Japan

Preisverfall verschärft

29. September 2009, 09:59

Die Deflation hat sich im August verschärft. Verglichen mit dem Vorjahr verbilligten sich die Lebenshaltungskosten um 2,4 Prozent

Tokio - Die Deflation in Japan hat sich im August verschärft. Verglichen mit dem Vorjahr verbilligten sich die Lebenshaltungskosten mit 2,4 Prozent so stark wie nie, wie aus Daten vom Dienstag hervorgeht. Der deutlich gesunkene Ölpreis drückt auf die Preise, dazu kommt die schwache Nachfrage aus dem Inland.

Während der Ölpreiseffekt vermutlich im September ausläuft, dürfte die Zurückhaltung der Verbraucher die Preise zunehmend nach unten drücken. "Die Gefahr ist, dass die Deflation länger anhält als erwartet", sagte Susumo Kato, Chefvolkswirt bei Calyon Securities. Das dürfte die japanische Notenbank mehrere Jahre lang von Zinserhöhungen abhalten.

In der Kern-Kernrate, bei der Lebensmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, gaben die Lebenshaltungskosten 0,9 Prozent nach. Für die Region Tokio liegen bereits die Daten für September vor; hier sanken die Preise auf dieser Basis sogar um 1,4 Prozent.

Deflation macht ernst

"Die Deflation macht ernst", sagte Yoshimasa Maruyama von Itochu. "Wenn ein Einzelhändler die Preise senkt, müssen die anderen nachziehen, weil sie sonst nichts mehr verkaufen." Zwar löse der Preisverfall keinen Einbruch beim Konsum aus, aber er drücke auf die Gewinne der Unternehmen.

Die meisten Volkswirte erwarten nicht, dass sich der Preisverfall deutlich verschärft, während die Wirtschaft nach der tiefsten Rezession langsam an Fahrt gewinnt. Jedoch dürfte die Deflation noch Jahre andauern: Frühestens im Herbstquartal 2011 sei damit zu rechnen, dass die Preise wieder steigen, sagte Kyohei Morita von Barclays Capital.

Die Bank von Japan sagt derzeit bis März 2011 fallende Preise voraus. Sie dürfte diese Vorhersage um ein Jahr verlängern, wenn sie Ende Oktober ihre nächsten Prognosen vorlegt. Das allein bewegt zwar die Bank nach Einschätzung von Experten wohl nicht dazu, ihre Geldpolitik noch stärker zu lockern. Allerdings rückt ein Ausstieg in die weite Ferne. Die Leitzinsen in Japan liegen derzeit nahe Null.(APA)

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12 Postings
sociovation
01
29.9.2009, 15:41
Bis du narrisch

Wenn das so weiter geht, wird sich eine vierköpfige japanische Familie schon bald eine 40-Quadratmeter-Wohnung leisten können - das ist das Ende der Wirtschaft...

Zarathustra
01
29.9.2009, 13:24
20 Jahre lang gegen die Deflation gekämpft...

...Staatsausgaben bis zum Zerbersten..Staat nahe am Bankrott...und trotzdem geht die Defla ihren Weg. Wie erklären sich das die "Geld ist Tauschmittel"- und inflationshysterischen Ökonomen?

günther aigner
00
29.9.2009, 15:27
wie lange kann japan ...

... die schuldenlast wohl noch tragen?? und was wenn japan den staatsbankrott anmeldet?

Zarathustra
00
29.9.2009, 16:21
Nicht nur Japan...

....zusammen mit Japan wird die gesamte EU plus USA in den verdeckten Staatsbankrott gehen. Wir bekommen jetzt eine extreme Deflation und kurz vorm Sturz des Machtmonopols "Staat" wird man sich international aufs große netto-Geld-Drucken einigen und sich damit gegenseitig übertrumpfen (=Hyperinflation). Krieg wird ebenso ein beliebtes Mittel werden um den Zusammenhalt im Inneren zu gewährleisten und die Wirtschaftskrise zu überwinden. Die kommenden Zeiten werden das Schlimmste das die Menschheit in den letzten Jahrhunderten erlebt hat.

Bank Rott
00
29.9.2009, 18:06

Schlimmer als der 2. Weltkrieg?

Da übertreiben Sie aber schon gewaltig.

Deflation ja, aber sicher nicht extrem, genausowenig, wie in nächster Zeit eine Hyperinflation kommen wird.

Zarathustra
00
29.9.2009, 21:19

Ich hoffe sie haben recht. Der Mensch agiert kausal und was demnächst auf uns zukommt (eine Korrektur der Aufschuldung seit 45), wird heftiger werden als 1929...Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das ein Ereignis wie dieses, das weltweit geschieht, ohne verheerende Konsequenzen bleibt.

Bafana
11
29.9.2009, 11:13
Ist doch prima

Deflation ist nur ein Problem fuer Schuldner, e.g., dem Staatsapparat und grossen Unternehmen die durch Verschuldung kuenstlich gewachsen sind.

Sidlo
00
29.9.2009, 12:47
und für den Großteil Betriebe mitsamt Mitarbeitern die auf einen Berg

von unverkäuflichen Produkten sitzen, welche ja die Ursache für den Preisdruck und die Deflation sind. Keiner kann sich soetwas wünschen, außer eine kleine Minderheit von großen Geldbesitzern.

toneburst
00
29.9.2009, 20:04
"Berg von unverkäuflichen Produkten" ???

Im Artikel steht: "Zwar löse der Preisverfall keinen Einbruch beim Konsum aus, ..."

Potzblitz, offenbar benehmen sich die JapanerInnen in höchst subversiver Weise überhaupt nicht so, wie alle Mainstream-Ökonomen warnen: Fallende Preise - Warten auf noch günstigere Preise - und dadurch dramatischer Einbruch beim Konsum.

Warum alle diesen Blödsinn nachplappern, ist mir ein Rätsel. Dass diese Thesen schlichtwegs falsch sind, sieht man z. B. in der Unterhaltungselektronik- und EDV-Industrie: dort fallen seit Jahrzehnten die Preise. Von Kaufzurückhaltung bzw. dadurch resultierenden Pleiten dieser Branchen hab ich noch nichts gehört.

clearlake
00
15.10.2009, 20:21
in der U-industrie

gibts pleiten bzw. daraus resultierende übernahmen am laufenden band. sowohl in der produktion (quimonda,benq,compaq,etc.) als auch im vertrieb (vobis,birg, um heimische zu nennen...)

rubinek
00
29.9.2009, 10:38

Eine Einladung für 5-10 Jährige Yen Kredite.

Zarathustra
00
29.9.2009, 13:23

Ist das ihr Ernst?

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