleinen Österreich so, man denke an die Regierung Schüssel. Die Iren hätten sich nicht auf eine zweite Abstimmung einlassen sollen.

Fetznschädel
00
2.10.2009, 11:53

USA?

Ggg14
11
30.9.2009, 14:14

Man kann das auch im Kleinen nicht. Da müssten jedem klar sein, der sich einmal in Europa umschaut. Noch klarer müsste es sein, wenn man sich einmal unsere Gemeindeverwaltungen anschaut.

steinscheisser karl
36
30.9.2009, 10:26
keine sorgen ...

... falls die iren wieder nein sagen, wird weiter abgestimmt bis das ergebnis passt.
das nenne ich wahre demokratie nach europäischen zuschnitt.

net-diver
 
01
1.10.2009, 11:56
Was...

... ist daran undemokratisch? Wir stimmen über unsere Kasperln ja auch laufend ab. Nur behindern wir paar Österreicher nicht 500 Mio andere EU-Bürger, was, nebenbei gesagt, wahrlich undemokratisch ist.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
33
30.9.2009, 17:43

Natürlich ist das demokratisch. Leute können ihre Meinung ja ändern. Oder meinen sie solche Sachen sind in Stein gemeißelt? Vor ein paar Jahrzehnten haben noch 900.000 Leute ein Volksbegehren gegen die Fristenlösung unterschrieben. Heute ist das wohl utopisch. Die Leute werden halt klüger und die Argumente von gewissen Leuten halt nicht besser.

JA zum EU-Austritt
23
30.9.2009, 18:56

Und darum wird es auch allmählich Zeit für eine neue Volksabstimmung über den weiteren Verbleib oder Austritt Österreichs aus der EU, weil die "Leute können ihre Meinung ja ändern. Oder meinen Sie, solche Sachen sind in Stein gemeißelt?"

sepp schilehrer
13
1.10.2009, 12:52

der klügste Mann des Forums ist auch wieder da!

Ich warte immer noch auf die Erklärungen,
- wie die extrem exportorientierte Österreichische Wirtschaft den EU-Austritt verkraften soll,
- ob der dann wieder eingeführte Schilling an den Euro gebunden werden soll (was ja wohl der Gipfel der Lächerlichkeit wäre) oder frei floaten soll, sowie
- wie ein kleines Land wie Österreich es künftig mit Milliarden Chinesen und Indern aufnehmen soll. (Mozartkugeln und Lippizaner mal ausgenommen.)

net-diver
 
00
1.10.2009, 11:54
Na...

... dann sollte man das auch tun. Wer auch immer das nun wieder zustande bringt.

Glod
02
1.10.2009, 09:48
Also ich hätte nichts gegen eine Volksabstimmung über einen Austritt aus der EU in Österreich.

Es wäre nur eine ziemlich unnötige Übung.
Trotz allem Geraunze über die EU, sind die Austreter deutlich in der Minderheit.

rubinek
00
30.9.2009, 12:27

Wenn Irland wieder nein sagt wird es wohl zu einem Kerneuropa + Wirtschaftsunion kommen wobei erstere enger zusammenrücken und letztere zum Nationalstaat zurückkehren. Hoffentlich wird das durch eine Gesamteuropäische Abstimmung entschieden in dem die Bevölkerung jeden Landes entscheidet ob sie nur in der Wirtschafts- oder auch in der Politischen Union teilnehemen wollen. Dann können Österreich, Tschechien und Co. endlich in ihre kleine Welt zurückkehren.

(Wobei ich ja glaube, dass ALLE neuen Mitglieder seit 2004 in JEDER Abstimmung die für mehr Integration ist eine Mehrheit erreichen würden.)

abc9
43
30.9.2009, 10:05
+++ EU Demokratie +++

Ist das die tolle EU Demokratie. Wo 1% der Bevölkerung über die restlichen 99% entscheidet ? Na wunderbar ...

Falls sich die Iren in Zukunft gegenüber jeder Neuerung sperren, heißt das dann Stillstand bis zum St. Nimmerleins Tag ?

Frank Duval
10
30.9.2009, 22:30

eine tolle eu-demokratie wäre es gewesen, wenn man in jedem betroffenen staat eine volksabstimmung durchgeführt hätte oder als alternaive eine gesamt-eu-volksabstimmung.

ihre annahme, dass 99 prozent dafür sind, stimmt nur soweit, dass 99 prozent der regierungsvertreter dafür sind, ohne das volk gefragt zu haben.

und man weiß natürlich wieso: bisher fiel die eu mit ihren verträgen bei abstimmungen durchwegs durch - nun geht man halt den weg, nicht mehr abstimmen zu lassen. nur ist das dann demokratie?

Ggg14
00
1.10.2009, 15:13

"bisher fiel die eu mit ihren verträgen bei abstimmungen durchwegs durch "

Das ist definitiv falsch.

net-diver
 
00
1.10.2009, 11:57
D.h....

... aber nur, daß Sie mit der repräsentativen Demokratie nicht am Hut haben. Tja, Pech gehabt, ist nun mal so.

systema radl
00
30.9.2009, 15:27
hoffentlich!

Turkish
00
30.9.2009, 15:19

Wenn der Vertrag endlich ratifiziert ist, dann ist es mit einstimmigen Entscheidungen ohnehin weitgehend vorbei. Allerdings ist noch alles unsicher, da auch Tschechien wieder Probleme macht.

Helmut.Hromadnik
 
11
30.9.2009, 14:35
abc9: ......."Falls sich die Iren in Zukunft gegenüber jeder Neuerung sperren, heißt das dann Stillstand bis zum St. Nimmerleins Tag ?".....

die andere möglichkeit wäre, IRLAND tritt aus der EU aus, was ich mir auch für Österreich wünschen würde !

der neoliberale kapitalismus der EU, die zunehmende kluft zwischen arm und reich, zusammen mit der geschickt verklausulierten aufrüstungspflicht (die militärischen fähigkeiten(!) schrittweise zu verbessern), genügen mir bereits, um "diese EU" ABZULEHNEN.

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